Ines Glatz-Deuretzbacher

Ich bin Single, und das ist gut so!

Unsere Autorin ist Single. Mit Leidenschaft. Ja, das gibt es! Achtung – gefährlich: Wer ihr Plädoyer für das Alleinsein liest, wird womöglich seine Partnerschaft überdenken …
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Bild: Inside Weather/ Unsplash

Man kann wohl sagen, ich habe eine Odyssee hinter mir. Auch wenn sie nur etwa sechs Jahre gedauert hat, war sie ganz schön aufreibend, zermürbend, zugleich wahnsinnig spannend und lebensverändernd. Sie begann mit der Trennung vom Vater meiner beiden Kinder und endete nach vielen Auf- und Abstiegen, Um- und Irrwegen, läuternden und erhebenden Erlebnissen in – ja – einem glücklichen Singledasein.

Du denkst jetzt sicher: Die redet sich das schön.

Du denkst jetzt sicher: „Die redet sich das schön – in Wirklichkeit hätte sie sicher gerne einen Mann.“ Ich hatte in der Zwischenzeit einige davon, vermutlich sogar zu viele. Und du hast vielleicht nicht 100-prozentig unrecht, was meine Zukunft betrifft, und ich sage ja auch niemals nie – aber derzeit kann ich mir nichts Besseres vorstellen.

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Bild: Marcos Paulo Prado/Unsplash

Ich sage ja auch niemals nie – aber derzeit kann ich mir nichts Besseres vorstellen.

Ich und nochmal ich

Das Offensichtliche: Muss ich mich nicht um meine Sprösslinge kümmern, kümmere ich mich um nichts und niemanden. Nur um mich. Die Große und die ganz Kleine in mir. Ich lass die Sau raus – und zwar ganz wie’s mir beliebt. Mit einem Saft-Tag oder mehreren Schweinsbratenbroten mit Gurkerl, und keiner fragt mich, warum so wenig oder so viel oder so ungesund.

Keiner fragt mich, warum so wenig oder so viel oder so ungesund.

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Bild: Priscilla du Preez/Unsplash

Mit einer arte-Doku über den Louvre, und keinen ödet es an. Mit meinem knuddelweichen Samtanzug, in dem ich aussehe wie Miss Piggy und mich fühle wie Salma Hayek, und keiner ist da, wegen dem ich mich dann doch in die Knacke-Jean werfe. Mit kreischendem Gesang zu David Bowie und wilden, tanzähnlichen Bewegungen, und keiner schaut mich an, als wäre ich soeben dem Irrenhaus entkommen.

Mit meinem knuddelweichen Samtanzug, in dem ich aussehe wie Miss Piggy und mich fühle wie Salma Hayek.


Wie Sie sich denken können – die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Und eines kann ich versichern: Es ist herrlich, spektakulär, unfassbar einzigartig, so einzigartig sein zu dürfen!

Es ist herrlich, spektakulär, unfassbar einzigartig, so einzigartig sein zu dürfen!

Weil nicht klar ist, wohin das führen soll

Das schon etwas Subtilere: Es wurde bereits erwähnt, dass so einige Herren in den vergangenen Jahren an meiner Seite weilten. Der eine kürzer, der andere länger. Oh ja, es gab schöne Momente, sogar Tage. Es gab Erlebnisse, die nur zu zweit schön sind. Es gab Gefühle, Küsse, warme, weiche Haut, Nähe und fantastischen Sex (ja, durchaus).

Es gab Erlebnisse, die nur zu zweit schön sind. Und was gab es noch? Kompromisse und verheulte Nächte.

Und was gab es noch? Das Gefühl, ständig beobachtet zu werden, immer zur Verfügung stehen zu müssen, langweilige Gespräche aus Höflichkeit, Kompromisse und verheulte Nächte. Letztere, weil sich irgendeiner zu selten meldet, zu unverlässlich oder zu launisch verhält. Weil nicht klar ist, wohin das führen soll, weil einer viel zu alt oder viel zu jung ist. Oh Himmel – was bin ich froh, dass das vorbei ist. Fürs Erste jedenfalls.

Oh Himmel – was bin ich froh, dass das vorbei ist. 

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Bild: Brooke Cagle/ Unsplash

Und wenn ich einsam bin

Selten, aber doch, weht so ein Einsamkeitslüftchen um meine Nase. Sobald ich es erschnuppere, nehme ich mein Mobiltelefon zur Hand und wähle jene Nummer, hinter der sich genau der Mensch verbirgt, der mir heute unkompliziert, erwartungsfrei und freudvoll den Tag oder Abend versüßen wird.

Ich habe die Wahl – immer – frei, glücklich, ohne Zwang und kompromisslos.

Mit genau dem, wonach mir heute ist. Das ist meist ein Mann – einer der Verflossenen, mit denen ich zumeist guten Kontakt pflege. Es kann aber genauso gut – oft noch besser – eine Frau sein. Ich habe die Wahl, immer – frei, glücklich, ohne Zwang und kompromisslos.

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