Ab 40 noch Mutter werden?

Die Vor- und Nachteile, wenn man Kinder in einer späteren Lebensphase bekommt.
Bettina Gordon-Wayne
Foto Credit: Bettina Gordon-Wayne

PRO

Bettina Gordon Wayne, Buchautorin “The Joy of Later Motherhood“

„Ich bin mit 44 Mutter geworden und genieße die Zeit mit meinem mittlerweile 5-jährigen Sohn Hunter sehr. Ich hatte vor seiner Geburt ein erfülltes Leben – und somit habe in keiner Weise das Gefühl, etwas zu verpassen. Jüngere Frauen verspüren oft den Drang, sofort in den Job zurückzumüssen. Auch das fällt für mich weg. Eltern über 40 sind oft finanziell stabiler und gesettelter. Auch meine Beziehung steht auf einem festen Fundament.

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Wir haben mehr Lebenserfahrung, sind weiser, haben unsere größten Selbstzweifel überwunden, wissen über uns selbst Bescheid. Das alles fließt positiv in unsere Erziehung ein. Ich habe bei den Interviews, die ich mit älteren Müttern für mein Buch geführt habe, herausgehört, dass viele ihre berufliche Situation hinterfragen, sich bewusst mehr Zeit nehmen, da ihnen klar ist, wie kurz die Zeit mit einem Kind in Wahrheit bemessen ist.

Bettina Gordon-Wayne
Foto-Credit: Bettina Gordon-Wayne

Wissen sollte man übrigens: Frauen, die spät Kinder bekommen, haben eine wesentlich längere Lebenserwartung. Auch die weitverbreitete Meinung, man würde nur mit ärztlicher Hilfe schwanger werden, ist völlig falsch. Die meisten Frauen sind fit und gesund und können ohne Probleme empfangen.

Auch für die Kinder selbst hat es entscheidende Vorteile, wenn Mutter und Vater nicht mehr ganz so jung sind. Man kommt in der Elternrolle oft an seine Grenzen. Wenn man sich gut kennt, nicht alles persönlich oder tragisch nimmt, wirkt sich das positiv auf die Nachkommen aus. Auch in mühsamen Zeiten agiert man gelassener, ruhiger und geduldiger. Emotionale und psychische Stabilität erlangt man einfach meist erst in fortgeschrittenem Alter.

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Dazu kommt, dass wir auch nicht alles immer so machen müssen, wie es die Gesellschaft vorgibt. Wir hören mehr auf unseren Instinkt und setzen uns weniger dem Druck aus, dass man Dinge unbedingt so oder so machen sollte.

Ich kann allen Frauen und Männer, die über 40 noch einen Kinderwunsch verspüren, nur raten, sich auf dieses wundervolle Abenteuer einzulassen.“

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Bettina Gordon Wayne, Buchautorin „The Joy of Later Motherhood“ (Foto Credit: Bettina Gordon-Wayne)

KONTRA

Ines Glatz-Deuretzbacher, Kommunikationsexpertin, Journalistin

„Ich habe meinen Sohn Linus mit 37 und meine Tochter Livia mit 40 bekommen – und kann nur sagen: Gott sei Dank nicht noch später. Ich war bis dahin gewohnt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, bin viel gereist, habe spontane Wochenendtrips unternommen und konnte mir als Selbstständige meine Zeit völlig frei einteilen. Auch meine Interessen konnte ich voll leben: Theater und Konzertabende mehrmals wöchentlich.

Je älter ich werde, umso mehr sinken mein Energiepegel und meine Lust, mich mit grantigen Kids auseinanderzusetzen.

Ines Glatz-Deuretzbacher

Jetzt mit zwei Kindern? Leider nicht mehr. Will man abends ausgehen, muss man Betreuung organisieren. Will man reisen, geht das nur in den Ferien oder von Freitag 13:30 bis Sonntag. Ja, das ist in jedem Alter so: Ich denke nur, dass es immer schwerer wird, auf vieles zu verzichten, was einem wichtig ist – weil es einen hohen Stellenwert im Leben hat, den man sich ja auch erarbeiten musste. Weil es eine Zeit lang gedauert hat, herauszufinden, was wirklich Freude macht und wofür man Zeit und Geld investieren möchte.

Das heißt jetzt nicht, dass es nicht auch ebenso erfüllend ist, Quality-Time mit seinen Kindern zu verbringen. Aber die gibt es im Verhältnis zu allem anderen – Schulstress, schlechte Laune, pubertäre Krisen und so weiter – leider relativ selten. Und für all diese Querelen bin ich oftmals schlichtweg zu müde, zu ausgelaugt.

Und je älter ich werde, umso mehr sinken mein Energiepegel und meine Lust, mich mit grantigen Kids auseinanderzusetzen. Das ist nun mal die Wahrheit – auch wenn Linus und Livia meine liebsten und wichtigsten Menschen sind. Manchmal sind meine Reserven einfach schon verbraucht.
Manchmal denke ich, dass ich steinalt bin, wenn meine Kinder Erwachsene sind, und vielleicht erlebe ich meine Enkelkinder gar nicht mehr. Vor allem dann nicht, wenn auch sie erst ab 40 Eltern werden …