Basische Lebensmittel: 4 Fakten

Basenkuren, Basenfasten, basische Ernährung: warum sie gehypet werden und was wirklich dran ist.

Sich basisch zu ernähren liegt im Trend – und das nicht ganz zu Unrecht. Warum basische Lebensmittel gut für uns sein können, erklärt Jürgen Vormann, Leiter des Instituts für Prävention und Ernährung in Ismaning bei München.

Was ist der Säure-Basen-Haushalt?

Der optimale pH-Wert des Blutes liegt bei 7,4. Der Säure-Basen-Haushalt sorgt mithilfe von Puffersystemen dafür, dass der Körper Schwankungen des pH-Wertes gezielt ausgleicht. Das bedeutet: Sind wir zu sauer, sprich, haben wir einen zu niedrigen – sauren – pH-Wert, nimmt der Körper vermehrt Basen auf und scheidet Säuren über die Puffersysteme aus. Ist der pH-Wert dagegen zu hoch, also sehr basisch, werden Säuren aufgenommen und Basen ausgeschieden.

Die beiden wichtigsten Puffersysteme des Körpers, die den Säure-Basen-Haushalt konstant halten, sind die Lunge und die Niere. Saure Stoffe werden über die Lunge als CO2 abgeatmet oder über die Niere ausgeschieden.

Lebensmittel: Was ist sauer, was basisch?

Alle unsere Lebensmittel lassen sich in drei Kategorien einteilen: sauer, alkalisch (basisch) oder neutral. Aber: Es ist nicht alles sauer, was sauer schmeckt. Die Zitrone beispielsweise ist für den Körper nicht sauer, sondern basisch. Weitere basische Lebensmittel sind: Salat, Gemüse, Obst, Trockenfrüchte, Sauerkraut, Mandeln, Küchenkräuter (wie Schnittlauch, Thymian und Petersilie), Kräutertee. „Neutral ist alles, was süß und fett ist, also auch Zucker“, sagt der Ernährungsprofi.

Fleisch dagegen zählt zu den sauren Lebensmitteln. Genau wie die meisten Milch- und Getreideprodukte, Eier, Fisch, Alkohol, Linsen und Erbsen. Veganer und Vegetarier brauchen sich um ihren Säure-Basen-Haushalt in der Regel keine Gedanken machen – viele saure Lebensmittel fallen aus ihrem Ernährungsplan komplett raus oder werden reduziert.

Warum basische Ernährung im Trend liegt

Wie erwähnt, liegt der optimale Blut-pH-Wert bei 7,4 und damit leicht im alkalischen Bereich. Generell ist es für unseren Säure-Basen-Haushalt also vorteilhaft, wenn wir mehr Basen als Säuren zu uns nehmen. Auch aus diesem Grund: „Säure kann über die Niere im Alter nicht mehr so gut ausgeglichen werden.“ Denn: Die Nierenfunktion nimmt mit jedem Jahr ab, das wir altern.

Vor allem ältere Menschen, die sich stark säurehaltig ernähren, könnten Probleme bekommen, weiß Experte Vormann: „Langfristig kann es zu einer Säurebelastung im Bindegewebe kommen. Das wiederum kann Schmerzen verstärken, weil die Zellen im Bindegewebe empfindlich auf den Säureüberschuss reagieren.“

Das Problem: Ein Säureüberschuss ist schlecht diagnostizierbar, sagt Vormann, weil der Körper alles dafür tut, dass der pH-Wert im Blut möglichst konstant bleibt. „Darum ist eine Säurebelastung über Blutwerte kaum messbar.“

Was bringen basische Lebensmittel und Basenkuren?

Basenfasten bedeutet, auf alle Lebensmittel zu verzichten, die im Körper sauer verstoffwechselt werden. Langfristiges Basenfasten sei laut der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) nicht empfehlenswert. Denn: Wichtige Nährstoffe werden dann möglicherweise in zu geringen Mengen zugeführt.

Bei einer Basenkur verzichtet man dagegen nicht auf alle sauren Lebensmittel. Es geht vielmehr darum, sich eine Zeitlang basisch überschüssig zu ernähren, also mehr basische als saure Lebensmittel zu sich zu nehmen. Was das bringt? „Probiere es aus“, rät der Experte. „Reduziere den Proteinanteil in der Nahrung und erhöhe den Obst- und Gemüseanteil.“ Seiner Erfahrung nach fühlen sich Menschen, die ihre Ernährung auf hauptsächlich basisch umstellen, innerhalb kurzer Zeit deutlich besser und schmerzfreier.

Bei Basenpräparaten lohnt es sich, darauf zu achten, dass diese nicht die eigene Magensäure neutralisieren, die brauchen wir nämlich für die Verdauung. „Sogenannte Zitrate, wie Magnesium-, Kalzium- oder auch Kaliumzitrate, sind vorzuziehen.“ Diese wirken laut Vormann nicht so schnell, dafür nachhaltig.

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