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Was, wie jetzt? Es wird kühler und wir berichten übers Rudern? Ja, weil die Saison so lange geht, bis das Wasser zufriert – und man im Winter in den meisten Gyms am Ergometer ganz trocken rudern kann.

Andreas Kral, Präsident des Wiener Ruderverbandes und des Wiener Ruderclubs Donaubund, ist seit seinem 12. Lebensjahr mit Leib und Seele an Bord. Seine Motivation anzufangen? Das hübsche Mädchen aus der Nachbarklasse näher kennenlernen. Das klappte zwar nicht so – aber die Leidenschaft für den Sport blieb, bis hin zum österreichischen Meistertitel und internationalen Wettkämpfen.

Man lernt, sich aufeinander zu verlassen.

Andreas Kral
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Er sagt: „Neben der Möglichkeit, sich auf sportlichem Niveau mit anderen zu messen, seine Grenzen auszuloten – und das hauptsächlich in der Natur –, ist Rudern auch eine Sportart mit geringer Verletzungsgefahr, die man bis ins hohe Alter ausüben kann. Man lernt, sich aufeinander zu verlassen, und jeder erwartet vom jeweils anderen den gleichen Einsatz. Und man lernt, sich zu überwinden, wenn es windig ist, regnet oder es noch finster ist. Es entstehen Freundschaften für ein ganzes Leben.

Rudern

Bild: Josh Calabrese/Unsplash

Vorurteil 1: Rudern ist langweilig – vor allem das Trockentraining

Von wegen: Am Wasser ist Rudern eine Bewegung, die praktisch niemand zu hundert Prozent richtig beherrscht. Es gibt jede Menge Dinge von Haltung bis Tempo, die man berücksichtigen muss, um schneller und vor allem effizienter zu rudern. Insbesondere in Mannschaftsbooten muss man sich auch auf die anderen einstellen und auf den Schlagmann, der den Rhythmus vorgibt. Dabei ist man hoch konzentriert.

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Am Ergometer ist man dafür auf das Display fokussiert, welches gnadenlos aufzeigt, wenn die Leistungskurve abfällt. Dabei kann man Musik oder Podcasts hören bzw. sieht im Spiegel, wo und wie die Bewegung zu verbessern ist. Es gibt auch ein Programm, bei dem Schlagzahl, Kraft oder die Nutzung der Länge der „Rollbahn“ variiert. Fad wird dabei wirklich nur den Wenigsten.

Rudern

Bild: Kyle Kanz/Unsplash

Vorurteil 2: Rudern ist schlecht für den Rücken

Ja, ist es – allerdings nur dann, wenn man die Rückenmuskeln „lasch“ halten möchte. Aufrecht bzw. in Spannung zu sitzen und dann wieder in den Rundrücken zu gehen, ist essenziell. Durch das Rudern werden in weiterer Folge die Muskeln, die die Wirbelsäule umgeben, trainiert und gestärkt, was die Haltung verbessert und Schmerzen vorbeugt. Rudern ist außerdem ein eleganter Sport, da sollte nicht im Boot „gelümmelt“ werden.

Vorurteil 3: Rudern ist einfach, das kann jeder

Es stimmt: Man kann sich sehr schnell in einem Vierer zumindest vorwärts bewegen. Bis man dann allerdings fähig ist, alleine in einem sehr schmalen Einer zu fahren, dauert es schon einige Monate. Und bis man bei einer Regatta mitfahren kann – wo eine höhere Schlagzahl zu einer höheren Geschwindigkeit führt – in etwa einem Jahr.

Vorurteil 4: Rudern macht ein breites Kreuz

Schön wär’s, denken sich die meisten männlichen Ruderer. Es gibt immer wieder einzelne Athleten, bei denen einzelne Muskelgruppen sehr ausgeprägt sind. Hier aber meist und insbesondere die Beine, genauer gesagt die Oberschenkel. Denn indem man die Beine rasch durchstreckt, wird die Kraft mit ihnen übertragen.

Vorurteil 5: Rudern ist ein Elitesport und teuer

Dieses Vorurteil scheint sich offenbar hartnäckig zu halten. Aktuell kann davon aber absolut keine Rede sein, meint Andreas Kral: „Vergleicht man die Gebühren für ein Jahr bei einem Ruderclub – beim Donaubund sind das aktuell EUR 350 /Jahr – mit denen eines Fitnessstudios, dann ist es sogar überaus günstig. Zumal der Club Boote anschafft – ein Einer kostet neu zwischen 5.000 und 10.000 Euro, je nach Ausführung und Wert, hält aber zig Jahre. Dazu kommt, dass der Verein die Teilnahme an Regatten ermöglicht, die Meldegelder übernimmt und man die gesamte Infrastruktur über das gesamte Jahr nutzen kann – inklusive Kraftkammer, Ruderergometer etc. Der Club stellt auch einen Trainer bzw. Betreuer zur Verfügung.

Rudern

Bild: Mateo Vrbnjak/Unsplash

Was Rudern wirklich ist

  1. Praktisch und sorglos. Rudern kann als Leistungs- oder Freizeitsport betrieben werden. Eng anliegende Sportkleidung – ohne Taschen – ist das Einzige, was man mitbringen muss. Der Verein stellt Boote, Trainer und organisiert die Teilnahme zu Wettkämpfen. Rudern ist über eine Mitgliedschaft in einem der zahlreichen Rudervereine in ganz Österreich möglich. Auskunft findet man hier.

  2. Erdung auf dem Wasser. Wenn man im Boot rudert, ist man eins mit der Natur. Man lernt, sich zu überwinden und, insbesondere bei Mannschaftsbooten, wie wichtig es ist, sich auf den anderen zu verlassen – und man will selbst den gleichen Einsatz zeigen. Wer das Natur- und Gemeinschaftserlebnis sucht, ohne sich dabei mit anderen zu messen, kann übrigens wanderrudern. Dabei werden Flüsse oder Seen auch über mehrere Tage befahren.

  3. Gut für Körper und Kopf. Wie erwähnt: Rudern ist ein Kraft-Ausdauersport mit nahezu keinem Verletzungsrisiko. Da fast alle Muskeln beansprucht werden (was bei nur sehr wenigen Sportarten sonst der Fall ist z. B. beim Schwimmen und Langlaufen), stärkt Rudern den Stützapparat und verbessert die Sauerstoffaufnahme. Abgesehen vom Spaß an der Freude trainiert der Ruderer also den Großteil seiner Muskelpartien, denn die gleichmäßige Bewegung fordert Arme, Beine und Rumpf. Bei jedem Ruderschlag wechseln sich Krafteinsatz und Entspannung ab. Auch die mentale Stärke erhöht sich nennenswert.