Diese Yoga-Übungen tun Kindern gut

Bei Yoga steht nicht Leistung im Vordergrund, sondern ein liebevolles mit sich und anderen Sein – ohne Wertung und Druck. Das tut auch Kindern gut.
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Bild: Getty Images

Durch altersgerechtes Üben von Asanas, Achtsamkeitsübungen und Atemtechniken lernen Kinder, Gleichgewicht und emotionale Stabilität zu finden. Ideal um einen Ausgleich zu schaffen im ohnehin oft stressigen Alltag.

Veronika Winter ist Physiotherapeutin und Kinder-Yogalehrerin. Sie hat mit „Yoga Anatomie Kids“ ein spezielles Programm entwickelt, das auf den jeweiligen körperlichen Entwicklungsstand des Kindes Rücksicht nimmt:

Kinder sind keine Mini-Erwachsenen.

Veronika Winter

Kinder sind keine Mini-Erwachsenen. 18 Jahre lang wächst und formt sich das gesamte Körpersystem. Auch Koordination, Ausdauer, Kraft müssen sich erst entwickeln und optimiert werden. Bewegungsansteuerung und -qualität sind also je nach Alter unterschiedlich gut ausgebildet. Von grob zu fein, von unkoordiniert zu koordiniert, so entwickelt sich Bewegung.

Dementsprechend seien auch Yoga-Übungen anzupassen. „Als Kinderyogalehrerin ist es wichtig über diese Entwicklung, die spezielle Anatomie von Kindern und die Kontraindikationen Bescheid zu wissen. Obendrein braucht es eine gute Kenntnis über Yoga, Methodik und Pädagogik.

Hilft, sich zu konzentrieren

Im Yoga mit Kindern dreht sich alles um das stressfreie Entwickeln einer gesunden Körperwahrnehmung. Winter: „Oft spüren Schulkinder, dass ihnen Yoga beim Konzentrieren hilft oder Einschlafen besser gelingt, weil sie im Unterricht gelernt haben, den Atem zu spüren und sich darauf zu fokussieren.

Anfangen könne man bereits mit drei Jahren: Der Schwerpunkt liegt hier am spielerischen „Sich-Ausprobieren“. Spielen und das langsame Herantasten an Asanas steht im Vordergrund. Ab etwa sechs Jahren sind Kinder laut der Expertin von ihrer motorischen Entwicklung bereit für komplexere Bewegungsabläufe. Der Unterricht beginnt nun klar und strukturiert zu werden. „Die Konzentrationszeit wird länger, Kinder sind kräftiger und geschickter. Das Verständnis für den eigenen Körper und seine Funktionsweise wächst immer mehr.

Ausgewählte Übungen zum Ausprobieren mit den Kids

Yogaflow „Herzöffnen“ als Partnerübung

Idee und Photos Veronika Winter

Wirkung: aktivierend, hilft bei Müdigkeit, hebt die Laune, schult den Wechsel zwischen Spannen und Entspannen, Geben und Nehmen, hilft auf den anderen zu hören und einen gemeinsamen Rhythmus zu finden, dehnt die Beinrückseite und den Rücken, macht die Wirbelsäule beweglich, stärkt die Bauch- und Rückenmuskeln

Jede der 4 Asanas kann auch als Einzelhaltung geübt werden.

„Ich halte dich“: Komm mit deiner PartnerIn in einen Grätschsitz und reicht euch in der Mitte die Hände. Findet eine gute Position für euch beide. Der Rücken ist aufgerichtet und eure Arme angenehm gestreckt. Lehnt euch beide ein wenig nach hinten. Das könnt ihr auch abwechselnd machen. Die eine PartnerIn lehnt sich nach hinten, ganz passiv und „faul“ die andere führt und stützt die Bewegung. Dann richten sich beide wieder in der Mitte gerade auf und es wird gewechselt. Das geht so im Wechsel ein paar Mal hin und her.

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„Lass dich mal hängen“: Aus dem Schneidersitz. Die Partnerin streicht mit den Händen den Rücken entlang. Je nachdem, wie es angenehmer ist, vom Kopf nach unten oder von unten zum Kopf hinauf. Nimm dir Zeit dafür!

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Bild: Veronika Winter

„Mein Herz fliegt zu dir“: Aus dem Schneidersitz öffnet die Arme wie zu einer dicken Umarmung und kommt mit der Stirn zusammen.

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„Hallo, hier bin ich!“ Dreht euch zur selben Seite. Und öffnet dabei weit die Arme. Ihr könnt zwischen „Mein Herz fliegt zu dir“ und dieser Drehung ein paar Mal hin und her wechseln.

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Bild: Veronika Winter

Yoga Flow für den Rücken

Wirkung: Wohltuend für den Rücken, guter Ausgleich nach langem Sitzen, ideal für Schulkinder für zwischendurch, beruhigend, zentrierend
macht die Wirbelsäule beweglich, stärkt die Körperwahrnehmung, kräftigt und durchblutet die Rücken- und Bauchmuskeln sowie die Schultern, stärkt und entspannt den Nackenraum, regt die Atmung an, massiert die Bauchorgane, schult das Gleichgewicht und die Rechts/Links-Kreuzkoordination, ausgleichend, beruhigend und zentrierend.

Komm auf alle viere. Atme ein und lass deinen Rücken durchhängen wie eine Hängebrücke.

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Bild: Veronika Winter

Atme aus und mach einen Katzenbuckel. Der Kopf und der Popo ziehen fest zueinander.

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Bild: Veronika Winter

Wiederhole diesen Wechsel ein paar Mal.

Mach deinen Rücken gerade, wie einen Tisch. Hebe deinen rechten Arm und das linke Bein vom Boden weg in die Luft und mach dich ganz lang. Arm und Bein sind gestreckt. Bleib ruhig stehen und atme entspannt weiter. Übe die andere Seite genauso.

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Bild: Veronika Winter

Setze dich nach hinten auf die Fersen und lege deinen Körper gemütlich nach vorne ab. Dein Bauch lieg auf den Beinen, deine Stirn und deine Arme ruhen vorne auf dem Boden. Lass alles Gewicht in den Boden sinken.

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Bild: Veronika Winter

Alle deine Sorgen können in den Boden abfließen. Wie ein Steinchen im Wasser bleibst du ganz still und entspannt in dieser Haltung und atmest entspannt weiter.

Unsere Buchempfehlungen

  • Sonja Zernick-Förster: „Komm, wir machen Yoga“
  • Renate Zimmer: „Sport und Spiel im Kindergarten“
  • Renate Zimmer: „Handbuch der Sinneswahrnehmung“
  • Dr. Christian Larsen: „Starker Rücken, starkes Kind“

Lesetipps von Veronika Winter gibt es auf www.2balance.at. Hier geht’s zu ihrem YouTube-Kanal.

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