Entschleunigen für Einsteiger: 4 Plätze im Böhmerwald

Kann man „langsam“ lernen? Auf jeden Fall. Wir kennen schöne Fleckerln, die berühren, bewegen und beruhigen.
Bild: Doris Himmelbauer

Wald

Freda, Henriette, Luitpold und der Rest des Hüttenclans vereinen so ziemlich alles, was guttut und gut ist. Wer? Na, die herzigen Holzhäuschen, benannt nach literarischen Figuren Adalbert Stifters, gut versteckt zwischen Tannen und Fichten, besser bekannt als „Ramenei – das Böhmerwaldlerdorf“. Unbehandeltes Holz trifft auf gedeckte Farben, weiche Stoffe und viel Licht verschmelzen mit der Liebe zum Detail. Es ist behaglich, unaufgeregt und komfortabel zugleich. Und trotzdem. Am besten wirkt der Wald dort, wo seine Wurzeln sind – also mittendrin.

Oberösterreich, Böhmerwald, Ramenai, Böhmerwalddorf
Bild: Doris Himmelbauer

Geh raus, setz dich auf einen Baumstumpf und tu, was „Chefwaldler“ Günter Hofbauer zu tun empfiehlt: nämlich nichts. Nur atmen, loslassen und die Natur bewusst erleben. Wenn du bereit bist, marschier los und spür Schritt für Schritt, wie die Natur Körper und Psyche umsorgt. Das Grün beruhigt, die erhöhte Konzentration an negativen Luftionen im Wald wirkt positiv auf deine Stimmung, der Weg über Stock, Stein und Wurzelwerk trainiert Balance, Bein- und Rumpfmuskulatur. Die ätherischen Öle der Bäume, die du über die Haut und die Atemwege aufnimmst, aktivieren dein Immunsystem. Und: Gemeinsam mit dem Himmelsduft finden auch die im Waldboden, auf Flechten, in Wurzeln, Moosen und Blättern befindlichen Pilze und Urbakterien den Weg in deinen Organismus – nicht umsonst spielen sie in der Naturheilkunde eine große Rolle. Übrigens: Die erste Dosis Sternenstaub für die Seele fällt bereits auf dem etwa fünfminütigen Spaziergang von der Rezeption ins (autofreie!) Hüttendorf. Der Wald verschluckt dich nämlich schnell und unerwartet, und das im allerbesten Sinne. Wenn er dich wieder freilässt, bist du dir selbst ein Stückchen näher.

Entdecke den wundersamen Böhmerwald

Kräuterwiese

Hand aufs Herz, hast du schon einmal ganz genau hingeschaut? Himmelschlüssel, Spitzwegerich, Frauenmantel, Löwenzahn, Lungenkraut und Gänseblümchen – auf dem kleinsten Fleckerl Wiese gedeiht oft der größte Kräutergarten. Mehr noch: eine gut sortierte Apotheke, für die es kein Rezept braucht. Hinsetzen, schnuppern, fühlen, schmecken und genießen reichen für den Anfang, danach rät Kräuterpädagogin Christine Stummer von der Kräuteralm Klaffer am Hochficht selbst Hand anzulegen. Aber, bitte Vorsicht bei der „Königin der Heilpflanzen“, der Brennnessel – sie will ganz behutsam angefasst werden. „Immer von unten nach oben streichend pflücken“, rät Christine. „Auf der Spitze der Härchen befindet sich ein Köpfchen, das mit Kieselsäure gefüllt ist. Berührt man es, brennt die Haut“. Egal ob als Tee oder Saft, zur Vorbeugung oder Behandlung, wirkt sie u.a. gegen rheumatische Beschwerden, entzündliche Gelenkerkrankungen und Harnwegsentzündungen. Zudem ist die Brennnessel blutreinigend und blutbildend. Die Expertin verrät: „Ihre mild-nussig schmeckenden Samen sind ein wahres Kraftpaket und so ein natürliches Aphrodisiakum. Sie lassen sich herrlich aufs Butterbrot, über Suppen oder Aufstriche streuen und werten jedes Müsli auf.“

TIPP: Wer gemeinsam mit Christine Stummer ein Kräutermenü kochen und genaueres über das umfangreiche Wildkräuterwissen erfahren möchte, der sollte sich eine Kräuter-Auszeit gönnen.

Bild: Doris Himmelbauer

Ein Glück, dass wir Christine dann auch beim Kochen über die Schulter schauen dürfen und jetzt das Rezept für ihre unsagbar guten Brennnessel-Laibchen mit Kräuterdip kennen:

Brennnessel-Laibchen mit Kräuterdip

Zutaten

  • 1 kl. Packung Knödelbrot
  • 1 gr. Zwiebel
  • 1-2 Eier
  • etwas Milch oder Wasser
  • ca. 100 g junge Brennnesselspitzen (oder andere Wildkräuter)
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

  1. Zwiebel fein schneiden und in etwas Öl andünsten. Brennnesseln fein schneiden und kurz mitrösten.
  2. Dann mit der Knödelbrotmasse mischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  3. Laibchen formen und in Butterschmalz oder Olivenöl goldbraun braten.
  4. Die Brennnessellaibchen können warm oder kalt serviert werden!

Dazu schmeckt ein Kräuterdip aus Sauerrahm, Joghurt, Salz, Pfeffer, etwas Senf und Kräutern nach Belieben.

Bild: Doris Himmelbauer

Steinernes Meer

Was in aller Welt ist das und wie kommt es da hin? Diese Fragen drängen sich beim Überqueren der bizarren Gesteinswelt in Schwarzenberg am Böhmerwald auf. Die erste ist schnell beantwortet: Es handelt sich um mächtige Steinhalden, einen der wirksamsten Kraftplätze auf dem insgesamt 165 Kilometer langen Weg der Entschleunigung. Für die zweite müssen wir ein bisschen in der Geschichte graben, genauer gesagt, bis zurück zum Erdaltertum, als das Mühlviertel noch ein imposanter Gebirgszug von 5.000 Metern Höhe war. Später wurde das einstige Hochgebirge durch Erosion abgebaut, arktischer Dauerfrost führte dann zur Bildung der charakteristischen Blockmeere. Dabei wurden die feinen Gesteinsbestandteile abgeschwemmt, übrig blieb am Ende das Steinerne Meer. Es zu erobern (entweder von Oberschwarzenberg über den Nordwaldkammweg oder vom Dreisesselberg in Bayern aus) macht einen Heidenspaß, das Hüpfen von Stein zu Stein und ist obendrein ein super Workout. Und: Auf den unterschiedlich großen Blöcken lässt es sich fein sitzen, liegen (auch zu zweit!), jausnen, Selfies machen und den Ausblick genießen.

Bild: Doris Himmelbauer

Teufelsschüssel

Wer Hexen in Aktion sehen will, sollte für den Besuch eine Vollmondnacht wählen – alle anderen sind untertags sicher besser beraten. Es lohnt es sich nämlich, den stärksten Kraftplatz der Region, der bis ins Mittelalter als Versammlungs- und Kultplatz gedient hat, im Sonnenschein zu erleben. Der Aussichtsfelsen ist schon von weitem ein Blickfang und hat unbestritten eine gewisse Anziehungskraft. Man will ihn nicht nur bezwingen, sondern vor allem berühren. Das soll u.a. an der minimal radioaktiven Strahlung des Urgesteins Granit liegen, die im wahrsten Sinne des Wortes für einen Energieschub sorgt. Vor allem bei Frauen, heißt es in Hinsicht auf seine Geschichte. Kletterst du hinauf, siehst du schüsselartige Vertiefungen im Felsen. Sie sind immer mit bräunlich gefärbtem Wasser (es ist nicht schmutzig, sondern eisenhaltig) gefüllt und Naturwissenschaftlern zufolge aus einem natürlichen Verwitterungsprozess entstanden. Erreichbar ist die Teufelsschüssel über den Dreiländerweg (ca. 45 Minuten Gehzeit vom Parkplatz Oberschwarzenberg).

Bild: Doris Himmelbauer