Wie die Neugierde uns antreibt

Denn Neugierde macht optimistisch. Sie ist zutiefst lebensbejahend. Sie verbindet uns mit anderen, sie zeigt uns Chancen, und sie gibt uns den nötigen Mut, die Grenzen des Unbekannten zu überschreiten. Jede Veränderung, jede Entwicklung beginnt mit Neugier. Dafür müssen wir nicht einmal Neues erleben – es genügt, das Alte mit frischen Augen zu sehen.

Neugierig? Gut so!

Muskeln aus Stahl und den Metabolismus voller Eiweißshakes: Der Proband, den wir Steve nennen wollen (nicht, weil er so heißt, aber weil die Geschichte mit Namen sympathischer ist), war sicherlich der Letzte, den man in einem Häkelkurs erwartet hätte. Häkeln – das war etwas für Omas, sicherlich nichts für 18-jährige Bodybuilder wie ihn. Doch da saß er nun. Seit 90 Minuten reihte er Luftmasche an feste Masche und Wendemasche an Stäbchen. Und er fand es richtig gut: Erstens war es anstrengend. Die Fingermuskulatur, die Feinmotorik – das waren Bereiche, die bei seiner täglichen Trainingsroutine kaum gefordert wurden. Zweitens war es meditativ – die Zeit, so bemerkte Steve im anschließenden Interview, verging wie im Flug. Er war im Flow. Und nicht zuletzt konnte sich das Ergebnis sehen lassen: Nach 90 Minuten konzentrierter Arbeit hatte er seine eigenen Flip-Flops fertig. Selbst gehäkeltes Unikat.

Die Frage, was ein Bodybuilder überhaupt in einem Häkelkurs macht, ist rasch beantwortet: Er nimmt an einem Experiment des US-Psychologen Todd Kashdan teil. Die Frage, warum er in den Wochen darauf immer wieder zur Häkelnadel greift, obwohl das Experiment längst abgeschlossen ist, verdient nähere Betrachtung: Steve ist ein „neugieriger Entdecker“ („curious explorer“). Vielleicht war er es schon immer. Vielleicht aber war es das Experiment, das ihm ein Fenster in eine unerforschte Welt öffnete. Eine Welt, die zuvor durch vorgefasste Annahmen („nur für Omas!“) verschlossen war.

Denn das ist es, was Neugierde tut: Sie negiert Annahmen und öffnet dadurch Welten. Wir, die Erforscher, brauchen nur noch einzutreten.

Alles neu. Immer. Überall.

Neugierige Entdecker wie Steve haben ein aufregendes Leben. Nicht, weil sie laufend mit spannenden Neuigkeiten konfrontiert werden. Im Gegenteil: Auch neugierige Entdecker stehen vor Bergen schmutziger Kinderwäsche. Sie füllen Steuererklärungen aus. Sie kreisen zehnmal um den Häuserblock, um einen Parkplatz zu finden. Aber neugierige Entdecker entdecken Neues im Alltäglichen. Das ist ihre Superkraft.

„Neues in Neuem zu entdecken ist nicht schwer. Doch sobald etwas Teil unserer täglichen Routine wird, schalten wir ab. Wir werden zu Schlafwandlern“, schreibt Todd Kashdan in seinem Buch „Curious?“ – und weiter: „Wenn wir denken, wir wissen, wie etwas funktioniert, passen wir nicht mehr richtig auf.“

Das beraubt uns aber der Möglichkeit, zu wachsen und neue Erfahrungen zu machen. Keine zwei Umarmungen fühlen sich gleich an, keine zwei Pizzerien machen die Calzone gleich. Sogar wenn du „Die Eiskönigin“ zum siebenten Mal mit deinen Kindern ansiehst, wird der Film jedes Mal ein bisschen anders sein – vorausgesetzt, du hast nicht verlernt, zu entdecken.

In zwanzig Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen aus. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln. Erforsche. Träume

Mark Twain (1835-1910), amerikanischer Autor

Neugierig sein – das bedeutet, die Gelegenheit für Neues beim Schopf zu packen. Immer und immer wieder. Das Leben wird dann nie fad.

Neugier – der Motor des Menschen
Fad ist auch das Leben von Andreas Steinle nicht. Der Gründer des Zukunftsinstituts ist von Natur aus neugierig – unter anderem auf das Phänomen Neugier, das er erforscht. War­um? Weil es, so ist Steinle überzeugt, gar keine neuen Ideen geben könne ohne die Neugierde. Wenn wir verstehen wollen, wie neue Ideen in die Welt kommen, müssen wir lernen zu verstehen, wie Neugierde funktioniert.

„Ohne Neugier würden wir noch in den Höhlen sitzen, würden dort frieren und eher hilflos die Angriffe von Bären abwehren“, sagt Steinle, „denn ohne Neugier hätten wir nie das Feuer be­herrschbar gemacht und nie den Faustkeil erfunden. Wir hätten kein Werk­zeug gehabt, um ein Wildschwein zu erlegen und zu braten.“ Das wiederum war der entscheidende Energielieferant für ein wachsendes Ge­hirn. Anders gesagt: Ohne Neugier kein Schweinsbraten. Und ohne Schweins­braten wäre aus dem Homo nie ein sapi­ens geworden. Steinle: „Wir würden jetzt nicht vor Computern sitzen und Welt­raumtechnologie erfinden. Wir wären als Menschen nicht dort, wo wir heute sind, ohne die Neugierde.“

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.

Albert Einstein

Tatsache ist, dass Neugierde ein sich selbstverstärkendes System ist. Ja, sie half bei der Entwicklung unseres Ge­hirns – doch gleichzeitig braucht es kom­plexe Gehirne, um überhaupt neugierig sein zu können. Der Mensch ist deshalb das einzige Wesen, das in der Lage ist, seine Neugier bis ins Alter zu erhalten. Tiere sind wohl auch neugierig, wir aber haben es perfektioniert! Weil wir spüren, wie gut es uns tut.

Bunt bemalte Hauswand
Bild: Unsplash

Neugier und Sex

„Ja“, bestätigt Steinle, „Neugier macht glücklich. Das liegt daran, wo sie im Gehirn verortet wird: in einem Bereich, den wir Caudatus nennen. Der Caudatus sitzt an der Kreuzung zwischen ‚neuem Wissen‘ und ‚positiven Emotionen‘. Und er ist gut vernetzt mit dem Belohnungs­zentrum, dem ‚dopaminergen System‘. Erlangtes Wissen wird also mit ‚Glücks­stoffen‘ belohnt. Das lässt uns natürlich immer weiter forschen, weil es sich gut anfühlt.“

Was die Dopamin­ausschüttung an­belangt, ist Neugier also der neue Sex. Vielleicht auch der ganz alte. Wer ver­mag zu sagen, was zuerst war? „Die Lie­be besteht zu drei Vierteln aus Neugier“, behauptete schon Casanova. „Na ja“, sagt Steinle und lacht, „fort­gepflanzt hätten wir uns auch ohne Neugier. Das tun ja schon Einzeller. Aber die Neugier macht die Fortpflanzung zu etwas Spannendem. Es ist unumstritten: Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll befriedigen unser Dopaminverlangen. Neu erschlos­senes Wissen tut das aber auch.“

Fünfzig Fragen pro Stunde

All das ist tief in uns angelegt. Jedes Kleinkind erobert sich seine Welt durch Neugierde – und erschließt sie sich durch positive Empfindungen, wenn es etwas Neues entdeckt. „Wir werden neugierig auf diese Welt losgelassen. Klar steht am Anfang das Stillen von Durst und Hun­ger im Vordergrund, aber sobald wir das einmal auf die Reihe bekommen haben, wollen wir unseren Durst nach Wissen stillen.“

Eltern merken das leidvoll an dem Phänomen des Fragenstellens, das im Alter von etwa vier Jahren seinen ner­venzerfetzenden Höhepunkt erreicht. Zwanzig bis fünfzig Kinderfragen gehen sich auf der Fahrt von Amstetten nach Mondsee locker aus. Wir brauchen da­nach einen Beruhigungsschnaps; das Kind kann aber gar nicht anders: Es muss Fragen stellen. Weil es noch keine Kategorien kennt. Es weiß noch nicht, dass Limonade zur Kategorie der Ge­tränke gehört. Das muss es sich erst erarbeiten, um sich zurechtzufinden.

„Wenn wir es einmal geschafft haben, die Welt in unsere Schubladen zu sor­tieren, hören wir meistens auf, Fragen zu stellen“, resümiert Steinle bedauernd. Anstelle der kindlichen (bis zu) fünfzig Fragen pro Stunde stellen Erwachsene durchschnittlich sechs Fragen im Lauf eines ganzen Arbeitstages. Fragen von einer gewissen Banalität wie „Warum steht der auf meinem Parkplatz?“ oder „Was gibt’s heute Mittag zu essen?“ sind da bereits eingerechnet. Das ist der Neugier­killer im erwach­senen Alter: Wir denken, wir wüssten, wie die Welt funktioniert, und müssten keine Fragen mehr stellen.

Kein Denken ohne Fühlen

Fragen stellen – das bedeutet auch: Platz schaffen für das Ungewisse, das Über­raschende. Neugier­forscher Todd Kash­dan spricht gern von den „pleasures of uncertainty“, also den Freuden der Un­sicherheit. Unserem angeborenen Sicher­heitsbedürfnis widerspricht das mitunter. Wir haben auch nicht gerade viel Erfah­rung darin, denn dass Wirtschaftsunter­nehmen und Forschung sich der Neugier verschreiben, ist noch eine sehr junge Entwicklung.

Neugierig zu sein bedeutet Offenheit für und eine aktive Suche nach neuen Informationen. Es bedeutet, auch solche Fakten zu akzeptieren, die nicht in die eigene Weltanschauung passen, und ihre Konsequenzen zu verstehen zu versuchen. Es bedeutet, dass eigene Fehler zu Neugier und nicht zu Verlegenheit zu führen.

Hans Rosling, Ola Rosling & Anna Rosling Rönnlund, „Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“

In der Welt des Rationalismus galt auch der Mensch als rational agierendes Wesen, als perfekter Kosten-­Nutzen­-Optimierer. Sind wir aber nicht! Weder treffen wir rationale Entscheidungen, noch handeln wir rational – und sosehr wir das manchmal auch behaupten: Wir wollen es gar nicht.

Die Neurowissenschaft geht mittler­weile einen Schritt weiter: „Kein Denken ohne Fühlen!“, lautet die aktuelle Maxi­me. Direkt gefolgt von: „Kein Lernen ohne Fühlen!“ Neugier – davon geht man heute aus – ist ein Gefühl. Ein ganz grundlegendes wie etwa Freude, Wut oder Ekel. Enger noch als die drei ge­nannten ist sie mit Denken und Lernen verbunden. „Sie ist jene Emotion, die unseren Horizont erweitert“, sagt Stein­le, „Neugier macht Mut, sie hilft Her­ausforderungen zu meistern. Neugierige Menschen haben nicht mehr Glück als andere, aber sie ergreifen das Glück beim Schopf. Das ist einfach inspirierend.“

Neugierig – oder ängstlich?

Bei Neugier geht es nicht nur darum, bahnbrechend Neues zu entdecken. Vielmehr ist unsere Fähigkeit gefragt, mit Veränderungen umzugehen. Neues allein reicht also nicht aus, um unsere Neugier zu wecken.
Wir müssen dieses Neue auch als bewältigbar empfinden. Fühlen wir
uns dazu nicht in der Lage, reagieren wir nicht mit Neugier, sondern mit Angst.

Warum will ich neugierig werden

Neugierde: Viele offene Bücher
Bild: Unsplash

Neugierige Menschen sind glückliche Menschen. Das hat viele Gründe.

Wer neugierig ist, interessiert sich für sein Gegenüber

Dabei geht es nicht um Klatsch und Tratsch, sondern um die sogenannte empathische Neugierde, die uns hilft, das Leben durch die Augen anderer zu sehen. Jeder, dem in einem Gespräch schon einmal echtes Interesse und ungeteilte Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde, spürt den Unterschied. Und es ist nicht nur ein Gefühl – es ist messbar: Neugierige Menschen haben mehr Freunde und ein lebendigeres Sozialleben.

„Das wichtigste Element, um eine lebendige Verbindung zu anderen Menschen zu pflegen – zu den Menschen, die uns viel bedeuten –, ist die Neugier.“ – Brian Grazer, Autor von „A Curious Mind“

Neugierde zieht Erfolg und Geld an

Von Unternehmen weiß man das sowieso; Apple wird hier immer wieder als Paradebeispiel genannt. Das Erfolgsmodell „Neugier“ ist aber auch im Kleinen wirksam – bei jedem einzelnen Mitarbeiter eines Unternehmens. Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, sich rasch auf neue Situationen einzustellen, werden von Psychologen ganz klar mit Neugier in Verbindung gebracht. Fazit: Neugierige sind gesucht und begehrt. Mittlerweile gibt es Testinstrumente, die im Recruitingverfahren den Neugierquotienten eines Bewerbers feststellen.

„Ich glaube, ich bin einer der neugierigsten Unternehmer, die noch leben. Die meisten Unternehmer speziali­sieren sich in einem Gebiet, ich suche einfach immer weiter.“ – Sir Richard Branson, Gründer der Virgin Group

Neugierde ist der Gegenspieler der Angst

Wenn es im Zimmer nebenan laut kracht, haben wir im Grunde zwei Möglichkeiten, zu reagieren: Neugier oder Angst. Angst ist ein wertvoller Überlebensmechanismus, doch immer nur ängstlich zu sein nützt ihn ab. Und es bringt uns um viele wertvolle Erfahrungen. Hier kommt die Neugier ins Spiel. Sie motiviert uns, die Angst zu überwinden. Coachingtechniken wie NLP machen sich das zunutze. Sie wandeln Angstszenarien bewusst in Neugierszenarien um. Aus „Ich fürchte mich vor dem Gespräch mit meinem Chef“ wird: „Ich bin gespannt, was mein Chef von mir will.“ Das Unbekannte, das Unsichere ist für Neugierige keine Bedrohung. Es ist ein Abenteuer.

„Die Befreiung der eigenen Neugier ist eine der größten Quellen von Glück im Leben.“ – Linus Carl Pauling, Nobelpreisträger für Chemie

Neugierde stärkt die Lebensfreude

Weil wir uns durch sie neue Themen erschließen, in Kontakt mit anderen Kulturen kommen, neue Menschen kennenlernen. Das ist inspirierend und anregend. „Der größte Killer unserer Lebensfreude ist die Routine, das Fehlen von Überraschung“, erklärt Neugierforscher Andreas Steinle, „wir verharren in Mustern und Schubladen. Unsere Neugier hilft uns, daraus auszubrechen.“

„Solange man neugierig ist, kann einem das Alter nichts anhaben.“ – Burt Lancaster, Hollywood-Legende

Neugierde macht schlau

Siehe „Sesamstraße“. Da ist aber noch mehr: Die Offenheit für neue Erfahrungen – eine der fünf Neugierdimensionen – spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung unserer Intelligenz. Gleichzeitig begeben sich Menschen, die offener sind, eher in Situationen, in denen sie ihre Intelligenz auch tatsächlich einsetzen können oder müssen. So entsteht ein wunderbares, sich selbst verstärkendes System: Wir füttern unsere Intelligenz, während wir sie trainieren (und umgekehrt). Neugier ist also eine kluge Investition in unsere sogenannte kognitive Reserve. Alzheimerprävention inklusive.

Vom Strecken und Umarmen

Der US-Forscher Todd Kashdan spricht vereinfacht von zwei ganz grundlegenden Richtungen der Neugier, die jeweils eine körperliche Entsprechung haben:

  • Die Motivation, nach Wissen und neuen Erfahrungen zu suchen. Wir dehnen und strecken uns. Das vergrößert unseren Bewegungsspielraum.
  • Die Bereitschaft, sich auf das Ungewisse und Unvorhersehbare im Alltag einzulassen: Wir umarmen. Das vergrößert unsere Resilienz, unsere Stabilität – und letztlich unser Herz.

Woraus besteht Neugierde?

Bild: Unsplash

Neugier kann man lernen. Das ist wie Kochen. Man muss es nur wollen. Doch ähnlich wie beim Kochen gilt es, erst einmal die Zutaten zu verstehen. Was brauchen wir, um unserem alten Lebenseintopf eine aufregende Note Nouvelle Cuisine zu verleihen?

  1. Abenteuerlust: Du bist bereit, körper­liche, finanzielle oder so­ziale Risiken einzugehen, um möglichst vielfältige, spannende Erfahrungen zu sammeln.
  2. Offenheit für die Ideen anderer: Du schätzt unterschied­liche Perspektiven und die Ideen anderer und strebst bewusst nach anderen Lösungsansätzen.
  3. Entdeckerfreude: Es macht dir großen Spaß, dir neues Wissen und neue Informationen anzueignen, daraus ent­steht Freude am Lernen und am Wachsen.
  4. Antrieb durch Wissenslücken: Du erkennst eine Wissenslücke und sinnierst über abs­trakte oder komplexe Möglichkeiten, das Problem zu lösen und die Lücke zu schließen. Und emp­findest ein Gefühl der Erleichterung nach der Lösung.
  5. Anpassungstoleranz: Du bist bereit, dich der Unruhe und dem Unbehagen zu stellen, die beim Erkunden des Neuen, Unbekannten und Unsicheren entstehen.

Die Zutaten epistemischer Neugier (Wissensdurst) tragen wir alle in uns, das Mischverhältnis ist aber von Mensch zu Mensch verschieden. Studien zeigen zum Beispiel Unterschiede je nach Nationalität und Generation auf. Natürlich spielen auch unsere Erfahrungen eine große Rolle: Wer den Kontakt mit ungewohnten, fremden Situationen (z. B. im Rahmen einer Reise) schon einmal als positiv erlebt hat, kann darauf zurückgreifen und entwickelt eine höhere Anpassungstoleranz als Menschen mit wenigen oder negativen Erfahrungen.

Wie kann ich meine Neugierde fördern?

Zum Wachsen und Lernen, als Training für die kleinen grauen Zellen und für Erfolg im Beruf: So förderst du deine epistemische Neugierde und wirst ein „neugieriger Entdecker.“

  • Entdecke das Außergewöhnliche in der Routine: Ver­suche jeden Tag ein kleines Detail in deinem Tages­ablauf zu bemerken, das du so noch nie gesehen hast.
  • Wenn du mit Menschen sprichst, bleib offen für alles, ohne zu urteilen oder nach gewohnten Mustern zu reagieren. Wenn ein Kollege einen Vorschlag macht, denke nicht „Das kann nicht funktionieren“, sondern überlege, was nötig wäre, damit es funktioniert.
  • Wenn etwas Unerwartetes geschieht, lass es sich ent­falten – und widerstehe der Versuchung, den Fluss zu kontrollieren.
  • Lass deine Aufmerksamkeit sanft von kleinen Sehens­würdigkeiten, Geräuschen oder Gerüchen leiten, die dir begegnen.
  • Trau dich, dumme Fragen zu stellen.
  • Gehe in eine Bibliothek oder Buchhandlung – phy­sisch, nicht einfach auf Amazon … Du musst nichts kaufen, aber stöbere in den Regalen. Ein wahrhaft neu­gieriger Entdecker weiß nicht im Vorfeld, was er wissen möchte. Das stellt sich oft erst unterwegs ein.
  • Probiere etwas, von dem du annimmst, es wird dir nicht gefallen – und versuche jene Punkte darin zu ent­decken, die dir Spaß machen. (Wie beim Eingangsbei­spiel: Du bist ein Bodybuilder, geh in einen Häkelkurs.)

Für bessere Beziehungen, einen großen Freundeskreis und neue Begegnungen: So förderst du deine soziale Neugier und Empathie.

  • Stell Fragen. Jeder Mensch hat eine Geschichte – fin­de sie heraus. Dazu gehört aber, dass wir wieder lernen, Fragen zu stellen, die sich nicht mit „Ja“ oder „Nein“ oder „67“ beantworten lassen.
  • Hör zu. Klingt banal und ist doch schwierig. Denn im Alltag hören wir nicht zu, um zu verstehen; wir hören zu, um zu antworten. „Neugieriges Zuhören“ funktioniert anders: Anstatt eine passende Antwort parat zu haben, versuch zu verstehen, was hinter dem Gesagten steckt.
  • Stell dich anderen Weltanschauungen. Kauf dir eine Zeitung, die du normalerweise nicht lesen würdest. Lies sie, ohne dich zu ärgern, lass dich lieber vom Per­spektivenwechsel überraschen. Du musst deshalb deine Werte nicht aufgeben, aber es ist spannend, zu sehen, dass es auch andere gibt.
  • Denken statt annehmen. Oder: Entlarve deine Vor­urteile. Vorurteile sind die Geschichten, die wir über Menschen erfinden, bevor wir wissen, wer sie tatsäch­lich sind. Sie sind ungemein hilfreich, wenn es darum geht, sich im Alltag rasch zurechtzufinden, aber sie stehen im Weg, wenn wir offen auf andere zugehen wollen. Eines der bekanntesten Vorurteile ist der so­ genannte „Bestätigungsfehler“. Er bringt uns dazu, nur jene Informationen zu suchen, die unsere vorgefassten Meinungen untermauern. Was dagegen hilft? Wenig. Der Bestätigungsfehler ist hartnäckig. Aber wenn es uns gelingt, ihn kurz auszutricksen, können wir wert­volle menschliche Verbindungen knüpfen. Oder wie es die Vorurteils­forscherin Vernā Myers formuliert: „It’s not about perfection, it’s about connection!“
Magazin-Cover
Abo

Entdecke dein
carpe diem
für zu Hause!

Hier bestellen