„Schon eine Stunde Spazierengehen hilft“

Drei Fragen an Arnulf Hartl, der als Immunologe die Heilkraft des Waldes erforscht.
Univ.-Dozent Dr. Arnulf Hartl (Foto: Roland Vorlaufer)

Warum tut uns der Wald so gut?

Er ist ein starker Gegenpol zur Stadt, er führt uns zum Ursprung zurück. Wir Menschen leben erst seit gut 150 Jahren in der Stadt, davor waren wir hunderttausende Jahre in der Natur daheim, haben im Wald Schutz gesucht, sind auf Bäume geklettert, haben dort geerntet. Wir sind evolutionär auf das Leben draußen konditioniert. Genau daran erinnert sich unser Organismus, wenn wir im Wald sind. Das entspannt uns und reduziert Krankheiten.

Was ist eine gute Dosis?

Viel hilft viel! Eine Stunde lang in leichter Bewegung sollte es schon sein – je nach Leistungsvermögen. Bei Regen oder Nebel sind die Effekte für unsere Gesundheit genauso gegeben, kaltes Wetter fordert unsere Thermoregulation zusätzlich heraus und führt uns aus der physiologischen Eintönigkeit klimatisierter Räume. Der Wald beruhigt Kinder, alte Menschen erleben ihn als sehr tröstlich.

Wie lang halten die Effekte an?

Wenn man eine Woche lang jeden Tag bewegungsaktiv im Wald war, dann sind die positiven Effekte über ein halbes Jahr messbar. Ich empfehle, die Natur möglichst oft in sein eigenes Leben einzubauen. Selbst Parkanlagen in den Städten oder botanische Gärten sind heilsame Orte für uns. Notfalls können wir auch über die Blume auf der Fensterbank einen positiven Konnex zur Natur herstellen.

UNIV.-DOZ. DR. ARNULF HARTL ist Leiter des Instituts für Ökomedizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg.

Info

Für eine Waldtherapie-Studie in Südtirol im Herbst 2019 werden noch Interessenten gesucht. Kontakt unter: www.klimatherapie.eu

'