Nicole Kolisch

Sarah Desai: „Atmen ist eine Pause von dir selber“

70.000 Gedanken rasen täglich durchs menschliche Gehirn. Sarah Desai, Autorin, Coach und Podcasterin, bändigt sie – mit Meditation und Mitgefühl.
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Sarah Desai, 39, stand als junge Mutter bereits an der Spitze einer ­deutschen Plattenfirma.­ Im­ Zenit ­des ­Erfolgs ­kündigt sie, folgte ihrem Herzen und tauschte Beruf gegen Berufung. (Bild: Cem Guenes)

Sarah betreibt einen der am schnellsten wachsenden Podcasts im deutschsprachigen Raum. Innerhalb von knapp zwei Jahren konnten ihre „Mindful Sessions“ über eine Million treue Hörer sammeln, das Buch dazu erscheint im Februar. Sie ist Coach, gefragte Referentin, Mutter und Firmenchefin – fast schon wieder ein bisschen zu viel, wie die 39-Jährige selber findet.

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Illustration: Franzi Zobel

Im aktuellen carpe diem-Magazin findest du ein inspirierendes Interview mit Sarah Desai

Schließlich hat sie vor ein paar Jahren ihren gut bezahlten Job in der Musikindustrie aufgegeben, um dem Tempo und dem ewigen Hamsterrad aus Verpflichtungen zu entkommen. Um das „Ich muss“ durch ein „Ich will“ zu ersetzen.

Das „Ich muss“ durch ein „Ich will“ ersetzen.

Anstatt immer schneller zu werden, wurde Sarah bewusst langsamer: Sie beschäftigte sich mit Spiritualität, mit Meditation, mit Mitgefühl. Doch der „Achtsamkeitszug“ entwickelte rasch eine Eigendynamik. Und nun rast er mit seiner überraschten Lokführerin wieder Richtung Businessplan und Terminkalender. Was tun, wenn’s zu schnell wird? Einatmen. Ausatmen.

Was tun, wenn’s zu schnell wird? Einatmen. Ausatmen.

Atmen“, sagt Sarah, „ist eine Pause von dir selber. Atmen ist der Spiegel unseres Wohlbefindens. Wenn ich Stress habe, dann atme ich flach und hektisch. Mache ich also bewusst das Gegenteil und atme einfach mal tief durch, dann beruhigt sich mein Körper. Das verschafft mir auch Zeit.

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Mit „The Mindful Sessions“, ihrem Podcast für „mehr Achtsamkeit und Soulpower“, wurde Sarah Desai praktisch über Nacht zu einer der gefragtesten Referentinnen Deutschlands. (Bild: Cem Guenes)

Übung: Ein Stein ist ein Stein ist ein … Stein?

Wenn du das nächste Mal vor die Tür gehst, such dir einen Stein. Irgendeinen. Heb ihn hoch, fass ihn an, schau ihn dir genau an.

Welche Eigenschaften gehören zu dem Stein? Welche Eigenschaften basieren auf deinen Konzepten? Du wirst feststellen, dass du sogar einem willkürlichen Stein neben Eigenschaften wie rund oder eckig und glatt oder rau auch Eigenschaften zuordnest, die deiner individuellen Wertung entspringen. Vielleicht fantasierst du darüber, was du mit dem Stein machen könntest: Er ist gut zum Werfen, schlecht zum Hausbauen oder umgekehrt. Selbst ein vermeintlich neutraler Stein bekommt durch dich eine Bedeutung.

Wir können durch diese Übung direkt erfahren, dass wir ständig werten und dass vielleicht alles, was uns in unserem Leben begegnet, erst durch uns zu dem wird, was es für uns ist.

Eine objektive Wahrheit gibt es also nicht. Das ist nicht gut oder schlecht, Bewertung ist etwas ganz Normales. Wir werten ja nicht nur ab, sondern auch auf und entwickeln durch Bewertung unsere Interessen und Leidenschaften. Wichtig ist nur, dass wir uns unserer Bewertungen bewusst werden. Denn sie haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie wir uns fühlen.

Vorabdruck aus: „Lebe das Leben, das du leben willst“

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