Gabriele Kuhn

Trockener Reizhusten: Was wirklich hilft und warum wir „zärtlich“ husten sollten

Der Herbst ist da, der Husten auch. Doch wie entsteht die lästige Bellerei überhaupt – und was verschafft Linderung? Sieben Tipps, die helfen.
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Bild: Getty Images

Tussis: Darüber jammern gerade viele. Nein, nicht was ihr denkt, „Tussis“ ist der lateinische Begriff für Husten. Aber warum husten wir überhaupt?

Warum wir husten

Nun, auch wenn Husten nervt, ist er ein wichtiger und sinnvoller Reflex und Schutzmechanismus. Auf diese Weise befreit sich der Körper zum Beispiel von Staubpartikeln oder Fremdkörpern.

Häufig entsteht Husten aber im Rahmen von Erkältungskrankheiten, also grippalen Infekten. Dabei attackieren Viren die Zellen der Bronchialschleimhaut und jene beweglichen feinen Flimmerhärchen, die normalerweise dafür sorgen, dass Schleim oder Staub abtransportiert wird. Das Ergebnis: Schleim sammelt sich an, der Selbstreinigungsprozess ist gestört – wir beginnen zu husten, um die Bronchien vom Schleim zu befreien.

Geschwindigkeit eines Orkans

Dabei werden beeindruckende Kräfte frei – der Körper versucht mit Geschwindigkeiten bis zu 250 m/Sekunde loszuwerden, was er loswerden möchte. Wir erreichen also mit unserem Hustenreflex Geschwindigkeiten eines Orkans.

Wenn der Husten schmerzt

Das kann auf Dauer sehr anstrengend sein und vor allem wehtun, weil beim Husten zahlreiche Muskeln beteiligt sind – das Zwerchfell, die Bauchmuskeln, die Brustmuskeln und natürlich jene Muskeln, die den Kehlkopf und die Stimmbänder bewegen.

So lange dauert Husten

Husten kann leider dauern, doch erst ab zirka acht Wochen spricht man von chronischem Husten, und der hat meist mit komplizierteren Erkrankungen zu tun.

Warum wir „zärtlich“ husten sollten

Es gibt einen trockenen und produktiven Husten, bei dem viel Schleim mitkommt. Ersterer ist eine besonders mühsame Sache, weil man sich tatsächlich in einen Teufelskreis husten kann, besonders nachts. Die Tücke: Je mehr wir husten, desto größer ist die Gefahr, dass das Bronchialsystem noch mehr geschädigt wird und so ein sich selbst erhaltender Husten entsteht. Daher raten Lungenfachärzte dazu, „zärtlich“ zu husten.

Die richtige Husten-Technik

Eine Frage der Technik, bei der kontrolliert gehustet statt gebellt wird. Und das geht so: Man plustert/bläst die Wangen leicht auf und hustet entweder in die Faust oder in den Ellenbogen. So wird ein Luftpolster in den Lungen erzeugt, der verhindert, dass die filigranen Verästelungen in den Bronchien hart zusammenschlagen und dabei geschädigt werden. Außerdem sollte versucht werden, nicht jedem Hustenreiz nachzugeben. Falsch ist es außerdem, den Schleim aktiv herauspressen zu wollen.

Ab wann man von Bronchitis spricht

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Von Bronchitis spricht man übrigens dann, wenn die vielen verzweigten Atemwege entzündet sind, oft ist auch die Luftröhre betroffen. Eine akute Bronchitis entsteht in 90 Prozent der Fälle durch Viren. Wer hustet, muss vor allem Geduld haben. Gerade eine Bronchitis kann zwei bis drei Wochen dauern. Wunderheilung gibt es keine, aber zahlreiche Möglichkeiten, den lästigen Reiz zu lindern. Ein paar Anregungen:

7 Wege, den Hustenreiz zu lindern

  1. Trinken. Trinken. Trinken – und trinken! Am besten warm, in Form von Wasser oder Tee. Zum Beispiel mit Eibischwurzel: Dazu werden 3 TL Eibischwurzel mit ½ l kaltem Wasser angesetzt, 90 Minuten stehen gelassen, dann abgeseiht und leicht erwärmt getrunken. Weitere Auswurf fördernde Kräuter: Thymian oder Spitzwegerich. Es gibt eigene Hustenmischungen in Kräuterdrogerien oder Apotheken. Und natürlich hilft auch die „Wunderwurzel“ Ingwer: Frischen Ingwer mit Wasser kochen, Honig zugeben, Tee genießen.
  2. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin unterstützen gerade bei trockenem Husten sogenannte „befeuchtende Lebensmittel“ den Heilungsprozess: Zum Beispiel lauwarmes Birnenkompott, Grießbrei mit Mandelmilch, alle Arten von saftigem Gemüse.
  3. Wichtig ist außerdem, die Luft zu befeuchten – auf einfache Weise geht das, indem man feuchte Handtücher (auf die man evtl. etwas Eukalyptusöl träufelt) aufhängt, vor allem nachts, neben dem Bett. Vor dem Schlafengehen das Schlafzimmer gut durchlüften.
  4. Nicht zu lange, nicht zu anstrengende Spaziergänge unterstützen das „sanfte Durchatmen“ und bringen ebenfalls Feuchtigkeit. Wichtig ist nur, dass man durch die Nase atmet und die Brust warmhält.
  5. Eine ideale Nachspeise für „Husten-Zeiten“: der „Apfel mit Loch“. Dazu wird ein Loch in einen Apfel gebohrt, mit etwas Honig gefüllt, dann gedünstet – und schließlich vernascht.
  6. Zweimal täglich, morgens und abends, die Brust massieren: Beide Hände reiben, bis sie warm sind. Mit der rechten Hand die linke Brusthälfte kreisförmig massieren – 36 Mal. Dann mit der linken Hand die rechte Brustseite ebenfalls 36 Mal massieren.
  7. Wem’s schmeckt: Lakritze lutschen. Das „Süßholz“ wirkt schleimlösend und beruhigend. Allerdings in Maßen – Bluthochdruckpatienten und Menschen mit Nierenproblemen sollten vorsichtig mit Süßholzwurzel sein.
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