Spirulina: Superfood oder Mogelpackung?

Spirulina soll unter anderem den Alterungsprozess verlangsamen und Krebs vorbeugen. Ob das stimmt?

Wir wissen: Algen essen kann gesund sein. Die für Sushi verwendeten Nori-Algen sind zum Beispiel kalorienarm, fettfrei und sie liefern uns viele wichtige Vitamine. Mikroalgen wie Chlorella und Spirulina werden dagegen bei uns als echtes Superfood gehandelt. Spirulina soll gleich gegen eine ganze Palette diverser Erkrankungen helfen. Was ist dran?

Was ist Spirulina?

Spirulina gehört zur Gattung der Cyanobakterien (früher: Blaualgen) und zählt zu den ältesten Lebewesen auf unserer Erde. Im Kampf gegen den Welthunger soll sie eine Schlüsselrolle spielen. Und auch Flamingos schmeckt das angebliche Superfood ausgezeichnet – sie ernähren sich schon lange davon. In Österreich wird das Nahrungsergänzungsmittel hauptsächlich als Pulver und in Tablettenform verkauft.

Spirulina: Was steckt drin?

Die Inhaltsstoffe sind zahlreich: viel Protein, das wertvolle Vitamin B12, Eisen, Kalzium und Magnesium. Aufgrund dieser wertvollen Nährstoffliste wird der Alge eine ganze Reihe an Wirkweisen nachgesagt.

Wogegen soll die Wunderalge helfen?

Virenmittel, Allergiedämpfer, Anti-Aging-Wundermittel, Immunstärker – all das soll Spirulina sein. Außerdem könne sie den Cholesterinspiegel senken und die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Sogar mögliche Effekte gegen Krebs werden der Alge zugesprochen.

Das Problem mit den vielversprechenden Inhaltsstoffen

Wie erwähnt enthält die Alge eine ganze Menge Vitamin B12. Die Krux daran: Das Vitamin liegt in einer Form vor, die wir zu 83 Prozent nicht verarbeiten können. Auch der Eisengehalt wirkt erstmal verlockend. Leider können wir aber auch das Eisen in der Alge größtenteils nicht verarbeiten. Zudem bindet Spirulina Eisen, was bei häufigem Verzehr zu einem unerwünschten gegenteiligen Effekt führen kann: einer Eisen-Unterversorgung. Gute Eisenlieferanten dagegen sind Fleisch und Leinsamen. Gut verwertbares Eisen finden wir auch in der Brennnessel.

Mit rund 60 Prozent Protein weist die Alge zudem einen sehr hohen Eiweißgehalt auf. Leider liefern aber die hierzulande erhältlichen Präparate selbst in der höchsten empfohlenen Dosis nur einen Bruchteil unseres täglichen Eiweißbedarfs. Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte decken unseren Proteinbedarf wesentlich besser.

Spirulina: Alles Humbug?

Fakt ist: Die wenigen Studien, die es zur Wirkung von Spirulina gibt, wurden schlecht durchgeführt. Unterm Strich gibt es also für keine der Gesundheitsbehauptungen zu Spirulina-Studien, die eine Wirkung eindeutig nachweisen.

Es steht dir natürlich frei, das Nahrungsergänzungsmittel trotzdem einmal zu testen. Wer das tut, sollte beim Kauf auf rückstandkontrollierte Ware achten, die möglichst aus Europa stammt.

Aber Vorsicht: Leidest du unter der Eiweißstoffwechsel-Krankheit Phenylketonurie, ist Spirulina leider gar nicht für dich geeignet. Die Alge kann die Krankheit verschlimmern.

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