Ode an die Essiggurkerl

Unsere Liebeserklärung an die kleinen Freuden des Lebens.

Junges Gemüse, was bist du knackig! Gedanken zur Gier nach Essiggurken (und Käpt’n Blaubär). Redakteurin Maria Dorner schaut oft zu tief ins Glas – aber nur, weil ganz unten ja auch was schwimmt.

Am Anfang war das Plopp. Der Urknall kulinarischer Begierde sozusagen, den Untiefen des Gurkenglases entsprungen. Ein kleiner Laut mit großer Wirkung – entfesselt er doch zuverlässig das Tier in mir: den pawlowschen Hund, der mit triefenden Lefzen auf Erlösung hofft.

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Es ist also wieder Sauregurkenzeit. Oder, präziser, Essig- beziehungsweise Gewürzgurkenzeit. Um diesem Futterreiz zu erliegen, muss ich weder schwanger noch verkatert sein. Ich brauche keine Scheibe Brot als Unterlage und kein Blatt Extrawurst als Draufgabe. Verputzt wird die Essiggurke bevorzugt im Stehen, derweil lässt es sich je nach Bedarf hervorragend denken, lesen, plaudern, schimpfen oder durch die TV-Landschaft navigieren. Die Menge bemisst sich nach der Gier, meine bisherige Bestmarke liegt bei dreizehn Stück – während ich von den Nachrichten zu „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gezappt bin.

Was mir da natürlich zugutekommt, ist meine zügige Art der Nahrungsaufnahme. Manche mögen es schlingen nennen, ich halte mich lieber an die Maxime meiner Mutter: „Wer schnell isst, arbeitet auch schnell.“ Dass sie bei Tisch familienintern liebevoll „der Staubsauger“ gerufen wird, dürfte in dieser Hinsicht eine gewisse Rolle spielen.

Aber zurück zum Speichelfluss.

Auf den wirkt das veredelte Kürbisgewächs ja wie ein Katalysator. Das regt wiederum die Verdauung und schließlich den Appetit an. „Sauer macht Lust auf mehr“, bringt es Sensorikpapst Dr. Klaus Dürrschmid in seinem Buch „Zungenbekenntnisse“ auf den Punkt – und prognostiziert einer Welt der Sinne, der die Säure abhandenkäme, ein farbloses Dasein. Die Amerikaner und Käpt’n Blaubär aus der „Sendung mit der Maus“ haben das längst erkannt: Die einen frönen dem Gurkerl am „National Pickle Day“ (14. November), der andere stillt seinen Gusto auf der Insel Cornichon im Sauren Ozean – als Gurkenkönig.

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Und weil ich auf den nicht pfeifen will, sondern – ganz im Gegenteil – so gerne seine Königin wär, appelliere ich hier an jene Damen und Herren, die mich fallweise an der Feinkosttheke im Supermarkt umsorgen. Immer dann nämlich, wenn mir das Futtern der Essiggurken aus dem Glas aus nahrungsökonomischen und/oder optischen Gründen verunmöglicht wird, verfrachte ich meine kleinen grünen Freunde dann halt doch in einen Kornspitz, eskortiert von Gouda und Heurigenkarree.

Also: Schinken, Käse, Gurkerl. Ja, Gurkerl auch, bitte. Doch, hab ich dazugesagt. Bitte mit Gurkerln, ja genau, mit Gurkerln. Weil: Ein Weckerl ohne Gurkerl ist möglich, aber sinnlos.

Kennst du schon unsere Ode an die Patschen? Oder die Ode an den Kuss?

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