Schlafmythen im Check – was alles (nicht) passiert

Schlafmythen gibt es ja so einige. Wir haben bei einer Expertin nachgefragt, was dran ist und, ob nicht doch die eine oder andere davon wahr ist.

Hier sind so einige Schlafmythen unter sich – aber die eine oder andere scheint doch zu stimmen. Schlafcoachin Melanie Pesendorfer weiß welche.

  • Der Schlaf vor Mitternacht ist der beste Schlaf

Das sagt die Expertin:
Falsch. Der Erholungsgrad hängt nicht von der Uhrzeit ab. Entstanden ist die Behauptung deshalb, weil der Tiefschlaf
üblicherweise in der ersten Hälfte der Nacht auftritt – und diese Phase als erholsamste Phase gilt. Geht jemand regelmäßig um 21 Uhr ins Bett – dann wird der Tiefschlaf ziemlich wahrscheinlich vor 24 Uhr eintreten. Wer sich hingegen erst um ein Uhr schlafen legt, erlebt die erholsamste Phase zwischen ein und vier Uhr nachts.

Gut zu wissen: Studien zeigen, dass mit Entspannungs-
techniken der Tiefschlaf leicht verlängert werden kann.

  • Die Schlummer-Funktion beim Wecker stört meine innere Uhr

Das sagt die Expertin:
Die Schlafforschung rät von der Snooze-Funktion ab – also vom wiederholten und zeitlich versetzten Klingeln des Weckers nach dem ersten Weckruf. Ist man beim ersten Klingeln noch sehr müde, ist es sinnvoller, weiterzuschlafen, denn nur so lässt sich auch die Schlaftiefe erreichen, die für unser Schlafbedürfnis ausreichend ist. Fundierte Studien gibt es jedoch bis dato dazu nicht.

  • Gemeinsam schlafen ist besser für die Gesundheit

Das sagt die Expertin:
Falsch. Rein objektiv betrachtet wird der Schlaf mehr gestört, wenn man sich ein Bett teilt – durch Bewegungen des anderen, Schnarchen etc. Ist die Beziehung jedoch gut und der Partner hat keine Schlafstörungen, kann die Schlaferholung im geteilten Bett subjektiv als besser empfunden werden, weil man sichsicherer und geborgener fühlt.

Gut zu wissen: Alles, was das Paar physisch trennt – zwei
Matratzen, Bettdecken –, reduziert mögliche Schlafunterbrechungen. Sollte ein Partner schnarchen, kann man z. B. abends romantisch kuscheln und sich dann in seinen eigenen Bereich zurückziehen. Das ist langfristig oft besser für die Paarbeziehung, als ständig unausgeschlafen zu sein.

  • Die gesündeste Schlafposition ist die Rückenlage

Das sagt die Expertin:
Grundfalsch. Aus motorisch-physiotherapeutischer Sicht ist
es günstig, die Schlafposition öfter zu wechseln. Nur so können wir sicherstellen, dass Gelenke und Muskeln nicht immer gleich belastet werden. Die Rückenlage kann sogar eher zu Problemen führen. Sie begünstigt bei älteren Menschen das Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer, weil in dieser Position die Gaumen-/Rachenmuskeln einfallen.

Gut zu wissen: Sich eine „perfekte“ Schlafposition anzutrainieren, weil diese z. B. für weniger Falten im Gesicht
sorgt oder eine Körperpartie entlastet, ist sinnlos.

  • Sprachen lernen im Schlaf kann funktionieren

Das sagt die Expertin:
Wahr. Trotzdem kommt man ums Vokabel- und Grammatikpauken nicht herum. In Laborsituationen hat sich gezeigt:
1. Sich ohne vorheriges Lernen nachts mit Vokabeln beschallen zu lassen bringt nichts.
2. Haben die Studienteilnehmer hingegen gelernt und hören sie die Sprache über Tonaufnahmen auch nachts, ist ihr Erinnerungsvermögen leicht verbessert.

Gut zu wissen: Schlaf hilft generell beim Abspeichern,
und ausgeschlafen funktioniert unser Gedächtnis besser.

  • Schlafmangel führt zu Übergewicht

Das sagt die Expertin:
Das ist richtig. Wer zu kurz schläft, hat ein um 35 Prozent
erhöhtes Risiko, übergewichtig zu werden – denn unser
Verlangen nach fettigen, süßen – sehr kalorienhaltigen –
Nahrungsmitteln wird bei Schlafmangel größer. Obendrein scheint kurzer Schlaf Veränderungen bei den Hormonen zu bewirken, die für unsere Verdauung und unsere Appetitregulation wichtig sind. Generell ist das Schlafbedürnis von Person zu Person jedoch unterschiedlich.

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