Wie werde ich toleranter?

Warum sind es gerade die engsten Mitmenschen, die uns an die Grenzen unserer sozialen Kompetenzen führen? Wie gelingt das Miteinander in der lieben Familie? Daniela Zeller hat nach Antworten gesucht.

1. Alle zusammen

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Foto Credit: Olga Kawa

Seit dem letzten Familientreffen herrscht zwischen E. und ihrem Bruder Funkstille. Er amüsierte sich (wieder einmal) über ihre Laktoseintoleranz. Genervt bekrittelte E. seine zu legere Kleidung („Es ist doch eine Feier!“), was wiederum ihn zur Weißglut brachte. Schließlich ergab ein Wort das andere, und der familiäre Friede war Geschichte. Warum bringen uns gerade bei Menschen, die wir lieben, schon Kleinigkeiten auf die Palme?

2. Die Analyse

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Foto Credit: Olga Kawa

Mariella Bruckner, Kommunikationswissenschaftlerin und systemischer Coach, kennt den Grund: „So paradox das klingt – genau deshalb, weil wir sie besonders lieb haben. Hätten wir sie nicht so lieb, würden sie uns auch nicht so aufregen, denn dann wäre es uns herzlich egal, was sie sagen oder nicht sagen.“ Wir Menschen sind soziale Wesen. In der Gruppe fühlen wir uns beschützt, hier entwickeln wir uns weiter.

3. Der soziale Kitt

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Foto Credit: Olga Kawa

Es beunruhigt uns, wenn eine vertraute Person nicht so reagiert, wie wir es uns erhoffen. Mariella Bruckner: „Wir kommen als Babys auf die Welt, und das Erste, was wir wollen, ist, dass die Menschen uns lieben. Wir fangen sehr früh an zu lächeln, in der unbewussten Erwartung, dass unser Gegenüber uns wieder anlächelt.“ Eine gute Stimmung ist wichtig für unser Sicherheitsgefühl. Toleranz unterstützt uns dabei, dieses Gefühl zu erhalten. Mangelt es hingegen an klarer und offener Kommunikation, kommt uns das Gefühl von Sicherheit abhanden.

4. Wir üben Toleranz

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Foto Credit: Olga Kawa

Was tun, wenn die Wogen wieder einmal hochgehen? Mariella Bruckner rät zu einer Unterbrechung: „Das sofortige Reagieren führt meist zu einem Ergebnis, mit dem wir hinterher nicht glücklich sind.“ Also: kurz aufstehen, aus dem Zimmer gehen, ein Glas Wasser holen. Oder einfach kräftig durchatmen. Dadurch erhält man eine neue Perspektive. Hilfreich ist es auch, eine Frage zu stellen. „Was genau stört dich?“ So bringt man sein Gegenüber dazu, zu argumentieren.

5. Perfektion adieu

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Foto Credit: Olga Kawa

Vielleicht hilft auch die Erkenntnis, dass nichts und niemand perfekt sein muss. Der renommierte Neurologe und Autor Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek bringt es auf den Punkt: „Das Leben will gelebt, manchmal bewältigt, dann wieder gefeiert und manches Mal auch durchlitten werden, und zwar mit den eigenen Gefühlen und dem eigenen persönlichen Einsatz.“ Aufgeschundene Knie gehören halt einfach dazu.

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