Tag 6: FAQ’s zu Energiepolitik vom Experten beantwortet

Bei Begriffen wie „Energiewende” und „fossile Brennstoffe” siehst du nur Fragezeichen? Kein Problem, heute versuchen wir, dir ein paar Antworten auf deine Fragen zu geben! Patrick Scherhaufer, Experte für erneuerbare Energien von der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) hat uns dabei geholfen.

Willkommen zum sechsten Tag unserer Challenge! Bis zum heutigen Tag haben wir dir insgesamt 30 verschiedene Ideen zum Energie sparen präsentiert. Heute kannst du dir aus folgender Liste deine liebsten Challenges von dieser Woche raussuchen und sie wiederholen. Oder du wirst kreativ und denkst dir selbst eine Aufgabe aus – viel Spaß dabei!

Vergiss nicht, die erledigten Challenges in deinen Energiespar-Plan einzutragen und dir die Punkte zu holen.

Fragen und Antworten zur Energiepolitik

In vielen Medien und Gesprächen im privaten Umfeld ist derzeit die Rede von einer „Energiekrise”, von „erneuerbaren Energien” und „Energiewende”. Doch was heißt das genau? Natürlich ist es ein komplexes Thema, das viel Erklärung braucht. Wir versuchen heute gemeinsam mit „Erneuerbare-Energien”-Experte Patrick Scherhaufer von der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU), dir ein paar Fragen zu beantworten und hoffentlich etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

1. Was ist eigentlich erneuerbare Energie und was sind fossile Energieträger?

Zu den erneuerbaren Energien zählen beispielsweise:

  • Windenergie
  • Sonnenenergie (Photovoltaik und Solarthermie)
  • Wasserkraft
  • Biomasse (feste Biomasse wie Holz, Biogas und flüssige Biomasse wie Biodiesel sowie der biogene Anteil von Abfällen)
  • Geothermie und Umgebungswärme

Es gibt noch mehr Aspekte, aber das sind die wichtigsten Bereiche. Wenn wir uns den fossilen Energieträgern widmen, sind vor allem folgende wichtig:

  • Kohle
  • Erdöl
  • Gas

Die Energie, die in den fossilen Brennstoffen steckt, kann durch Verbrennung in Wärmeenergie umgewandelt werden. Dabei werden Schwefeldioxid, Stickstoffoxide und Kohlenwasserstoffe ausgestoßen, aber auch Stäube. In einem zweiten Schritt kann diese wiederum in elektrische Energie umgewandelt werden.

2. Was ist der Unterschied zwischen fossilen und erneuerbaren Energien?

Der große Unterschied zwischen diesen beiden Energieformen liegt im Wort „erneuerbar”.

  • Alle erneuerbaren Energien (Wasser, Sonne, Wind etc.) stehen unerschöpflich zur Verfügung und reproduzieren sich verhältnismäßig schnell. Wenn wir diese Ressourcen einsetzen, bürden wir dem Planeten keine Schadstoffe auf, sondern nutzen das, was da ist.
  • Bei fossilen Energien ist es das genaue Gegenteil. Sie sind nur begrenzt vorhanden und verursachen sehr viel Abfall sowieso Abgase – welche den Klimawandel vorantreiben.

3. Welches ist die wichtigste erneuerbare Energie derzeit?

Das kann man nur schwer sagen: Es ist davon abhängig, in welchem Bereich der Erde man lebt und welche Ressourcen dort zur Verfügung stehen. Wenn wir Österreich als Beispiel hernehmen spielt hier aufgrund der vielen Seen die Wasserkraft eine große Rolle. In den letzten 15 Jahren kamen auch Windenergie und Photovoltaikanlagen auf, doch die Entwicklungen in diesen Bereichen stecken aus wissenschaftlicher Sicht noch in den Kinderschuhen.

Wenn man sich in ganz Europa umschaut, ist wahrscheinlich Windenergie jene Ressource, welche von den meisten Ländern genutzt wird. Wichtig für die Zukunft ist vor allem, dass die Nutzung von Photovoltaikanlagen massiv ausgebaut wird – da darin auch für Privatpersonen ein großes Potenzial liegt. In den nächsten Jahren ist es essentiell, hier viele und gute Investitionen zu treffen.

4. Was ist die Energiewende und was ist der Status Quo in diesem wichtigen Bereich?

Unter Energiewende versteht man den vollständigen Wechsel von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energien. Generell ist es so, dass wir weltweit noch sehr weit davon entfernt sind, zu 100 Prozent auf „saubere” Energieformen zurückzugreifen. In Österreich beispielsweise beziehen wir ungefähr 80 Prozent des Stroms aus nachhaltigen Quellen – was sehr gut ist. Bis 2030 lautet das Ziel, 100 Prozent Ökostrom zu verwenden. Das wird Österreich wahrscheinlich auch schaffen.

In allen anderen Bereichen ist Österreich aber noch stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Beispielsweise in der Wärmeerzeugung ist Österreich nur zu 30 bis 35 Prozent bei erneuerbaren Energien angelangt, der Rest kommt aus konventioneller Erzeugung. Auch bei der Mobilität müssen die Investitionen in die Abkehr von fossilen Energieträgern in Zukunft massiv erhöht werden.

5. Wieso wird das nicht einfach geändert?

Das ist natürlich eine sehr politische und keine einfache Angelegenheit. Es gibt Interessen, die hinter fossilen Energieträgern stehen. Es geht um viel Geld und natürlich ist auch die Wirtschaft, von welcher wir alle in den westlichen Ländern profitieren, stark von herkömmlichen Energieformen abhängig – die vielen Jobs darf man auch nicht außer Acht lassen.

Wird ein Politiker gewählt, will er natürlich so lange wie möglich an der Macht bleiben, so wenig Unmut wie möglich erzeugen, sein Programm durchsetzen, aber gleichzeitig schnell sichtbare Ergebnisse haben. Da man aus dem Umstieg auf „saubere” Energie nicht so schnell politisches Kapital schlagen kann, weil es viel länger als eine Amtsperiode dauert und viele kontroverse Meinungen dazu gibt, konzentrieren sich die Parteien lieber auf schneller realisierbare Dinge, sagt Experte Scherhaufer.

6. Was ist der Plan für die Zukunft?

Der große Begriff ist die Energiewende in folgenden Bereichen:

  • Wärmewende
  • Stromwende
  • Verkehrswende

In diesen Bereichen müssen wir es schaffen, uns zu „dekarbonisieren” und auf nahezu 100 Prozent erneuerbare Energieträger zurückzugreifen. Alle drei sollten am Ende auch zusammenarbeiten können, man muss sie gemeinsam denken. Etwa, dass der Stromsektor und der Verkehrssektor miteinander arbeiten. Das passiert heute schon teilweise mit Elektro-Autos. Weiter muss der Wärmebedarf in unseren Wohnungen, Büros etc. mitbedacht werden. Wie du siehst: Das alles ist sehr komplex, jeder Lebensbereich ist irgendwie mit den anderen verwoben. Entscheidend ist die Politik der nächsten Jahre, denn diese wird vor eine große Herausforderung gestellt.

Aber auch wir als Gesellschaft sitzen mit im Boot. Wir müssen uns die Frage stellen, inwiefern wir unsere Lebensweise ändern müssen, um den Schaden, welchen die Erde nimmt, auf ein Minimum zu beschränken. Unser Leben wird sich in den nächsten zehn Jahren stark ändern, vielen ist das noch nicht bewusst. Wenn wir weiterhin so viel Energie wie bisher verbrauchen, könnte die Wende sehr schwierig bis unmöglich werden. Dabei geht es aber nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen! Jeder und jede kann im eigenen Umfeld Veränderung bewirken, mit kleinen Schritten. Du kannst dich fragen: Wie möchte ich, dass die Welt in Zukunft ausschaut? Und wie kann ich in meinem Lebensbereich darauf hinarbeiten? Deine Teilnahme an der Challenge und dein Interesse an dem Thema ist mit Sicherheit schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Alle Antworten stammen aus der carpe diem-Podcastfolge mit Patrick Scherhaufer, Experte für erneuerbare Energien von der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU). Du möchtest noch mehr wissen? Hier kommst du direkt zur Episode:

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#wirmachenseinfach

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