Bernhard Ludwig, über seine Art des Fastens und warum es Spaß macht

Bernhard Ludwig, Psychologe und Psychotherapeut, wurde als Kabarettist mit einem besonderen Talent für Gesundheitsthemen bekannt. Vor über 25 Jahren machte er sich über den Diätwahnsinn lustig, vor über 15 Jahren erfand er seine eigene Fastenmethode: Im Rahmen von „10in2“ isst man an einem Tag, was man mag, am nächsten Tag dafür gar nichts.
Illustration einer Zelle
Bild: WaldundSchwert

Bernhard Ludwig, 71, hat seine Karriere als Kabarettist nicht zuletzt auf dem Fasten aufgebaut. Seine bereits 1990 erschienene „Anleitung zum Dickwerden“ zeigt auf sehr humoristische Art, warum Diäten zwar überzeugend klingen, schmerzhaft sind und gut funktionieren – dann aber das Jo-Jo erbarmungslos zurückschnellt.

Herr Ludwig, was hat Sie eigentlich auf die Idee gebracht – zu fasten?
„Ich war, bis ich zwölf war, ein schwächliches, sehr dünnes Kind. Dann hab ich angefangen, viel zu essen. Ich bin aber von Ärzten umzingelt aufgewachsen: Sobald ich dicker wurde, so mit Anfang zwanzig, wurden mir deshalb Diäten angeboten. Die habe ich auch gemacht, allerdings mit dem Nebeneffekt, dass ich durch jede Diät dicker wurde.“

Weil der Jo-Jo-Effekt eintrat?
„Ich bin der lebende Jo-Jo-Effekt! Über all diese Diätjahre hinweg habe ich rund 500 Kilo ab-, aber auch rund 540 Kilo zugenommen: einmal Traumfigur und zurück. Dramatisch und frustrierend.“

Wann hat sich das geändert?
„Erst relativ spät. All diese Kuren klingen ja zunächst einmal vernünftig, sie geben einem Modelle an die Hand, wie man Gewicht verliert, aber halt nicht dafür, sein Leben zu ändern. Als Psychotherapeut habe ich mich früh mit Herzinfarktpatienten beschäftigt und somit quasi automatisch damit, welche Rolle Ernährung für unsere Gesundheit spielt. Daraus hab ich dann mein erstes Buch gemacht: ‚Anleitung zum Dickwerden‘“.

Und da haben Sie dann auch Ihr Leben geändert?
„Ich versuchte es, aber immer noch mithilfe von Diäten, und immer erfolglos. Da wollte ich dann etwas gegen den Jo-Jo-Effekt erfinden. Bei meiner Dissertation fand ich heraus, dass der Körper eigentlich wahnsinnig wenig Nahrung braucht, wenn diese zwar alle wesentlichen Nahrungsstoffe liefert, nur halt nicht besonders gut schmeckt. Dann hat mich der bekannte Hormonspezialist Johannes Huber darauf aufmerksam gemacht, dass die Pause ein wesentliches Ernährungsthema sei. Er hat Anfang der 2000er-Jahre das Dinner Cancelling propagiert. Wer das Abendessen weglässt, soll seinem Körper erlauben, sich statt mit der Verdauung mit seiner Reparatur zu beschäftigen und Fett leichter abzubauen.“

Das hat Sie dann überzeugt?
„Überhaupt nicht.“

Warum nicht?
„Weil ich mir sicher war, dass ich das nicht kann. Aber mir leuchtete die Idee der Pause ein, sowohl fürs Abnehmen als auch für die Gesundheit. Und mir gefiel die Vorstellung, dass man nicht hungern muss, sondern essen kann, was man will, wenn man dann lange genug Pause macht. Also erfand ich die 10in2-Methode, die im Prinzip bedeutet, einen Tag zu essen, was man will, am anderen jedoch überhaupt nichts.“

Das fiel Ihnen leichter, als nur abends nichts zu essen?
„Es war nicht schwierig für mich, weil mein Kopf ja immer wusste, am nächsten Tag darf ich wieder alles. Und ich habe auch schnell festgestellt, dass mein Körper eigentlich gar nicht so viel braucht. Ich habe mich sofort besser gefühlt, allein schon, weil ich mir sicher war, dass ich das jetzt hinbekommen werde. Es sind dann fünf Jahre daraus geworden, ich habe rund 30 Kilo abgenommen und halte seither mein Gewicht. Nach den fünf Jahren bin ich auf ein flexibleres Modell umgestiegen, ich esse jetzt eher mittags und abends dafür nicht, manchmal mache ich es auch umgekehrt.“

Viele Menschen können sich nicht vorstellen, einen ganzen Tag nichts
zu essen. War das für Sie so leicht?

„Das hat mich selbst überrascht. Ich hatte zuvor ja all diese Kuren gemacht und gesehen, was ich alles nicht aushalte. Aber mit der Aussicht, gleich wieder normal essen zu können, also gar nicht hungern zu müssen, fällt enorm viel Stress weg. Deshalb ist es mir so wichtig zu sagen, dass an den Esstagen nichts verboten ist. Das schreit ja dann förmlich danach, dann dafür doppelt so viel zu essen … Das griechische Wort Diät heißt übersetzt ja Lebensstil. Es geht also natürlich darum, sich vernünftig zu ernähren, und zwar nachhaltig. So wie Konfuzius sagt: ‚Wenn du an Veränderung denkst, dann denke daran, dass du das täglich machst.‘ Mir jedenfalls ging es blendend.“

Auch an den Fasttagen? Haben Sie sich dafür nicht rechtfertigen müssen? „Ich bin regelmäßig bei Abendessen gesessen und habe gesagt, dass ich heute meinen Fasttag habe und deshalb zwar gerne da bin, aber eben nichts esse. Das hat mir dann die Zeit gegeben, den Leuten meine Methode zu erklären, während sie kauten und ich nicht.“

Und alle hatten ein schlechtes Gewissen?
„Die, die es haben müssen, sicher. Aber ich habe auch gezeigt, dass es eben geht, und gar nicht einmal so schwer. Obwohl wir in einer so fetten Welt leben. Wir sind ja von schlechtem Essen umgeben, auch Werbung wird ja vor allem für Lebensmittel gemacht, die uns nicht guttun. Überall und ständig essen die Leute. Umso wichtiger ist es, dass jeder für sich selbst herausfindet, was sein Körper eigentlich braucht: wie viel Essen, wie lange Pausen.“

Bei Ihnen hat sich verändert, was Sie brauchen?
„Ja, deshalb halte ich es jetzt flexibler. In unseren Köpfen ist irgendwie drinnen, dass Hunger etwas Schreckliches ist. Das müssen wir dort wieder rausbekommen. Das Schreckliche ist das viele Essen, weil es so wahnsinnig ungesund ist. Heute belegen ja viel Forschung und zwei Nobelpreise, wie gesundheitsfördernd das Intervallfasten ist und dass es stimmt, dass es eine innere Uhr gibt, nach der unser Körper funktioniert. Man muss aber schon auch sagen: Wenn man etwas nur macht, weil es gesund ist, dann bringt uns das auch nicht weiter.“

Warum nicht, Herr Ludwig?
„Weil das dann wieder nicht funktioniert. Die Überzeugung, dass wir das brauchen, um ein lustvolles Leben zu genießen, hilft uns. Mein nächster Film heißt deshalb auch ‚Anleitung zum lustvollen Leben vor dem Tode‘. Also: zuerst leben!“

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