Helikopter-Eltern: Wie viel Fürsorge tut Kindern gut?

Selbstverständlich meinen wir es mit unserem Nachwuchs nur gut, wenn wir uns mit ihm beschäftigen. Doch eins fördern wir damit nachweislich nicht: seine Selbstständigkeit.

Die besten Entwicklungsmöglichkeiten für ihre Kinder, das wünschen sich alle Eltern im Leben. Babykurs, Frühförderung, Fremdsprache schon im Kindergarten – wie viel davon ist wirklich gut? Wo beginnt die Überfürsorge und wann werden wir zu Helikopter-Eltern?

Eltern: Balance zwischen Helikopter-Erziehung und Laissez-faire

Jedes Kind braucht seine eigene Zeit

Die Spannbreite in der Entwicklung von Kindern ist riesig. Als Mutter oder Vater kannst du von Anfang an darauf vertrauen, dass sich deine Kinder gut und zu ihrer Zeit entwickeln. Krabbeln, laufen, sprechen – jeder gesunde kleine Mensch möchte dies eines Tages können und selbstständig werden. Genauso suchen Kinder Spielangebote aus, die ihrem Entwicklungsstand gerecht werden. Es ist nicht notwendig, sie zu animieren oder mit Angeboten zu überfrachten. Wenn du aber auf die entsprechenden Signale hörst, die dein Sprössling dir sendet, dann kann es auch sinnvoll sein, ihn zum Musikkurs, Ballett oder Fußball anzumelden. Das Bauchgefühl der Eltern und deine Fähigkeit zuzuhören sind gefragt.

Jedes Kind hat Kompetenzen

Fast alle Kinder wissen selbst, wie weit sie sich am Klettergerüst hochtrauen können, ob sie vom Treppenabsatz springen oder die Socken selbst anziehen können – wenn wir Eltern ihnen das Gefühl dafür nicht mit permanenter Einmischung kaputtmachen. Indem wir ständig bremsen oder mehr fordern, wissen Kinder irgendwann nicht mehr, was gerade richtig für sie ist und wo ihre Grenzen liegen. Vor allem in der Autonomiephase von etwa zwei bis drei Jahren kann dies für uns Eltern auch anstrengend sein, wenn die Kleinen wirklich alles selbst machen wollen oder Situationen gefährlich wirken. Doch statt – wie es Helikopter-Eltern nachgesagt wird – stets sorgenvoll einzugreifen oder unaufgefordert zu unterstützen, können wir den Kindern ruhig vertrauen und sie ihre eigenen Erfahrungen machen lassen – das Beste für ein gesundes Selbstbewusstsein.

Jedes Kind hilft gerne mit

Auch kleine Menschen können schon Alltagsaufgaben übernehmen, wenn sie ihrem Alter angemessen sind. Sie tun das meist gerne und tragen voller Stolz Verantwortung. An der University of Minnesota hat die US-Forscherin Marty Rossmann anhand von Lebensläufen junger Erwachsener herausgefunden: Es waren diejenigen erfolgreicher, die bereits mit vier Jahren Tätigkeiten übernehmen durften, als andere, die sich selbst als Jugendliche um nichts kümmern mussten. Tisch decken, Essen zubereiten, Müll rausbringen, Haustier versorgen – es gibt zahllose Gelegenheiten, wo wir den Nachwuchs einbinden können.

Jedes Kind braucht Freiraum

Wenn wir unsere Kinder von einem Termin zum nächsten schleppen, bleibt kein Raum mehr für eine eigenständige Entwicklung. Gerade im freien Spiel lernen Kinder ihre Selbstwirksamkeit kennen – egal ob beim Staudamm am Bach, beim Turmbau mit Bauklötzen oder im Rollenspiel mit den Freunden. Genauso sollten wir es dem Nachwuchs auch im Alltag ermöglichen, seine Kompetenzen einzusetzen und ihm nicht aus Gewohnheit alles abzunehmen. Wenn es sein Brot nie selbst schmieren darf, nicht sein Zimmer zusammenräumen braucht oder nicht allein zum Bäcker gehen darf, wird es sich im Alltag auch später nicht viel zutrauen.

Es liegt also an uns, den Kindern ihren Freiraum zu geben, in dem wir mit Freude beobachten können, wie sie zu autonomen und selbstbewussten Menschen werden. Und fürsorglich dürfen wir dabei trotzdem sein.

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