Tag 1: Wie viel bewegst du dich im Alltag?

Am ersten Tag der Mai-Challenge geht es um Achtsamkeit in deinem täglichen Leben. Lenke deinen Fokus heute auf die Bewegung, die du unterbewusst machst oder weglässt.

Wie viel bewegst du dich im Alltag, abgesehen vom geplanten Workout? Achtest du gar nicht so darauf? Kein Problem, so geht es vielen! Einige Bewegungsabläufe, die wir einbauen oder auch weglassen, sind uns gar nicht bewusst. Deshalb lautet die heutige Challenge:

Geh achtsam durch deinen Tag und notiere dir jede Bewegung, die du einbaust!

Vielleicht holst du dir keinen Wasserkrug, sondern füllst dir ein Glas, damit du immer wieder aufstehen musst? Oder du machst beim Toilettengang einen Umweg, um Schritte zu sammeln? Vielleicht fällt dir auf, dass du den ganzen Nachmittag kaum deinen Schreibtisch verlässt?

Interview mit Neurowissenschaftlerin Dr. Manuela Macedonia: Wie Bewegung unsere geistigen Fähigkeiten und unsere Psyche unterstützt

  • Ein Statement von dir lautet „Ich laufe nicht für meine Figur, ich laufe für mein Gehirn!“ Was bedeutet das konkret?

Ich meine damit, dass ich laufe, um gewisse Prozesse in meinem Gehirn anzuregen, die nahezu all unsere geistigen Fähigkeiten unterstützen: denken, lernen aber auch fühlen. Durch Bewegung wird zum Beispiel vermehrt Nervenwachstumsfaktor ausgeschüttet. Diese Substanz wirkt sich für die Neuronen (eine Art von Gehirnzellen) wie ein Dünger aus. Dadurch werden sie stärker, bauen mehr Verbindungen zueinander auf, welche auch stabiler sind. Bewegung kann uns also allein in diesem Aspekt zu einer besseren „Hardware“ im Oberstübchen verhelfen.

  • Inwiefern kann Bewegung das Gedächtnis unterstützen?

Alles, was wir wissen und können ist langfristig eine Sache der Netzwerke und deren Aufbau, der auch durch den Nervenwachstumsfaktor unterstützt wird. Kurzfristig wird Information allerdings in der Tiefe des Gehirns gespeichert, im Hippocampus. Menschen, die sich bewegen, haben einen größeren und besser funktionierenden Hippocampus als jene, die sich nicht bewegen. Bei Kindern ist es besonders auffällig, dass bewegungsfreudige Kinder auch bessere schulische Leistungen erbringen.

Menschen, die sich bewegen, haben einen größeren und besser funktionierenden Hippocampus als jene, die sich nicht bewegen.

Neurowissenschaftlerin Dr. Manuela Macedonia
  • Was macht der Hippocampus noch?

Der Hippocampus ist nicht nur für das Kurzzeitgedächtnis zuständig, sondern auch für die Neurogenese, also für die Entstehung neuer Stammzellen in der Tiefe des Gehirns. Sie wandern in jene Regionen, die sie „abrufen“ und differenzieren sich an Ort und Stelle. Das tun sie, indem sie zu Zellen werden, die für eine bestimmte Funktion des Gehirns vorgesehen sind, zum Beispiel Zellen für die motorische Steuerung unserer Körperteile, Zellen für das Sehen, für das Sprechen, für das Hören usw.

  • Umgekehrt, was passiert mit dem Hippocampus, wenn man sich nicht bewegt?

Der Hippocampus schrumpft ab dem 20. Lebensjahr. Wenn man ihn durch Bewegung nicht „pflegt“, geht mit der Schrumpfung eine Reduzierung seiner Funktionen, also Kurzzeitgedächtnis, Neurogenese, aber auch räumliche Navigation einher. Konkret merkt man sich Inhalte weniger gut und im Alter steigert man das Risiko für Demenzerkrankungen.

  • Wieso ist Bewegung gut für die Psyche?

Regelmäßige Bewegung unterstützt die Ausschüttung wichtiger Botenstoffe. Serotonin macht uns ausgeglichen und durch Dopamin verspüren wir Glück. Der Mangel an diesen zwei Substanzen kennzeichnet Depressionen. Allerdings ist Bewegung nur wirksam, wenn wir sie häufig genug machen. Einmal Spazierengehen in der Woche reicht nicht aus. Es reicht auch nicht aus, ein paar Treppen zu steigen oder zu Fuß einkaufen zu gehen. Mit 10.000 Schritten am Tag legen wir eine gute Basis zur Pflege unseres Gehirns.

  • Wie integrierst du Bewegung oder Sport in deinen sehr intensiven beruflichen Alltag?

Ich versuche immer, meine 10.000 Schritte zu gehen, also parke ich bewusst mein Auto weiter weg vom Arbeitsplatz und gehe hin. Wenn es geht, verlagere ich Meetings außerhalb des Büros ins Freie, wo ich mit meinen Kollegen und Kolleginnen nicht sitze, sondern gehe. Im Büro habe ich auch ein Fahrrad. Manche Mittagspausen verbringe ich am Rad, wenn es nicht schüttet oder schneit. Und ja, das Wochenende ist das ganze Jahr für Ganztagsbewegung reserviert. Im Winter gehe ich immer Skifahren, Skitouren und Langlaufen. Im Sommer radle ich Langdistanzen, zum Beispiel am Samstag von Linz nach Wien und am Sonntag zurück!

Buchempfehlungen zum Thema: „Beweg dich! Und dein Gehirn sagt danke” und „Runter vom Sofa!” von Dr. Manuela Macedonia

Deine heutige Expertin: Dr. Manuela Macedonia

© Dr. Manuela Macedonia

Dr. Manuela Macedonia liegt in ihrer Arbeit vor allem eines besonders am Herzen: Interessierten die aktuelle Gehirnforschung näher zu bringen. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin und Vortragende in Workshops, auf Events etc. ist sie leitende Neurowissenschaftlerin an der Johannes Kepler Universität in Linz. Bewegung steht bei ihr täglich auf dem Plan! Im Winter fährt sie am liebsten Ski, im Sommer trifft man sie oft auf dem Mountainbike an. Auf ihrem Instagram-Kanal nimmt sie ihre Community in ein Leben voller Bewegung mit.

#wirmachenseinfach

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