Wald, See, Fluss oder Baum? Finde heraus, welcher Kraftort zu deiner Stimmung passt

Burn-out-Spezialistin Sibylle Steidl hilft bei der Auswahl und zeigt dir praktische Übungen vor Ort.

Die Natur hat nicht nur eine heilsame Wirkung auf die Psyche – unterschiedliche Landschaftstypen können sogar Befindlichkeiten positiv beeinflussen: „Draußen zu sein wirkt unmittelbar entspannend und stressmindernd“, sagt Burn-out-Spezialistin Sibylle Steidl. „Der Grund dafür ist, dass schon nach kurzer Zeit die Sinne aktiviert werden. Das geht um so schneller, je bewusster man sich auf das Erleben einlässt.“

An manchen Orten dürfte Mutter Natur spezielle Kräfte aktiviert haben: Schon seit Jahrhunderten sind Berge bekannt, die aufgrund ihrer Aura sogar heiliggesprochen wurden: so etwa der Kailash in Tibet/Himalaya, Atos in Griechenland oder der Ayers Rock in Australien. Auch bestimmten Felsformationen wurden schon von den Kelten Kräfte zugeordnet – nicht umsonst gibt es auch heute noch im Waldviertel Teufels- oder Hexensteine. 

Steidl: „Bäume stehen in vielen Kulturen für den Menschen an sich, mit seinen unterschiedlichen Qualitäten. Flüsse versinnbildlichen den ‚Fluss des Lebens‘, stehen also für das Leben und auch für die Zeit an sich. Im Buddhismus steht das Meer für das große Ganze, das aus vielen Teilen, den Tropfen besteht.“

So suchst du dir „deine“ Landschaft

Für Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Stabilität: Wald
  • Ganz langsam und bewusst aus- und einatmen. Mit dem Ausatmen beginnen, während der Übung den Fokus auf den Körper richten.
  • Zunächst auf die Mitte des Körpers, zirka zwei Zentimeter unterhalb des Nabels; sich vorstellen, dass dort der Schwerpunkt des Körpers ist.
  • Dann mit der Aufmerksamkeit wieder zur Atmung gehen. Jetzt bitte lächeln, und zwar nur ganz leicht, sodass man es kaum merkt.
  • Zu sich selbst freundlich „Hallo, liebe … (den eigenen Namen)“ sagen. 
  • Danach einen Naturgegenstand suchen, der einem gut gefällt und positive Gefühle auslöst: eine Blume, einen kleinen Stein, ein Zweigerl.
  • Den Gegenstand mit allen Sinnen erfassen. Ihn also bewusst abtasten, daran riechen, damit Geräusche erzeugen, anschauen.
Für Loslassen & Akzeptanz: See
Hundstalsee
Bild. Christina Schwann/Unsplash

An einem angenehmen Platz die Wasserfläche beobachten: Ist sie gekräuselt? Weht der Wind ab und zu darüber? Gibt es Wellen oder ist sie glatt? Sind Spiegelungen zu sehen? Was genau spiegelt sich im Wasser? Der Himmel? Die Berge? Die Wolken? Das Schilf? Wasservögel? Welche Farben sind im Wasser zu sehen?

Für Akzeptanz, Loslassen, das Leben annehmen, in den Fluss kommen: Fluss
Bogenbrücke
Bild: Getty Images/Dieter Meyrl

Im Sommer: Wenn der Fluss nicht allzu tief ist, einfach durch das Wasser waten – egal ob mit oder gegen den Strom. Immer wieder stehenbleiben, durchatmen. Sich dabei vorstellen, wie der Fluss über die Füße alle Belastungen aus dem Körper nimmt und fortspült. Danach: Dinge, die man loslassen will, auf einen Zettel schreiben, diesen zerknüllen und mit einem lauten Schrei in den Fluss schmeißen.

Für Stabilität, Ängste loslassen, Entspannung: Baum
Kraftbaum Baum
Foto Credit: Veeterzy/ Unsplash
  • Schultern an einen Baum gut anlehnen. Spüren, wie der Stamm des Baumes gut unterstützt, die Festigkeit des Stammes wirken lassen.
  • Sich vorstellen, wie man mit dem Baum verbunden ist – in Gedanken zu seinen Wurzeln gehen – und Stress oder andere Belastungen einfach an die Baumwurzeln abgeben.
  • Dann: Die Blätter/Nadeln des Baumes beobachten, indem man in die Zwischenräume der Blätter schaut.

Sibylle Steidl ist Psychotherapeutin, Wanderführerin und Sprecherin der Initiative „Lebendiger Kamp“.