Was passt zu mir? 9 Yoga-Stile im Überblick

Neun Mal ein anderer Yoga-Stil – welcher ist wofür? Ein kleiner Leitfaden für den Durchblick im Yoga-Dschungel.

Diese Yoga-Stile decken von sanft, strukturiert, über schwungvoll und fordernd bis hin zu spirituell und energetisch alle Bewegungs- und Bewusstseinsebenen ab.

1. Sanfter Klassiker: Hatha-Yoga

Hatha-Yoga passt zu dir, wenn… du Körperkraft und Beweglichkeit aufbauen und die Grundbegriffe des Yoga erlernen möchtest.

Wenn Leute von „Yoga“ sprechen, meinen sie oft Hatha-Yoga, weil hier der Sonnengruß eine besondere Stellung einnimmt und Hatha obendrein einer der ältesten und ruhigsten Yoga-Stile ist.

Die Bewegungen werden länger gehalten als bei „fließenden“ Yoga-Stilen (etwa Ashtanga) – und zwischen den einzelnen Haltungen wird pausiert, sodass man einen sanften Wechsel von Anspannung und Entspannung erlebt. Eine typische Hatha-Stunde beinhaltet auch Atemtechniken, Meditation, und sie endet mit Übungen zur Tiefenentspannung.

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2. Präzise & klar strukturiert: Iyengar-Yoga

Iyengar-Yoga passt zu dir, wenn… du klare Strukturen und Anweisungen magst und deinen Körper beweglicher machen möchtest, aber dir die spirituellen Elemente des Yoga nicht so wichtig sind.

Hier geht’s um Körperarbeit und um die exakte Ausführung der einzelnen Positionen – oft unter Verwendung von Hilfsmitteln wie Gurten, Kissen und Yoga-Klötzen. Im Fokus stehen vor allem die Kräftigung und die Dehnung des Körpers, weniger die Spiritualität.

Der Name Iyengar kommt vom Begründer dieser Yoga-Richtung: dem indischen Yogi Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar, der die Asanas systematisch ordnete und mit seinen Büchern Yoga in der westlichen Welt populär machte.

3. Schwungvoll & fordernd: Ashtanga-Yoga

Ashtanga-Yoga passt zu dir, wenn… du sportlich ambitioniert bist, bereits ein bisschen Kondition hast und eine klar strukturierte Yoga-Praxis suchst.

Ashtanga-Yoga wird oft auch Power-Yoga genannt , weil die Bewegungsfolgen durchaus Kraft und Ausdauer erfordern. Während alle Körperregionen gekräftigt und gedehnt werden, kommt man ordentlich ins Schwitzen. Dabei kann man aber auch gut abschalten, denn die Atmung wird auf den Bewegungsfluss abgestimmt, und das hat etwas sehr Meditatives.

4. Schweißtreiben & entgiftend: Bikram-Yoga

Bikram-Yoga passt zu dir, wenn… du dich gerne auspowerst und dein Kreislauf Hitze gut verträgt.

Achtung, nur für hitzefeste Menschen: Unter Bikram-Yoga versteht man eine Abfolge von 26 Übungen, die in einem 35 bis 40 Grad heißen Raum durchgeführt werden. Die warme Umgebung soll Muskeln, Gelenke und Bänder dehnbarer und geschmeidiger machen sowie die Entgiftung des Körpers anregen.

Entwickelt wurde dieser Yoga-Stil in den 1970er-Jahren vom indischen Yogi Bikram Choudhury. Jede Bikram-Stunde folgt der gleichen Abfolge von 26 Asanas.

5. Ruhig & passiv: Yin-Yoga

Yin-Yoga passt zu dir, wenn… du zum Beispiel verkürzte Muskeln und Faszien hast und an deiner Dehnung arbeiten willst. Es hilft aber auch gegen Verspannungen und beim emotionalen Loslassen, weiß Yogalehrer Georg Höchsmann: „Durch die langen Dehnungen kann sich einiges lösen.“

Yin-Yoga wird großteils im Sitzen oder Liegen praktiziert. Der Name leitet sich von Yin und Yang ab – dem Konzept der entgegengesetzten Kräfte im Daoismus. Yin repräsentiert dabei die weibliche, weiche Energie, während Yang für den dynamischen, männlichen Gegenpart steht.

Auf den Körper umgemünzt steht Yang für Muskelkraft, während Yin das Bindegewebe sowie Sehnen und Bänder repräsentiert – und genau darauf zielt die Praktik von Yin-Yoga ab. Die Posen werden mitunter mehrere Minuten gehalten, um die größtmögliche Dehnung zu erreichen.

6. Schweißtreibend & fließend: Vinyasa-Flow

Vinyasa-Flow passt zu dir, wenn… du vor allem die körperlichen Komponenten des Yoga schätzt und deinen Körper zum Schwitzen bringen willst“, sagt Georg Höchsmann.

Vinyasa ist die dynamische Form von Hatha-Yoga und wird oft auch Flow-Yoga oder Power-Yoga genannt. Es gibt mehrere Stile und unterschiedliche Sequenzen, aber gemein ist ihnen allen: Die Körperhaltungen werden nicht nacheinander geübt, sondern in fließenden Bewegungen aneinandergereiht.

Dabei werden Posen nur kurz gehalten, und der Bewegungsfluss orientiert sich an einer bestimmten Anzahl von Atemzügen; die Atmung sollte generell synchron mit den Bewegungen gehen.

7. Dynamisch & philosophisch: Jivamukti-Yoga

Jivamukti-Yoga passt zu dir, wenn… du sowohl an deiner Fitness arbeiten und als auch deine Spiritualität vertiefen möchtest und gerne zu Musik auf die Matte gehst.

Dieser Yoga-Stil nimmt Anleihen bei den Posen von Hatha-Yoga, ist allerdings schneller und dynamischer. Gleichzeitig beinhaltet jede Stunde auch spirituelle Elemente wie Meditation, Schriftenlesungen, das Chanten von Mantras, bei dem oft östliche Klänge mit moderner, westlicher Musik gemischt werden.

„Jivamukti“ steht für „Befreiung zu Lebzeiten“ und predigt Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen, das heißt, oft werden Themen wie Liebe, Tierrecht, Veganismus und Umweltschutz aktiv angesprochen.

Das Ganze wurde 1984 in New York von den US-Musikern David Life und Sharon Gannon gegründet, die damit offenbar den Zeitgeist trafen: Stars wie Madonna und Sting sprangen auf den Zug auf und machten diesen Yoga-Stil weltweit bekannt.

8. Spirituell & energetisch: Kundalini-Yoga

Kundalini-Yoga passt zu dir, wenn… du viele Wiederholungen von ein und derselben Übung zu schätzen weißt und offen für neue spirituelle Erfahrungen bist.

Kundalini-Yoga wurde entwickelt, um unsere Energiezentren entlang der Wirbelsäule zu wecken und innere Blockaden zu lösen. Die Ursprünge liegen im 15. Jahrhundert, in den 1960er-Jahren machte Yogi Bhajan das Kundalini-Yoga im Westen populär.

Viele Übungen werden mit geschlossenen Augen ausgeführt, um die Konzentration nach innen zu richten. Ein wichtiger Fokus liegt auf der Atmung und auf dem Anspannen gewisser Muskeln, um die Energie im Körper zu halten und zu steuern.

„Kundalini ist auch gut, um das eigene Energielevel zu erhöhen oder ein Zuviel an Energie in die richtigen Bahnen zu lenken“, weiß Yogalehrer Georg Höchsmann. „ Es geht bei dieser Praktik viel um Fokus. Man wechselt die Positionen nicht so oft wie beispielsweise beim Ashtanga-Yoga, aber die zahlreichen Wiederholungen machen es mitunter ähnlich anstrengend.“

9. Ganzheitlich & spirituell: Svananda-Yoga

Sivananda-Yoga passt zu dir, wenn… du Yoga in allen Facetten Yoga vor dem Einschlafenerleben möchtest und offen dafür bist, an deiner spirituellen Entwicklung zu arbeiten.

Wird auch Integrales Yoga genannt, weil es einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt – wobei Meditationen, Mantras, Atemübungen und die Schlussentspannung eine ebenso wichtige Rolle spielen wie die Körperpositionen. Hinter diesem Yoga-Stil steckt Yoga-Meister Swami Sivananda, der Arzt war und viele Bücher zu Yoga und zur spirituellen Entwicklung geschrieben hat. Ein ganzes Netzwerk an Ashrams lehrt seinen Yoga-Stil.

Übrigens: Sivananda-Yoga-Lehrer erkennt man leicht, denn sie tragen meist gelbe T-Shirts und weiße Hosen. Die Farbe Gelb symbolisiert für sie das Einssein von Körper, Seele und Geist. Weiß wiederum steht für das Einssein mit dem wahren Selbst.

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