Mama und Papa als Streitschlichter?

Lautes Geschrei oder Gebrüll in den eigenen vier Wänden oder am Spielplatz: Ein Kind weint fast immer, wenn es einen Konflikt mit einem anderen Kind gibt. Mütter und Väter neigen dazu, sofort einzugreifen. Doch ist das immer nötig?

Kinder streiten sich. Ständig. Im Schnitt alle 20 Minuten, haben Forschende berechnet. Die Reibereien und Auseinandersetzungen zwischen Kindern sind also völlig normal. Auch, weil jeder Streit die Nerven von Mutter und Vater auf die Probe stellt, möchten sie möglichst jeden Streit schlichten.

Aber es braucht die Eltern gar nicht immer: Insgesamt sechs Kompetenzen sind notwendig, damit der Nachwuchs Konflikte selbst lösen kann. Die Psychologin und Familientherapeutin Sigrun Eder beschreibt in ihren Büchern, wie Kinder untereinander ihre Auseinandersetzungen ohne Gewalt lösen können.

Streit selber schlichten: Was Kinder dafür können müssen

Umgang mit Emotionen

Gefühle dienen dazu, Ereignisse und Wünsche zu definieren. Emotionen lassen zu, dass Beziehungen aufgebaut und gefestigt werden. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des Charakters. Sorge also dafür, dass dein Kind seine Gefühle einordnen und beschreiben kann. Lebe es ihm vor, indem du bei einem jüngeren Kind selbst dessen Emotionen in Worte fasst, etwa: „Du bist jetzt wütend, weil du kein Eis bekommst“ – so lernt es von dir, Gefühle zu benennen.

Kontrollverlust vermeiden, um Streit zu schlichten

Sich in schwierigen Situationen beherrschen zu können ist eine bedeutsame Fähigkeit, die Kinder lernen können. Oft kommt es nämlich vor, dass die Verhaltensweisen anderer missfallen und dies zu Anspannungen führt. Die häufige Konsequenz: körperliche Gewalt. Deshalb empfiehlt es sich, zu beobachten, unter welchen Umständen dein Kind Stress ausgesetzt ist oder sich leicht provozieren lässt. Erst dann kann man gemeinsam mit ihm eine gewaltfreie Reaktion entwickeln.

Körpersprache deuten

Das Schwanzwedeln eines Vierbeiners bedeutet pure Freude. Der Buckel einer Katze zeigt, dass ihr etwas widerstrebt. Sowohl Tiere als auch Menschen zeigen mit ihrer Körpersprache, wie sie sich gerade fühlen. Dies geschieht jedoch meistens im Unterbewusstsein. Eignen sich Kinder die Kompetenz an, Körpersprache zu deuten, können sie erkennen, wie sich der andere gerade fühlt. Somit kann man Streitereien oft entschärfen oder gar vorbeugen.

Streit schlichten: Auf Beschimpfungen gelassen reagieren

Mit Kritik und Beleidigungen tritt jeder einmal in Kontakt. Die Kunst besteht hier darin, dennoch gelassen zu bleiben. Oft hilft es bereits, wenn der Nachwuchs einmal tief durch die Nase einatmet und wieder ausatmet. Danach kann in Ruhe eine neutrale Antwort gewählt werden wie z.B. „Es stört mich, wenn du mich beleidigst.“

„Ich-Botschaften“ senden

Statt einem Vorwurf, wie z.B. „Du beschimpfst mich nur“, ist es besser, „Ich-Botschaften“ zu senden. Sie können dem Gegenüber das Gefühl der Versöhnung vermitteln und drücken die eigenen Gedanken und Emotionen aus.

Den ersten Schritt wagen, um Streit zu schlichten

Sich nach einem Streit wieder zu versöhnen, das schafft nicht jeder. Für Kinder ist es jedoch wichtig, dass sie lernen, aufeinander zuzugehen. Oft hilft ein klärendes Gespräch, aber auch eine Umarmung oder ein Handschlag kann ein Zeichen der Versöhnung sein. Und am Ende ist jeder froh, die Reibereien aus dem Weg geräumt zu haben. 

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