Gabriele Kuhn

Nicht jeder ist für Sport mit dem Partner geeignet

Gemeinsam zu sporteln, verbindet – heißt's. Stimmt – wenn die Voraussetzungen passen. Das ist auch eine Frage der Typologie.
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Bild: Rodrigo Kugnharski/Unsplash

Das Leben wird sehr gerne in Listen zusammengefasst – zum Beispiel in das Ratgeber-Oeuvre „50 tolle Aktivitäten für Paare“. Darin stehen so Sachen wie „Zusammen einen Berg erklimmen“, „Spielen Sie gegeneinander Darts und schließen Wetten ab“ oder aber „Gehen Sie zu zweit Fliegenfischen“.  

Gemeinsam statt jeder für sich

Das „gemeinsame Hobby“ gilt als probates Gegengift für so manche Liebes-Baisse – idealerweise was Sportliches, um sich „auszupowern“ und nachher keine Kraft mehr fürs Streiten zu haben. Irgendwie logisch. 

Man braucht kein promovierter Psychologe zu sein, um zu wissen: Gemeinsamkeiten tun gut, schaffen Bindung und sorgen für kontinuierlichen Gesprächsstoff. 

Plötzlich wird nicht dauernd darüber geredet, wer wann welches Brot einkauft und den Mistkübel leert, sondern darüber, wo ungefähr das Idealgewicht der zu verwendenden Dartpfeile liegt: bei 23 oder 27 Gramm? 

Oder aber, wie sich ein gelungener Stopp-Ball beim Tennis anfühlt und dieser innere „Ätsch & Ha!-Moment“, wenn der Partner sprintet, hechelt und scheitert. 

Keinen Konkurrenzkampf schaffen

Womit wir bei den Tücken und Fallen des Gemeinschaftssports gelandet wären – eine längere Liste, die bei L wie „Leistungsunterschied“ beginnt und bei Sätzen wie „Ganz ehrlich? Du läufst mir zu langsam, das bringt nix“ endet.  

In Aussagen wie diesen liegt die gesamte Perfidie des Paar-Sports – speziell, wenn man einen von der Sorte „Er will ja nur spielen“ an seiner Seite weiß. Das sind Menschen, denen niemals einfallen würde, sich sportlich zu betätigen, um sich sportlich zu betätigen. 

Die wollen immer mehr – nämlich sich immerzu messen. Sie brauchen den spielerischen Wettkampf als Motivation. Ein Wettkampf, aus dem idealerweise sie selbst als Sieger hervorgehen. 

Was diese Menschen dann in Folge ausführlich, laut und deutlich besprechen müssen, während in ihrem Hirn das Gewinn-Dopamin für Hochgefühle sorgt: „Bist du deppert, den habe ich g’wetzt.“ 

Diese Typen werden niemals Sport-Buddhas, die sich schlicht um des „Tun“ willens abmühen. Der Hauptgrund, warum sich der gemeinsame Spaß dann auch eher in Grenzen hält. Weil es vor allem darum geht: „Erster! Ätsch!“

Wenn der Antrieb ein anderer ist

Kompliziert wird es auch, wenn einer der Gruppe „Optimierer“ angehört – und der andere der Gruppe „Wurscht“. Nehmen wir als Beispiel den Golfsport, der ja als Paradebetätigung für Paare gilt – mit dem Motto: von Loch zu Loch ins Liebesglück. 

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Bild: Court Cook/Unsplash

Doch wenn Typ „Optimierer“ jeden Schlag mithilfe eines eigenen elektronischen Schlägergeschwindigkeitstrackers misst und komplizierte Rechnungen zur Bewegung des Schlagkopfs in Relation zur Armbewegung anstellt, kann das für Typ „Wurscht“ äußerst mühsam werden. 

Denn der steht eher verträumt auf dem Platz herum und hält statt Vorträgen zur „kinematischen Kette und der koordinierten Abfolge von Körperbewegungen“ lieber mal inne, um Sachen zu sagen wie: „Hast du den Eichelhäher da drüben gesehen, so ein schöner Vogel.“ Dafür hat der „Optimierer“ Null Verständnis. 

Mehr noch: Er fragt sich, ob er im falschen Film ist und wirft dem „Wurscht“ vor, nicht bei der Sache zu sein. Man müsse mehr über die Verbesserungen der „Performance“ mittels Nahrungsergänzungsmittel, Tracker, Apps, Online-Tutorioals und Coaches plauschen. 

Während „Wurscht“ sein Leben lang im schlechten-Handicap-Tümpel rumsumpfen wird, weil er lieber den blauen Himmel und die Berge anstarrt, statt an seinem Schlag zu tüfteln. 

In eine eheliche Golf-Runde gegossen, sorgt das für einen Konflikt-Exzess. 18 gemeinsame Golflöcher sagen oft mehr als 18 Jahre Ehe.

Wann es besser ist es sein zu lassen

„Dann fahren Sie halt Tandem“, riet eine Paarpsychologin einem Paar, das sich sportlich „unbedingt gemeinsam betätigen“ wollte – aber aus genannten Gründen bisher an allen Sportarten scheiterte, sogar an Minigolf. 

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Bild: Adolfo Felix/Unsplash

Daraufhin haben sich die Beiden in das Thema eingelesen – und erfuhren, dass jene Person, die das Tandem steuert, „Pilot“, „Steuermann“ oder aber „Captain“ genannt und der „Mitfahrer“ als „Heizer“ bezeichnet wird.  

O-Ton: „Die Kontrolle des Tandems liegt beim Captain. Der Mitfahrer geht alle Bewegungen mit.“ Brisant – denn noch bevor die zwei das Tandem überhaupt bestiegen hatten, entfachte ein knallharter Streit zum Thema: „Captain – du oder ich?“ Dass sich einer zum „Heizer“ degradieren lassen würde: Never. Ever. 

Dann lieber gemeinsam unsportlich. Irgendwie schafften die zwei dann einen Deal – nämlich, dass man nach der Hälfte der Zeit die Rollen tauschen würde. Dass die sportlichen Ambitionen schließlich an der Verständigung scheitern würden – genauer gesagt am Begriff brrrrremsen! – ist eine andere und recht schmerzvolle Geschichte.  

Was lernen wir daraus?

Nun, was tun? „Begeben Sie sich auf Augenhöhe“, wird ebenfalls geraten. Was das für die gemeinsamen Bemühungen bedeuten könnte? 

Vielleicht die Erkenntnis, dass es manchmal vielleicht doch besser ist, gemeinsam als Paar etwas getrennt zu tun – jeder in seinem Takt und in seiner Manier.  

Was uns noch einfällt: Küssen! Küssen, so hieß es mal in einer Studie, wirke wie „moderater Sport“, der Blutdruck steigt dabei genauso „moderat“ wie der Ruhepuls. 

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