Daniela Razocher

Die Kunst, es nicht besser zu wissen

Möglichst unvoreingenommen an Situationen ranzugehen schafft neue Perspektiven und Erlebnisse.
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Bild: Getty Images

Ich wäre ja gern präsenter. In der Praxis steht mir dabei aber mein zuweilen (über)agiler Kopf im Weg. Der ist nämlich einen Großteil der Zeit damit beschäftigt, Prognosen zu erstellen, zu vergleichen und zu bewerten. Überhaupt möchte meine Kommandozentrale da oben am liebsten alles vorher wissen. Noch bevor ich es wirklich erlebt habe.

Zum Beispiel, wenn ein Meeting ansteht. Ich bin mir schon im Vorhinein sicher: Das wird anstrengend. Nachher werde ich zu 100 Prozent genervt rausgehen. Oft werden diese Gedanken zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung – und ich denke mir: Hab ich’s nicht geahnt?

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Bild: Mario Gogh/Unsplash

Doch wirklich weiter bringt mich diese Methode am Ende nicht. Deshalb ist mein neues Ziel, möglichst unvoreingenommen in Meetings hineinzugehen. Oder generell ins Leben. Denn damit schaffe ich statt einer vermeintlichen Sicherheit Raum für Neues in meinem Kopf. Wie ich das mache? Hier ist meine Methode:

Wahrnehmen, ohne zu bewerten

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und such dir einen Ort, an dem du experimentieren möchtest. Finde dich in einer Position ein, in der du einige Minuten verbringen kannst, ohne dass es unangenehm wird. Nun such dir ein Objekt aus, dass du beobachtest. Das kann eine Teetasse sein, ein Müsli-Riegel oder eine Vase. Die Übung liegt darin, wahrzunehmen, ohne zu bewerten. Sollten Gedanken auftauchen, fokussiere dich auf deine Sinne und deine Atmung und lass die Gedanken weiterziehen.

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Bild: Joanna Kosinska/Unsplash

Eine weitere Möglichkeit, ganz im Sein anzukommen, ist es, dich ganz aufs Erleben einer Bewegung einzulassen. Am liebsten ist mir dabei das Gehen. Meine Aufmerksamkeit geht weg vom Kopf hin zum Spüren meiner Fußsohlen. Diese Übung versetzt mich jedes einzelne Mal verlässlich in einen Daseinszustand, in dem ich meine Gedanken Schritt für Schritt zum Schweigen bringen kann. Präsent sein kann.

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Bild: David Clarke/Unsplash

Der Lohn dafür ist, so manches mit den Augen eines Kindes betrachten und erleben zu können: unvoreingenommen, pur und nichtsahnend. Und das ist wunderschön. Probier es doch einmal aus!

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