Braucht jedes Kind einen Babyschwimm-Kurs?

Eltern wollen immer das Beste fürs Kind. Babyschwimmen zum Beispiel. Tatsächlich haben Schwimmkurse für Säuglinge aber Vor- und Nachteile.

Schwimmen lernen: Spätestens in der Volksschule lernt ein Kind das. Viele Familien möchten jedoch die Basis dafür schon viel früher legen – beim Babyschwimmen. Schon drei Monate nach der Geburt kann es losgehen, die Plätze sind meist rar und oft werden dabei tolle Unterwasser-Fotos geschossen. Dann solltest auch du dich und dein Kind unbedingt anmelden. Oder?  

Pluspunkte beim Babyschwimmen

Babyschwimmen ist klasse, sofern alle Beteiligten Wasser mögen: Baby kann schwerelos seinen Körper und das nasse Element entdecken, es trainiert motorische Fähigkeiten und kann gleichzeitig ganz die Nähe von Mama oder Papa genießen, was gut für die Eltern-Kind-Beziehung ist. Und ja, vielleicht entdeckt ein Säugling so schon früh seine Liebe zum Wasser. Muss aber nicht. Es gibt Babykurse, in der Säuglinge trotz warmen Wassers, gemeinsamer Lieder und gemütlichem Herumschaukeln auf Papas/Mamas Arm wie am Spieß brüllen.

Risiken und Nebenwirkungen beim Babyplantschen

Worüber du dennoch nachdenken solltest, bevor ihr einen Babyschwimmkurs besucht:

Zu viel des Guten: Überreizung fürs Baby beim Schwimmen

Ob ein Schwimmkurs für dein Säugling passt, kannst du nach den ersten paar Monaten gut einschätzen: Ist dein Kind eher sensibel? Schreit es schnell, wenn ihm etwas nicht passt? Wie reagiert es auf neue Umgebungen, auf fremde Geräusche und Gerüche? Kurz gesagt: Wenn ein Baby schnell überfordert ist, lieber noch abwarten oder einen ruhigeren Kurs aussuchen, wie etwa Babymassage. Der Lärmpegel beim Babyschwimmen kann beachtlich sein und die Geräusche dort ungewohnt.

Übrigens: Je jünger das Kind, umso kürzer die Wasserzeit beim Babyschwimmen. Ein drei Monate alter Säugling ist nach 20 Minuten schon erschöpft, mit einem halben Jahr ist eine halbe Stunde möglich. Auf jeden Fall ist eine Pause angesagt, wenn dein Baby weint.

Aufwand beim Babyschwimmen

An- und Ausziehen, pünktlich sein, den Mittagschlaf verschieben, an die Schwimmwindeln und Fläschchen denken: So ein Babyschwimmkurs kann ganz schön stressen, Eltern wie Kind. Melde euch am besten nur an, wenn der Kurs zeitlich günstig liegt und gut in euren Alltag passt. Als junge Familie braucht ihr wirklich keine Extra-Challenge.

Im Schwimmbad: Schadet es Baby?

Schwimmbadwasser braucht Chlor, um Keime unschädlich zu machen. Durch seinen Kontakt mit Urin entsteht ein Nebenprodukt, das nicht nur den typischen Hallenbadgeruch ausmacht, sondern auch Asthma und Allergien auslösen kann. Verlass dich also auf deine Nase oder frage nach den Wasserwerten. Hat dein Kind aber schon Probleme mit der Haut, bitte auf jeden Fall in der Kinderarzt-Praxis nachfragen. Gleiches gilt, wenn dein Säugling öfter an Problemen mit den Ohren leidet.

Bei Schnupfen oder Husten gilt: Ist beides nur leicht oder am Abklingen, werden die meisten Kinderärzte kein Veto einlegen. Anders ist es, wenn dein Kind schlapp ist, Bronchitis hat oder gar erhöhte Temperatur bzw. Fieber – dann unbedingt daheimlassen und ihm viel Ruhe gönnen.

Temperatur beim Babyschwimmen

Es muss unbedingt schön warm sein für euch, denn dein Baby friert schnell und du selbst bewegst dich beim Babyschwimmen wenig. Zwischen 31 und 33 Grad sind optimal. Schluss ist spätestens, wenn dein Baby bibbert oder blaue Lippen bekommt. Im Anschluss wickle es gut ein und wärme es – eine Extra-Kuscheleinheit für euch beide.

Babytauchen

Der Tauchgang ist ein umstrittenes Thema, denn der angeborene Luftanhaltereflex verschwindet bei jedem Baby zu einem anderen Zeitpunkt. Ärztinnen und Ärzte raten daher davon ab. Auch könnte es sein, dass dein Baby sich erschreckt, wenn es plötzlich untergeht und so keine schönen Erinnerungen ans Wasser abspeichert – ein zu hoher Preis für ein cooles Unterwasserfoto.

Was Babyschwimmen kann – und was nicht

Kinder werden trotz Babyschwimmkurs nicht früher als andere Schwimmen lernen, denn motorisch ist es im Babyalter dazu noch gar nicht bereit. Die meisten Kinder schaffen es frühestens mit drei bis vier Jahren, schwimmen zu lernen, meist sind sie noch älter. Wichtig: Ein Babyschwimmkurs verhindert keine Unfälle durch Ertrinken!

Motorische Vorteile, die ein Baby beim Schwimmkurs im Wasser erlangt, holen andere Babys beim Krabbeln wieder auf – das haben Studien gezeigt. Deswegen sind besondere Übungen im Wasser oder Schwimmhilfen gar nicht nötig: Babys empfinden es eher als verstörend, wenn du den Körperkontakt unterbrichst. Wenn ihr aber gemeinsam in aller Ruhe und dem Bedürfnis des Säuglings entsprechend herumplantscht, habt ihr vielleicht bald eine Wasserratte mehr in der Familie.

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