Andrea Vaz-König

Grün macht lustig

Früh-ling - was für ein interessantes Wort. Immerhin bezeichnet es nicht nur die aufregendste Jahreszeit. Er läßt uns all das genießen, was „früh“, also als allererstes aus der Erde geschossen ist. Auch in seinen letzten Zügen gibt er uns so viel.
Gruene Blaetter
Foto: Francesco Gallarotti

Welche Farbe assoziierst du mit der ersten Jahreszeit? Grün, na klar – und genau so tut es jetzt auch gut zu essen: Zarte Blätter, Sprossen, die ersten Wildkräuter und ihre Blüten – sie schmücken den morgens noch manchmal kalten Boden.

Die Natur bietet uns zu jeder Zeit und in jedem Breitengrad genau jene Nahrung, die auf unseren Körper und Geist perfekt abgestimmt ist.

Den Frühling, gerade den späten, zu geniessen und so seine Kraft aufzunehmen, heißt für mich seine Gaben zu sammeln und mit ihnen meine Speisen zu schmücken. Denn die Natur bietet uns zu jeder Zeit und in jedem Breitengrad genau jene Nahrung, die auf unseren Körper und Geist perfekt abgestimmt ist. Was hier und jetzt bei uns wächst, tut das nicht zufällig – es wächst hier für uns, wir sind ein Teil dieses Kreislaufes.

Millionen Jahre Evolution haben eine fein aufeinander abgestimmte Umgebung zwischen ihren Bewohnern geschaffen, die uns mit all dem versorgt, was wir brauchen. Deswegen saisonal, deswegen regional essen.

Raus aus dem Haus

Was wir dazu tun müssen? Jetzt ist es besonders einfach und spielerisch – raus aus dem Haus, hinein in die Natur, an einen Ort abseits von Verkehr und Co. und die Geschenke der Natur, die sie uns freigiebig und umsonst zur Verfügung stellt, nutzen. Und das während uns die Sonne mit einer Dosis Vitamin D und der Tag uns mit frischer Luft aus Wald und Wiese verwöhnt. Du kannst ruhig gemächlich beginnen, es reicht beim ersten Spaziergang zwei oder drei Pflanzen für sich neu zu entdecken und zu sammeln. Jahr für Jahr wächst das Wissen und das eigene Repertoire ganz von alleine an. Du wirst erstaunt sein, was alles essbar ist, wenn du erst einmal begonnen hast, dein Umgebung auf diese Weise kennenzulernen und zu beobachten!

Suche nicht nach der Pflanze, die Pflanze findet dich

Der Klassiker unserer Breitengrade ist natürlich der Bärlauch, auch wenn die „Hauptsaison” jetzt schon vorbei ist. Aber wenn sich jetzt seine Knospen und Blüten zeigen – zögere nicht! Auch die sind essbar und schmecken herrlich! Die Knospen können auch eingelegt oder angebraten werden, die Blüten streue ich gerne über Salate.

Doch der Spätfrühling kann noch mehr: In dieser Zeit des Jahres sind auch junge Brennesseln, Löwenzahn, Lungenkraut, Schafgarbe, Schlüsselblume und Taubnessel nicht weit. Von allen kannst du Blätter und Blüten zupfen, sie gleich vor Ort kosten und dir damit etwas Gutes tun. Wer noch nicht so bewandert bei der Erkennung von wilden Pflanzen ist, der nimmt ein Bestimmungsbuch mit.

Digitale Pause

Es gibt zwar auch viele mobile Pflanzenbestimmungsprogramme in Form von Apps auf dem Handy – aber so ein Spaziergang ist auch einmal eine gute Möglichkeit eine digitale Pause einzulegen und einfach mit dem Buch, einem Notizheft und einem Stift unterwegs zu sein. Die Pflanze, die deine Aufmerksamkeit auf sich zieht, einfach nachschlagen und nachlesen, ob sie essbar ist. Kosten und wirken lassen – und vielleicht auch lesen, welche Unterstützung sie bietet. Da erlebt man oft wunderbare Überraschungen, die zeigen wie gut wir bei aller Technologisierung noch immer mit unserer Erde verbunden sind – wenn wir uns die Zeit dazu nehmen.

Die Leber ist unser fürsorglichstes Filterorgan.

Jahrhundertealtes Wissen lehrt uns, dass die grünen Kostbarkeiten uns dabei helfen, alten Ballast abzuwerfen und erfrischt ins Jahr zu starten. Die Leber ist unser fürsorglichstes Filterorgan, das uns entspannt und geduldig sein lässt, wenn wir es gut versorgen. Oder angespannt und genervt sein lässt, wenn wir uns und ihr zu viel zumuten – manchmal merken wir das aber erst wenn die Frage kommt „Und was ist dir heute über die Leber gelaufen?”

Darum – grün essen für ein entspanntes Sein, denn: Sauer macht lustig! Und sauer – das ist der Geschmack, den die Leber liebt, wie etwa im Sauerampfer. Sein säuerlicher, frischer Geschmack verleiht Salaten die Frische, peppt Soßen auf und lässt sich schnell und einfach zu Cremes oder Pürees verarbeiten. Und wer das Vitamin C-reiche, entwässernde und sehr eisenhaltige Küchenkraut mal nicht in der Natur entdeckt, erhält es aus Zucht, in ausgewählten Gemüsegeschäften oder auf dem Markt.

Viel Spass beim Sammeln, Ausprobieren und Naschen!

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