Kuscheln: Darum tut es uns so gut

Kuscheln kann uns beruhigen, entspannen und fühlt sich einfach richtig toll an. Warum das so ist, verrät eine Neurowissenschaftlerin.

Streicht uns der Partner sanft übers Haar oder nimmt uns der beste Freund in den Arm, fühlt sich das außergewöhnlich gut an. „Wir entspannen, die Menge an Stresshormonen im Blut geht herunter und wir bekommen ein wohlig-warmes Gefühl“, sagt Rebecca Böhme. Sie ist Neurowissenschaftlerin und hat Erkenntnisse aus Medizin und Hirnforschung rund um Berührungen und Kuscheln in ihrem Buch „Human Touch“ zusammengefasst.

Auch unsere Haut reagiert auf die achtsame Berührung: „Streichelt uns jemand, reagieren in unserer Haut die sogenannten C-taktilen Fasern.“ Unsere C-taktilen Nervenfasern werden bei langsam streichelnden Berührungen mit leichtem Druck aktiviert. Ebenso reagieren andere Rezeptoren in der Haut, etwa die zum Erkunden und Erforschen von Oberflächen.

Was geschieht im Gehirn, wenn wir berührt werden?

Von der Haut leiten die Nerven die Information weiter über das Rückenmark ins Gehirn. Böhme drückt es so aus: „Im Gehirn wird der primäre Bereich für die Verarbeitung von Berührung aktiviert: der somato-sensorische Kortex.“

Noch etwas wird aktiv, wenn wir Kuscheln: die Insula. Diese beeinflusst Motorik und Sensorik der Eingeweide und gilt als das primäre Gehirnareal für die Wahrnehmung des eigenen Körpers. „Die Insula wird auch aktiv, wenn wir unseren eigenen Körper spüren.“

Warum kuscheln manche gerne – und andere nicht so sehr?

„Da gibt es wirklich große, individuelle Unterschiede“, weiß die Expertin. „Vermutlich liegt das an einer Mischung aus genetischen Einflüssen und Erfahrungen in unserem bisherigen Leben sowie kulturellen Einflüssen.“

Vielen ist zudem gar nicht bewusst, wie oft und wie intensiv sie andere Menschen berühren oder selbst berührt werden. „Seltsamerweise sprechen wir ja sehr wenig über Berührung, auch wenn es ein so wichtiger Bestandteil unseres Lebens ist.“

Kuscheln mit dem Partner: Warum es uns so guttut

Von einer Person werden wir besonders gerne berührt: vom Partner. Warum das so ist, weiß die Neurowissenschaftlerin: „Die positiven Effekte, die wir durch Berührungen erleben, treten nicht nur aufgrund der Stimulation der Haut auf. Sondern: Sie ergeben sich aus einem Gesamtzusammenhang.“

Das bedeutet: Wie wir eine Berührung empfinden und wie unser Gehirn diese verarbeitet, hängt stark damit zusammen, wer uns berührt. Das Spannende daran ist: „Unser Gehirn kann die Empfindlichkeit auf Berührungen sogar verstärken, wenn wir uns in einer intimen Situation mit unserem Partner befinden.“ Wir reagieren also besonders auf Berührungen vom Lieblingsmenschen, weil dieser für uns ein so besonderer Mensch ist. in einer gutlaufenden Beziehung können Umarmungen, Küsse und Streicheleinheiten die Zufriedenheit darum weiter vergrößern.

Natürlich können wir auch Nähe und Zärtlichkeit in anderen Beziehungen erfahren. Und das gilt nicht nur für den Fall, dass der Partner nicht gerne kuschelt. „Körperliche Nähe verstärkt ebenso die Eltern-Kind-Bindung und Freundschaften.“ Wir wissen zudem: Auch Kuscheln mit dem Haustier tut gut. Wichtig für alle Kuschelliebhaber ist: die Grenzen der anderen zu akzeptieren. „Meist haben wir aber ein sehr gutes Gefühl dafür, ob unser Gegenüber eine Berührung genießt“, weiß Böhme.

BUCH | „Human Touch“ von Rebecca Böhme. Warum körperliche Nähe so wichtig ist. Erschienen im C. H. Beck-Verlag

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