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Saubermachen ist Selbstfürsorge

Hast du heute schon dein Bett gemacht? Gut. Denn das war der erste Schritt, um die Welt zu verändern.
Putzen

30 Sekunden investiert der ehemalige US-Offizier William McRaven, einstiger Oberbefehlshaber der Einheit für Spezialoperationen und Autor des Erfolgsratgebers „Mach dein Bett“, jeden Morgen in sein Ritual – und ist sich sicher:

Wer die Welt verändern will, muss im Schlafzimmer damit anfangen.

William McRaven, Ex-US-Offizier und Bestseller-Autor

Eine Welt, die an Tagen wie diesen wohl auch für dich ein wenig kleiner als gewohnt ist. Und gerade deswegen ist es so wichtiig.

Von der positiven Energie zehrt McRaven den ganzen Tag. Warum? „In der Früh sein Bett zu machen ist ein kleiner, automatisierter und scheinbar unbedeutender Akt“, erklärt Psychologe und UNIQA VitalCoach Dr. Bardia Monshi. „Aber er gibt uns die Gewissheit, schon etwas erledigt zu haben.“

Es geht hier also um Selbstmotivation. Aber auch um Routine und um eine äußere Ordnung, die – mehr oder weniger – Einzug in unser Inneres hält. Und: Es geht in jedem Fall darum, es selbst zu machen. Monshi: „Wir leben in einer Welt voller Ist-soll-Diskrepanzen. So, wie die Welt gerade ist, so ‚sollte‘ sie nicht sein. Krisen sind allgegenwärtig.“

Die Ist-soll-Diskrepanz der Unordnung kann aber jeder selbstbestimmt lösen. Das gibt uns am Ende ein gutes Gefühl, und wir werden mit Glückshormonen belohnt, weil wir etwas geschafft haben und das Ergebnis klar erkennen können.

Dr. Bardia Monshi, Psychologe

Bild: Marie-Michèle Bouchard/Unsplash

Im eigenen Nest für Ordnung sorgen

Natürlich ist die Reinigung seiner selbst und seines Lebensraumes zunächst einmal ein angeborenes Verhalten, das in erster Linie der Hygiene dient und so einen Überlebensvorteil bietet. „Das Ausmaß des Putzbedürfnisses ist offensichtlich sehr unterschiedlich bei den Menschen und stark erziehungsabhängig“, so Bardia Monshi. „In jedem Fall ist das Saubermachen aber ein Ausdruck von Selbstfürsorge. Für die Seele ist es wichtig, weil wir in einer chaotischen und komplexen Welt zumindest in unserem ganz eigenen Nest für Ordnung sorgen können. Das ist doch ein Erfolg.“

Tatsächlich fühlt es sich richtig gut an, (im wahrsten Sinne des Wortes) in einem Aufwasch gleich zwei Mal zu glänzen: Wer sein Badezimmer putzt, hat am Ende nicht nur die Dusche gereinigt, sondern im besten Fall auch sein Innenleben. Im Abfluss verschwinden Haare, Bartstoppeln und Shampoo-Reste – aber eben auch Sorgen, Ärger und vielleicht sogar dieses unangenehme Gefühl der Beklommenheit.

Putzen bedeutet ja immer, etwas zu lösen.

Dr. Nicole Karafyllis, Philosophie-Professorin

Die deutsche Universitäts-Professorin untersucht die reinigende Kraft des Saubermachens in ihrem Ratgeber „Putzen als Passion“ und spricht darin von Entspannung. Einer Gelegenheit, ihre Gedanken zu ordnen, einem Ventil für aufgestaute Emotionen und ja, sogar einer Art Meditation.

Volle Konzentration, bitte

Putzen als Meditation? Und wie. Bardia Monshi bringt den mentalen Mehrwert mit einer Weise des indischen Gelehrten Jiddu Krishnamurti auf den Punkt: „Auf dem Meditationskissen zu sitzen ist nur das Training. Im Alltag eine Sache mit Achtsamkeit und Konzentration zu machen, das ist die eigentliche Meditation“.

Im Zen-Buddhismus wird dieser vollen Konzentration auf eine Tätigkeit, u.a. dem Reinigen von Stiegen und Tellern, eine große Bedeutung beigemessen. „Wer in die Tätigkeit im Hier und Jetzt voll eintaucht, der kann keine Angst haben. Routinetätigkeiten durchzuführen aktiviert unsere intuitive Verhaltenssteuerung. Wir müssen also nicht angestrengt nachdenken, wir sind unbewusst kompetent, wenn wir putzen. Und das kann, wenn man sich darauf einlässt, positive Emotionen aktivieren.“

In dieselbe Kerbe schlägt Keisuke Matsumoto, der viele Jahre als Mönch in einem Zen-Kloster lebte. In seinem Buch „Die Kunst des achtsamen Putzens“ schreibt er etwa:

Bügeln sollten wir mit dem Ziel, unsere Frische und Jugendlichkeit zu bewahren.

Keisuke Matsumoto, Autor

Morgen, wenn sich die Knopfleiste am Hemd wieder mit uns messen will, denken wir daran. Okay?

Bild: Filip Mroz/Unsplash

Große Erleuchtung beim Wischen

Ein weiterer Vorteil (vermeintlich) ungeliebter monotoner Tätigkeiten ist ihre Macht, uns in einen anderen Bewusstseinszustand zu katapultieren. Und das kann nicht nur bei Superhirnen funktionieren (dem dänischen Physiker Niels Bohr soll der Legende nach beim Geschirrwaschen klargeworden sein, wie die Wissenschaft funktioniert), sondern bei uns allen.

Ganz ehrlich, wer hatte beim Fußbodenwischen noch nie die große Erleuchtung – oder zumindest eine kleine Erkenntnis? Einmal die Sesselleisten mit der Zahnbürste bearbeitet, schon steht der Menüplan für die Geburtstagsfeier. Die Staubmaus unter der Couch hervorgeholt, und das Mitarbeitergespräch ist im Kopf bereits abgehakt. Wir bleiben präsent, während der intellektuelle Geist zur Ruhe kommt.

Dieser Zustand in höchster Perfektion nennt sich Alphamodus. Unsere Gehirnwellen schwingen mit einer Frequenz von 14 bis 8 Hertz und stellen so genau die Grundentspannung her, die es braucht, um die Welt mit seinen Ideen (ein kleines bisschen) zu verändern.

Workout für den Körper

Hilft alles nichts, um dich an den Schwamm zu bringen? Sooo sauber muss es bei dir daheim gar nicht sein, Glückshormone kitzelst du lieber anders, deinen Seelenfrieden hast du längst gefunden und mit erweiterten spirituellen Dimensionen kannst du gar nichts anfangen. Na gut, dann putze einfach, um deinem Körper etwas Gutes zu tun.

Deinen Zellen ist es nämlich ganz egal, wie sie in Schwung geraten – Hauptsache, Bewegung. Draußen durch die Natur zu tollen ist im Moment keine so gute Idee. Dann halt drinnen. Fenster putzen, Wäsche aufhängen, staubsaugen, Backrohr reinigen, Boden einlassen, Besteck polieren. Und, nicht vergessen: Bitte mach dein Bett!

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