Alpha-Zustand: Wachst du noch oder schläfst du schon?

Irgendwann zwischen Tagesbewusstsein und Traum ist er da: der helle Moment, in dem sich unsere Sinne schärfen und der Verstand noch ein Schäuferl nachlegt. Wir sind im Alphazustand, fokussiert und entspannt zugleich. Hallo, Flow!
von Matilda Mezen | 13. Juni 2019
alpha
Foto: tenra / getty images

Der intellektuelle Geist kommt zur Ruhe, die Präsenz bleibt aber wach: Das ist der Bewusstseinszustand, der uns zu dem macht, was wir so gerne sind: kreativ und unbändig, aufgeräumt und entscheidungsstark. Und das alles auf einmal.

Leicht ist das nicht, wenn man bedenkt, dass uns an einem Tag 60.000 Gedanken durch den Kopf jagen. Ist es wieder die Bandscheibe oder nur ein Hexenschuss? Wer holt die Kinder – und vor allem: Ist noch Weißwein da? Die Gedanken walten ungefragt und aufmüpfig. Ein bisschen von allem und von allem zu viel, nur der eine klare lässt sich nicht fassen. 60.000 unendliche Geschichten, und (noch) alle ohne Happy End.

Große Erleuchtung, kleine Erkenntnis

Und dann ist er plötzlich da: Der Moment der großen Erleuchtung, oder zumindest der kleinen Erkenntnis. Zu verdanken ist das unseren Gehirnwellen, die in diesen Phasen mit einer Frequenz von 14 bis 8 Hertz schwingen und so eine Grundentspannung herstellen, ohne ins Reich der Träume zu verorten. Die besten Ideen kommen deshalb meist kurz vor dem Einschlafen oder ganz in der Früh. Wir sind schon wach, aber noch nicht willens, dem Tag ins Gesicht zu schauen.

Wir sind im Flow, einem erhöhten Wahrnehmungszustand. Das Hirn arbeitet vernetzter und optimiert so unsere mentale Leistungsfähigkeit beim Denken, Planen und Entscheiden. Der Weg ins Unterbewusste ist gut gepflastert, der Alphamodus erlaubt so auch Zugriff auf den (meist gut versteckten) Wissensspeicher. Obendrauf werden Botenstoffe freigesetzt, die so etwas wie Glücksgefühle überhaupt erst möglich machen. Der Funke springt über, wann er will. Und manchmal passiert das sogar beim Putzen, Joggen oder Kochen.

Sich in den Alphazustand versetzen

Der Alphazustand ist also der Schlüssel zu unserem Potenzial – und mit ein bisschen Übung können wir ihn sogar selbst bedienen. Diese Techniken helfen:

  • Musik: Die Ohren spitzen und dem richtigen Sound von z.B. Vivaldi, Bach, Händel oder speziellen Alpha-Wellen lauschen. Wichtig: Hier macht der Rhythmus die Musik!
  • Mantra: Auch das monotone Wiederholen eines „Klangkörpers“ kann den Bewusstseinszustand herbeiführen.
  • Innerer Beobachter: Wer sich auf sein (immer präsentes und vollkommen ruhiges) „Flow-Selbst“ konzentriert, gibt diesem alle Macht.
  • Alpha-Punkt: Spannung loslassen, Augen schließen und Blick sanft nach oben richten: Wenn die Aufmerksamkeit ein paar Atemzüge lang auf einen Punkt ca. 10 Zentimeter über dem Hinterkopf gerichtet wird, verschalten sich die beiden Gehirnhälften.

Unsere Bewusstseinszustände

Innerhalb von 24 Stunden durchlaufen wir entsprechend unserer Hirnaktivität drei bis vier weitere Bewusstseinszustände:

  • Beta (37-15 Hz): Der Alltags-Modus, in dem komplexe mentale Aktivitäten wie Arbeiten und Autofahren stattfinden.
  • Theta (7-4 Hz): Diese Wellen herrschen vor, wenn wir tief entspannt sind, also im REM- oder Traumschlaf.
  • Delta (3-0,5 Hz): Im Tiefschaf haben wir die niedrigste Hirnfrequenz. Die neuronalen Prozesse sind auf ein Minimum reduziert. 
  • Gamma (100-38 Hz): Die zuletzt entdeckten und noch am wenigsten erforschten Gehirnwellen werden u.a. mit Spitzenleistungen und extremer Konzentration in Verbindung gebracht.

Die Übergänge zwischen diesen Modi sind fließend. Und das ist gut, denn so merken wir zumindest nicht sofort, wenn sich Alpha – der symbolische Geist – von uns lossagt. Und mittlerweile wissen wir: Zum Glück kommt er wieder.

'