Melanie Pignitter

Glücksexperiment

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Kann man sich zum Glücklichsein entscheiden?

Oft sind es die ersten Gedanken beim Erwachen, die darüber entscheiden, ob der Tag dein Freund wird.

Bad: „Ist doch klar – da nehme ich mir extra frei, um einmal so richtig auszuspannen, und dann gießt es wie aus Eimern. Ich hasse das!“
Good: „Ich habe heute frei. Was werde ich wohl Schönes anstellen? Vielleicht einfach liegen bleiben? Wie schön der Regen am Fenster klingt.“

Tatsache: Glück ist eine Frage der Entscheidung.

Tatsache: Glück ist eine Frage der Entscheidung. Die meisten von uns haben davon bereits gehört. Dennoch vergessen wir das im Alltag gerne einmal und suchen die Schuld für unsere Unzufriedenheit im Außen. Das ist nicht weiter verwerflich, schließlich liefert einem die Außenwelt ja genug Gründe. Das Wetter, die Arbeitsbedingungen, die lästigen Kunden, der schlecht gelaunte Partner, die schreienden Kinder und – nicht zu vergessen – die miserable Politik. All diese Faktoren mögen zwar tatsächlich bestehen, die Aufmerksamkeit aber schenken wir ihnen, indem wir uns kontinuierlich mit ihnen beschäftigen.

Umständliche Umstände

Die äußeren Umstände, so schlecht man sie auch bewerten mag, haben nur wenig mit unseren Glücksgefühlen zu tun. Im Rahmen meines Lebensfreudeblogs durfte ich viele Menschen kennenlernen, die scheinbar kaum Anlass zum Glücklichsein haben. Einige leiden an unheilbaren Krankheiten, andere stammen aus sozial schwachen Verhältnissen, und viele von ihnen mussten schwere Schicksalsschläge verkraften. Allein: Kaum jemand unter ihnen ist unglücklich. Sie haben die Umstände, die nicht zu ändern sind, angenommen und sich anschließend wieder den positiven Dingen des Lebens zugewandt. Und das kann jeder von uns.

Das Glücksexperiment

Ein Experiment: Nimm Stift und Papier zur Hand und notier all jene Dinge in deinem Leben, für die du dankbar bist. Also all das, was du nicht vermissen möchtest. Schreib alles auf, was dir in den nächsten drei Minuten einfällt. Hast du nun ein Lächeln im Gesicht? Mit einem Schlag wird so klar, wie sehr wir unsere Gedanken und in der Folge unsere Gefühle durch bewusste Fokussierung beeinflussen können.

Ja, aber …

Wie geht es weiter mit dem Glücklichsein? Denn obwohl es anhand dieses Experiments verdammt einfach erscheint, fragst du dich jetzt vielleicht: Braucht man zum Glücklichsein nicht Geld, Liebe und Gesundheit?

1. Macht Geld wirklich glücklich? Klar doch! Wer jeden Cent zweimal umdrehen muss und in ständiger Sorge lebt, der fühlt sich bestimmt nicht wie ein Glückspilz. Dennoch beeinflusst Geld nur bis zu einem gewissen Grad die menschlichen Glückshormone. Laut Wissenschaftlern gibt es eine jährliche Obergrenze, über welche hinaus die Glücksgefühle in der Regel wieder abnehmen. Diese Grenze liegt bei 60.000 Euro jährlich. Zugegeben, das ist ein ganz schönes Sümmchen. Das Einkommen des Durchschnittsösterreichers liegt weit darunter. Jedoch bestätigt das auch, dass immer mehr und mehr Geld nicht zwingend glücklicher macht. Ich denke, das Um und Auf bei der Zufriedenheit mit seinem Wohlstand ist die persönliche Einstellung. Mein derzeitiger Verdienst ist wesentlich niedriger als in den letzten Jahren, dennoch bin ich glücklich und fühle mich wohlhabend. Weniger ist eben doch manchmal mehr.

 2. Macht eine Partnerschaft glücklicher? Es gibt unglückliche Singles, unglückliche Eheleute und unglückliche Elternpaare. Und genauso gibt es umgekehrt in jedem Bereich auch Glückliche. Fakt ist, dass Menschen mehrheitlich dann glücklicher sind, wenn sie mit sich selbst im Einklang sind bzw. sich selbst lieben. Egal ob da jemand neben ihnen ist oder nicht.

3. Kranke haben doch einen guten Grund zum Unglücklichsein! Diese Aussage beinhaltet ein Fünkchen Wahrheit. Menschen, die vom Schicksal geplagt werden, erhalten oftmals das ungeschriebene Recht zum Unglücklichsein. Das Erstaunliche dabei ist jedoch, dass genau diese dann häufig keine Lust darauf haben und ihnen nur ein Weg bleibt: die Fokussierung auf das Positive. Wie eingangs erwähnt, habe ich in den letzten Jahren viele Menschen kennengelernt, die trotz, nein, sorry: durch Krankheit, körperliche Behinderung oder psychosomatische Symptome ihre Lebenseinstellung verändert haben. Ich zähle mich ebenso zu ihnen. 2015 wurde mir mein Leben durch einen grausamen Dauerkopfschmerz unter den Füßen weggezogen. Nach einem Jahr voller Leid und Depression erkannte ich, dass diese Krankheit ein Geschenk war. Sie zwang mich, mein Leben radikal zu verändern, machte mir bewusst, was wirklich wichtig ist, und half mir dabei, zurück zu meinem wahren Wesen zu finden.

Glück? Können wir.

Resümee zum Glück: Ob krank oder gesund, liiert oder solo, reich oder bescheiden – die Fähigkeit, an seiner Einstellung zu drehen, sich neue Gedankenmuster anzugewöhnen und achtsam mit sich selbst und anderen umzugehen, haben wir alle.

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