Heidi List

„Miracle Morning“ mit Kindern – geht das überhaupt? Ein Selbstversuch

Eine Mutter mit zwei Kindern versucht, am Morgen Zeit für sich selbst zu finden.
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Bild: Getty Images
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Miracle Morning – Die Stunde, die alles verändert: Das Buch von Hal Elrod ist derzeit in aller Munde und steht bereits in vielen Hausbibliotheken auf der ganzen Welt. In dem Bestseller geht es darum, den Tag ganz neu zu beginnen, indem man ganz früh am Morgen ein kleines bisschen Zeit für sich selbst abzwackt.

Schon David Bowie hat gesagt, dass für ihn die beste Errungenschaft des Alters die Entdeckung von Aktivität in der Früh war. Und auch die Anhänger der „Miracle Morning“-Bewegung beteuern: ständige Müdigkeit, planlos in den Tag zu stolpern und Erledigungen hinterherzuhecheln gehören der Vergangenheit an.

Dieser Negativ-Kreislauf sei zu durchbrechen, brenne einen aus, gehe auf die Psyche. Stattdessen beginnt man den Tag mit Meditieren, Affirmationen, Visualisierungen, SportBücherlesen und Tagebuchschreiben. Eventuell Musik machen. Singen.

Mein Ziel: neue, positive Energie

Wenn sich der neue Start in den Tag als Gewohnheit etabliert habe, bleibe man voll positiver Energie. Für ein gesünderes, glücklicheres und zufriedeneres Leben. Wie schön! Und einleuchtend.

Aber: Wie sollen das Menschen mit Kindern zustandebringen, vor allem mit solchen im Kindergarten- oder Volksschulalter?

Ich startete einen Selbstversuch. Meine Kinder, sieben und elf Jahre alt, hatten seit ihrer Existenz die Angewohnheit, nie später als um sechs Uhr früh aufzustehen. Egal übrigens, wie spät es am Vorabend geworden ist. Das war so und wird auch so bleiben – dachte ich.

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Bild: Allen Taylor /Unsplash

Erster Versuch

Also stand ich um fünf Uhr früh auf. Ganz in Ruhe. Ich meditierte – und bemühte mich, nicht an die Wäsche zu denken. Bevor ich mich an den abschauenden Hund machte, also Yoga, nahm ich mir noch einen Kaffee. Um sechs Uhr früh fanden mich meine Kinder, Zeitung lesend. Sehr gemütlich war das, wenngleich ganz und gar nicht Miracle-Morning-mäßig. Denn zum Tagebuchschreiben reichte die Zeit dann leider nicht mehr aus.

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Bild: Pixabay

Ich wiederholte das Schauspiel noch ein paar Tage, bis ich feststellte, dass das Hauptproblem beim frühen Aufstehen war, dass ich erst um Mitternacht schlafen ging. Meistens war Netflix schuld. Daher war ich um 16 Uhr bereit für ein Nickerchen. Schlecht.

Zweiter Versuch

Also versuchte ich die zweite Variante: einen Miracle Morning mit Kindern. Ich machte einen kleinen Plan dafür, den ich den Kindern am Vorabend mitteilte. Sie waren einigermaßen begeistert. Okay, sie waren nicht ganz abgeneigt. Also, einer sagte okay, der andere verdrehte die Augen.

Es gab eine Hauptregel: Sie durften nicht sprechen.

Um Punkt sechs Uhr läutete der Wecker. Die Kinder schliefen wie Steine. Ich war versucht, sie schlafen zu lassen. Andererseits sah ich die Chance auf Rache gegeben, also rüttelte ich sie wach, und schon konnte es losgehen.

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Bild: Annie Spratt Unsplash

Zuerst saßen wir am Boden und dachten an nichts. Die Kinder kippten auf die Seite, einer nach links, der andere nach rechts, und sie versuchten weiterzuschlafen. Nach etwa 15 Minuten gab ich jedem von ihnen ein Blatt Papier in die Hand. Sie sollten etwas zeichnen oder aufschreiben, was sie bewegte. Ich ging derweil Zeitung lesen. Darf man zwar nicht, aber ich war glücklich. Das zählt auch.

Das Resultat war ein Bild von einem Bett und ein Dreizeiler über Kinder-Knechtschaft.

Dann gab ich die Erlaubnis zu sprechen. Zum Glück konnte ich nichts verstehen, weil mir jeder in ein anderes Ohr hinein brüllte. Zum Schluss machten wir uns ein gesundes Frühstück – so eines, das es normalerweise nur am Sonntag gibt – mit Müsli und Honig und geriebenen Äpfeln und Eiern. So und so ähnlich wiederholten wir das die nächsten Tage.

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Bild: Brooke Lark/Unsplash

Fazit

Und ja, es tat sich etwas. Denn ich setzte die Testphase mit Kindern aus. Und siehe da: Die Kinder schlafen jetzt bis halb sieben, manchmal sogar bis sieben.

Und da war er, der Miracle Morning nur für mich.

Mit ein wenig Yoga, Zeitung lesen, keinem Tagebuch, dafür einer Tasse Kaffee – und Stille. In dieser visualisiere ich, wie ich meine Kinder nicht mehr mit krächzender Stimme durch den Morgen peitsche. Stattdessen sagen wir wie die Walton-Family Dinge wie: „Guten Morgen, wie geht es dir heute?“ I love it.

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