Gabriele Kuhn

Schuhe ausziehen – und die Erde mit den Füßen küssen

Wärmer wird’s, schöner wird’s – eine gute Zeit, seinen Füßen wieder mehr Freiheit zu schenken. Um den Boden wieder zu spüren – und damit auch sich selbst.

150 Millionen Schritte: So viel geht ein Mensch ungefähr während eines durchschnittlichen Lebens. Was den meisten nicht bewusst ist: Füße haben ein hochkomplexes Innenleben, bei dem zahlreiche Knochen, Gelenke, Muskeln und Bänder wie Rädchen ineinandergreifen. Auf den Fußsohlen finden sich 1.700 Nervenenden. Füße sind das Fundament, das uns trägt.

Es geschah in Gars am Kamp

Zwei Erlebnisse haben die Einstellung zu meinen Füßen grundlegend verändert. Das eine ist lange her; es „geschah“ in Gars am Kamp, wo ich eine Woche im Biotrainingszentrum des Gesundheitsexperten Willi Dungl verbrachte. Nach sehr viel Körndl- und Rohkost (was damals total angesagt war) streikte meine Verdauung. Herr Dungl nahm sich meiner an – und griff nach meinen Füßen. Dann massierte er mit seinem Daumen den „Knödel“ jener Fußreflexzone, die dem Darm zugeordnet ist. Das tat verdammt weh. Sehr, sehr weh. Zwanzig endlos lange Minuten – mir schossen die Tränen in die Augen.

Von nun an empfand ich meine Füße viel mehr als Teil von mir.

Einige Stunden später war alles wieder im Lot, die Zauberhände Dungls hatten Wunder vollbracht. Kein Knödel mehr, alles im Fluss. Ich war erleichtert und fasziniert, in Folge beschäftigte ich mich intensiv mit dem Thema Fußreflexzonen. Von nun an empfand ich meine Füße viel mehr als Teil von mir.

Ergänzt und erweitert wurde diese Sicht vor einigen Jahren, als mich, diesmal in den Bergen Salzburgs, eine junge und unglaublich sympathische Yogalehrerin darauf aufmerksam machte, dass ich „unrund“ gehe. „Aha“, sagte ich und fragte: „Und wie gehe ich rund?“ Nach Ausführungen zur Bedeutung von Haltung und „Verwurzelung“ schloss sie mit einem wunderbaren Satz: „Geh, als würdest du die Erde mit den Füßen küssen.“

Rund und unrund

Ein schöner Gedanke, den ich mir zu Herzen nahm, ich fürchte allerdings, Pantherweibchen wird keines mehr aus mir. Doch das Bewusstsein für diese so häufig vernachlässigten, selbstverständlichen Körperteile ist mir geblieben. Bei den Füßen fängt vieles an und hört vieles auf. Mit ihnen gehen wir durch die Welt, spüren den Boden, verankern uns, halten Gleichgewicht – bewegend erobern wir das Leben. Nicht zuletzt bilden die Füße einen wichtigen Gegenpol zum „Verkopftsein“.

Füße verdienen sich daher Freiheit: Luft, Licht, gute Behandlung, Hinwendung und manchmal ein paar Steinchen oder etwas Gras unter den Sohlen. Sooft ich kann, gehe ich barfuß oder zumindest in lockeren Socken (weil ich zu kalten Füße neige) herum. Im Sommer im Garten; manchmal ziehe ich auch im Wald die Schuhe aus, wenn der Boden moosig und die Luft heiß ist. Ich liebe es, in einem Bachlauf zu waten, dabei spüre ich, wie die Steine meine Fußreflexzonen massieren und sich Lebendigkeit von unten nach oben hin ausbreitet.

Wie wichtig es ist, seinen Füßen Barfußerlebnisse zu schenken, hat mir der deutsche Barfußcoach Emanuel Bohlander erzählt. Das Interview mit dem deutschen Fußexperten kannst du hier lesen. Interessiert dich vielleicht auch: Unser Video-DIY für eine erfrischende Fußcreme.

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