Montessori: Leitsätze für deinen Alltag

Aus der Reformpädagogik von Maria Montessori kannst du dir einiges abschauen, um deinem Kind und dir den Alltag zu erleicheren – und es dabei fürs Leben lernen zu lassen.

Es ist ein Zitat, das viele kennen: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Doch der Sager von Maria Montessori geht noch weiter: „Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.“ Erziehen ist jeden Tag eine Herausforderung. Doch dank Maria Montessori lassen sich einfache Leitsätze im Alltag umsetzen.

Ihre Sätze beschreiben den wichtigsten Grundsatz der italienischen Reformpädagogin und der von der entwickelten Montessori-Pädagogik: Unabhängig von ihrer Begabung wollen Kinder selbst lernen, handeln und entdecken, Erwachsene begleiten die Kinder bestenfalls dabei. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn oftmals muss schnell gehen. Dann nimmt Mama oder Papa dem Kleinen die Schuhe ab und streift sie ihm über, anstatt sie ihn selber anziehen zu lassen. Denn: Das dauert.

Doch Kinder müssen Dinge selber tun dürfen. Sonst gewöhnen sich daran, dass ihnen alles abgenommen wird – und resignieren. Damit das gar nicht so weit kommt, stellen wir dir hier einige Ideen aus dem Montessori-Alltag mit Kindern vor, die du recht leicht daheim etablieren kannst.

Wie du die Ansätze von Maria Montessori im Alltag umsetzt

1. Pass deine Sprache an

Eines der elementarsten Vorgaben in der Montessori-Pädagogik ist: Es gibt kein richtig oder falsch. Jedes Kind ist anders, und jedes Kind schafft es auf seinen Weg – und diese Freiheit gibt man ihm in der Reformpädagogik. Auf deinen Alltag übersetzt heißt es: Wähle deine Worte so, dass du kein „das ist richtig“ oder „das hast du falsch gemacht“ gibt. Zieht sich dein Kind zum Beispiel seine Handschuhe verkehrtherum an, sag: „Du trägst den linken Handschuh an der rechten Hand.“

2. Gib deinem Kind Raum

Wenn Eltern eingreifen, berauben sie ihr Kind seiner Selbstständigkeit. Oft bemerken das Eltern aber nicht, sondern sind von Zeitdruck getrieben – oder vom Gedanken, dass sie es ja selbst besser können oder wissen. Montessori im Alltag umzusetzen kostet Zeit, ja. Doch setz du dich und dein Kind nicht unter Druck. Plane deinen Tag und Timetable so, dass es genug Zeit bekommt, Dinge selbst zu erledigen – wie die Schuhe oder die Jacke oder die Handschuhe selbst anzuziehen.

3. Montessori im Alltag integrieren: Spielzeug auf Augenhöhe stellen

Die alte Frage: „Schadet zu viel Spielzeug dem Kind?“ ist noch nie von einer Studie mit einem JA beantwortet worden. Dennoch werden Eltern lernen: Fünf oder sechs verschiedene, altersgerechte Spielzeuge zur Auswahl sind völlig ausreichend. Das verhindert Reizüberflutung beim Kind. Platziere die Spielsachen so, dass dein Kind leicht selbst drankommt und auf den ersten Blick sieht, was zum Spielen zur Verfügung steht. Am besten eignen sich dafür kleine Körbe oder ein offenes Regal. Hast du viel Spielzeug zur Auswahl, tausche es regelmäßig in den Körben oder im Regal aus – dann wird die Holzeisenbahn, die noch vor Monaten nicht mehr bespielt wurde, plötzlich wieder ganz spannend für eine Weile.

4. Ja, dein Kind kann das schon!

Manche Eltern sind übervorsichtig mit ihrem Kind. Klar, sie haben Angst, dass ihm etwas passiert. Verständlich, aber: In der Erziehung nach Montessori spielt es eben eine große Rolle, den Kindern viel zuzutrauen – die Folge: Sie werden selbständiger und lernen Selbstvertrauen.  Darum gilt: Gib deinem Kind ruhig ein echtes Glas zum Trinken anstelle eines Plastikbechers und einen hübschen Porzellanbecher statt eines Plastiktellerchens, das schnell verkratzt und nicht nachhaltig ist. Zeig deinen Kind, wie man das Geschirr richtig hält und wieder hinstellt. Du wirst sehen: Es wird nicht oft etwas kaputtgehen. Gleiches gilt für das Benutzen von kindgerechten Scheren (geht schon mit 2 Jahren!) oder einem Sparschäler zum Karottenschäler: Trau es ihm zu!

5. Ermögliche Naturerlebnisse für Montessori im Alltag

In der Montessori-Pädagogik gilt: Das Kind soll die Umwelt und die Natur aus der Nähe und mit allen Sinnen beobachten und erkunden können. Darum: Geh mit deinem Kind nach draußen, sammelt, entdeckt und bewegt euch gemeinsam. Aus dem Sammelmaterial lässt sich zuhause bestimmt etwas Schönes basteln. Vielleicht hat dein Liebling schon eine Idee?

6. Spielen mit Dingen aus der Umwelt

Vielleicht kennst du aus Kindergärten spezielle Montessori-Gegenstände, die in einer sogenannten „vorbereiteten Umgebung“ eingesetzt werden. Doch für den Alltag im Sinne der Montessori-Pädagogik geht es auch einfacher: Du kannst normale Haushaltsgegenstände für dein Kind vorbereiten, um es Erkundungen machen zu lassen. Das „Schütten“ etwa ist sehr beliebt schon bei Kleinstkindern, also das Umfüllen von ungekochten Bohnen, Reis, Kastanien o.ä. von einer großen Schüssel in die andere. Sei vorbereitet, dass die eine Handvoll Reis oder Bohne in der Küche herumfliegen wird. Aber genauso überrascht wirst du sein, wie sorgsam und konzentriert schon ein 18 Monate altes Kind das Material von einer Schüssel in die andere leeren wird.

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