Was Laufen wirklich ist – und was nicht

Ein Horror fĂŒr die Knie oder eine Wohltat fĂŒr die Seele? Ein Kickstarter fĂŒr den Gewichtsverlust oder doch nur fĂŒr Leichtgewichte geeignet? Wir haben die Vor- und Nachteile des Laufsports beleuchtet.
Frau beim Laufen im Gegenlicht
Bild: Getty Images

Wir haben Lauftrainerin Beatrice Drach gefragt, welche Vorurteile gegenĂŒber Laufen ihr am öftesten zu Ohren kommen – und machen uns gemeinsam mit ihr auf die Suche nach der Wahrheit.

Vorurteil 1: Ich kann nicht laufen, weil ich ĂŒbergewichtig bin.

TatsĂ€chlich werden FĂŒĂŸe und Kniegelenke mit einem Vielfachen unseres Körpergewichts belastet – aber das passiert auch beim Gehen. FĂŒr Neulinge ist es wichtig, mit einer Kombination aus Laufen und schnellem Gehen zu starten. So stellen sich schnell die ersten Erfolge ein, und die spornen dann auch weiter an.

FĂŒr Neulinge ist es wichtig, mit einer Kombination aus Laufen und schnellem Gehen zu starten.

Beatrice dazu: „Versprochen: Du fĂŒhlst dich bald besser, bekommst mehr Luft und bist voller Energie. Aber bitte nie ohne die passenden Schuhe aus dem Fachhandel – die findest du mithilfe einer Laufanalyse – und falls weiblich: einem guten Sport-BH starten. Gerade fĂŒr alle AnfĂ€nger, die mit etwas ‚ÜbergepĂ€ck‘ starten, sollte ein funktionelles Training von Beweglichkeit und StabilitĂ€t dazu gehören.“

Frau joggt und lÀchelt
Bild: Getty Images

Versprochen: Du fĂŒhlst dich bald besser, bekommst mehr Luft und bist voller Energie.

Bratrice Drach

Apropos Gewichtsverlust: Wer ernsthaft ein paar Kilos verlieren will, sollte seinem Körper unterschiedliche Reize setzen. Immer wieder die gleiche Strecke mit der gleichen Geschwindigkeit – das tut zwar dem Herz-Kreislauf-System gut, aber beim Gewicht wird sich nicht viel tun.

Setze auf Abwechslung, um deinen Körper aus der ‚Reserve‘ zu locken.

Beatrice Drach

Beatrice rĂ€t: „Setze auf Abwechslung, um deinen Körper aus der ‚Reserve‘ zu locken – mit kurzen, knackigen Intervallen und HĂŒgellĂ€ufen. Einmal pro Woche sollte auch ein langer und sehr langsamer Lauf am Programm stehen.“

Vorurteil 2: Ich kann nicht laufen, weil ich Probleme mit den Bandscheiben habe.

Unsere WirbelsĂ€ule und auch unsere Bandscheiben lieben und benötigen Bewegung. Beatrice meint: „Lege abseits des Laufens Augenmerk auf Fitness-Übungen, die die BrustwirbelsĂ€ule beweglicher machen, und stabilisiere deinen Rumpf durch den Aufbau der tiefliegenden Muskulatur. Eine gute und ökonomische Lauftechnik hilft dir dabei, wirbelsĂ€ulenfreundlich zu laufen. Versuche, nicht nur auf Asphalt, sondern auch auf Waldwegen zu laufen – der weiche, unregelmĂ€ĂŸige Untergrund tut gut.“

Eine gute und ökonomische Lauftechnik hilft dir dabei, wirbelsĂ€ulenfreundlich zu laufen.

Mann joggt Stiegen hoch
Bild: Clique Images/Unsplash

Wer aber regelmĂ€ĂŸig ernsthafte Bandscheibenprobleme hat, sollte unbedingt RĂŒcksprache mit dem behandelnden Arzt halten.

Vorurteil 3: Ich kann nicht laufen, weil ich keine Luft bekomme.

Die meisten LĂ€ufer starten einfach viel zu schnell – dann hat man bereits nach wenigen Metern das GefĂŒhl, dass die Lunge beim Hals rauskommt. Bitte langsam starten – LaufanfĂ€nger laufen und gehen im Wechsel und kommen so sehr bald in ihren Rhythmus.

Die meisten LĂ€ufer starten einfach viel zu schnell.

Lauf-Expertin Beatrice: „Unsere Muskeln, Sehnen, BĂ€nder, aber auch das gesamte Herz-Kreislauf-System mĂŒssen behutsam an den Laufsport herangefĂŒhrt werden.“

Vorurteil 4: Ich kann nicht laufen, weil die Knie schmerzen

Das Kniegelenk ist das grĂ¶ĂŸte Gelenk des menschlichen Körpers. Um dieses zu steuern und zu stabilisieren, brauchen wir eine Vielzahl von Muskeln in unmittelbarer GelenknĂ€he. Fehlbelastungen können dann zu Kniebeschwerden fĂŒhren.

Mann joggt neben Wiese
Bild: Stage 7 Photography/Unsplash

Fehlbelastungen können dann zu Kniebeschwerden fĂŒhren.

Viele dieser Probleme resultieren aus einwĂ€rts gedrehten Beinachsen („X-Beinen“) oder Fußfehlstellungen. Daran kann man gut arbeiten, etwa durch spezielle Übungen und zusĂ€tzlichen Schuh-Einlagen.

Ein LĂ€ufer kommt um das Dehnen und auch um die Verwendung der Faszienrolle nicht herum.

Eine saubere Lauftechnik ist wesentlich, um Knieproblemen vorzubeugen, ein paar Stunden mit einem Lauf-Trainer sind deshalb empfehlenswert. Beatrice: „ZusĂ€tzlich ist es wichtig, die Oberschenkelmuskulatur sowie die sogenannte Oberschenkel-Sehnenplatte zu dehnen, da diese oft verkĂŒrzt sind. Ein LĂ€ufer kommt um das Dehnen und auch um die Verwendung der Faszienrolle nicht herum.“

Was Laufen wirklich ist

Schuhe an und raus, zu jeder Jahreszeit: Es gibt keine unkompliziertere Art, Sport zu betreiben, als einfach loszulaufen. Der Laufsport – einst Jogging genannt – boomt nicht grundlos, und alle seine Vorteile hier aufzulisten ist beinahe unmöglich.

Der Kopf wird frei, und man fĂŒhlt sich einfach wohl in der eigenen Haut.

Nebst den vielen körperlichen Goodies (StĂ€rkung der Herzmuskulatur und des Immunsystems, Schwung fĂŒr den Kreislauf, Gewichtskontrolle, Verbesserung der allgemeinen Fitness etc.) ist ein Lauf, egal ob kurz oder lang, flott oder gemĂŒtlich, auch eine Wohltat fĂŒr die Psyche. Nach einer Runde ist der Stress des Tages vergessen, der Kopf wird frei und man fĂŒhlt sich einfach wohl in der eigenen Haut.

Wenn du mit dem Laufen anfÀngst, wirst du auch wie ein LÀufer handeln.

Mann beim Laufen
Bild: AndriyKo Podilnyk/Unsplash

„Beim Laufen kommt alles in Fluss, heißt es so schön – und es stimmt. Egal ob du mit Musik oder in Stille lĂ€ufst, alleine oder in der Gruppe, durch die City oder in der Natur: Es ist niemals umsonst. Plus: Wenn du mit dem Laufen anfĂ€ngst, wirst du auch wie ein LĂ€ufer handeln; du nimmst hĂ€ufiger die Treppe statt den Lift, achtest ohne großen Druck auf eine gesunde ErnĂ€hrung und natĂŒrlich: auf ausreichende Erholung“, sagt Drach.

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Über Beatrice Drach

Beatrice Drach

Es war der Laufsport, der Beatrice Drach-Schauer nach einem Burnout im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine brachte. Aus der ausgepowerten Managerin wurde eine begeisterte Outdoor- und Personaltrainerin, der es ehrlich am Herzen liegt zu vermitteln, wie wichtig regelmĂ€ĂŸige, sportliche BetĂ€tigung fĂŒr Geist und Körper ist. Anfang April erscheint ihr erstes Buch: „Wirf die Waage in den MĂŒll“.

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