Was Schwimmen wirklich ist

Effektives Ganzkörpertraining und Wundermittel für mehr Ausdauer – oder doch fad und ein Magnet für Fusspilz? Der Schwimmsport ist mehr, als er scheint.
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Foto: petrelos / getty images

Begnadete Körper, die durchs klare Wasser gleiten – ein herrlicher Anblick. Aber nicht nur vom Beckenrand aus betrachtet, ist Schwimmen eine Wohltat, vor allem bei Temperaturen über 30 Grad. Es ist in vielerlei Hinsicht eine ideale Sportart für den menschlichen Körper: Sie beansprucht zahlreiche Muskelpartien, stärkt die Ausdauer, Herz/Kreislauf und die Lungenfunktion.

Schonend und stärkend

Schwimmen schont zugleich den Bewegungsapparat, da das Wasser einen großen Teil des Körpergewichts trägt – Ausreden gibt es also keine, nicht einmal für ältere Semester, Übergewichtige oder Menschen mit Gelenkproblemen. Außerdem gibt es verschiedene Stile – Brust, Rücken, Delfin und Kraulen, da ist garantiert für jeden etwas dabei.

Und auch der Geist wird durch die Bewegung im kühlen Nass gestärkt, zahlreiche Athleten setzen neben „ihrer“ Sportart zum geistigen wie auch körperlichen Ausgleich aufs Schwimmen.

Alle diese Vorzüge sollten eigentlich sogar das größte Faultier motivieren. Tun sie aber nicht, denn es gibt viele Vorurteile, die abschrecken. Wir haben mit dem Semi-Profi Alfred Strauch, 46, geredet, der im Jahr 2000 das Rauchen gegen das Schwimmen tauschte, als Späteinsteiger, von denen es in Fachkreisen immer heißt, sie werden nie so schwimmen können wie jemand aus dem Schwimmverein – was übrigens nicht stimmt.

„Begonnen habe ich mit stundenlangem Brustschwimmen, Lehrbüchern und YouTube-Videos, aus denen ich mir Atemtechnik, Rollwende und nach und nach Kraul-, Rücken- und Delfinschwimmen abgeschaut habe. Mit Erfolg: Bei den österreichischen Open-Water-Meisterschaften schaffe ich es in meiner Altersgruppe regelmäßig aufs Podest“, erzählt er. Aber warum schwimmt er eigentlich?

„Es ist Sport und Meditieren in einem. Einfach ein gutes Gefühl. Es gibt kaum ein Training, nach dem ich unentspannt aus dem Wasser steige.“

Strauch hat uns auch geholfen, die größten Vorurteile gegenüber dem Schwimmsport zu entkräftigen:

Vorurteil 1: Schwimmen macht Nackenschmerzen

… das jammern in der Regel die Brustschwimmer. Was viele nicht wissen: Von allen Schwimmlagen ist Brustschwimmen die technisch Anspruchsvollste und ein Anfänger-Training mit einem Profi zum Einstieg von Vorteil. Denn: Die meisten schwimmen falsch. Ganz wichtig: Nicht – obwohl es ein menschlicher Instinkt ist – nach vorne schauen, sondern nach unten, Hals nicht überstrecken, die horizontale Schwimmlage so wenig wie möglich verlassen. Dazu den Rhythmus finden: 1. Armzug, 2. Beintempo, 3. Gleitphase. Und: Brustschwimmen eignet sich nicht für Langstrecken, also alles über 400 Meter. Besser 6x 200 Meter mit Pausen als mit hartem Hals durchschwimmen!

Vorurteil 2: Schwimmen ist unhygienisch

Nope, mangelhafte Körperpflege ist unhygienisch. Abduschen nach dem Schwimmen reicht völlig aus. Wer häufig schwimmt, sollte allerdings nur mit Wasser duschen, da herkömmliche Duschgels die körpereigene Schutzschicht abwaschen und die Haut austrocknet. Für Fusspilz-Phobiker: Im Bad immer Flip-Flops tragen und auch die Zehen-Zwischenräume ordentlich abtrocknen.

Vorurteil 3: Schwimmen macht breite Schultern

… und ein Kreuz wie ein Henker. Vor allem die Damen werden oft  von diesen Ängsten geplagt. Doch sofern man nicht beginnt, dreimal die Woche eine 6x200m-Delfin-Serie zu schwimmen, ist die Gefahr gering, dass die Garderobe nicht mehr passt. Dafür verbessert Schwimmen die Körperhaltung, öffnet den Brustkorb und mobilisiert die Schultergelenke. Prinzipiell versucht man sich mit guter Technik Kraft für die Vorwärtsbewegung aus dem Latissimus zu holen, der unterhalb des Schulterbereichs liegt. Also keine Angst vor einem kastenartigen Mega-Kreuz wie Michael Phelps.

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