Janina Lebiszczak

So beflügelst du deine Wünsche in den Rauhnächten

Die nahenden Rauhnächte gelten als Zeit der Stille und der Selbstreflexion: der ideale Zeitpunkt, um sich mit dem Thema Räuchern und Rituale zu beschäftigen.
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Bild: Nikki Harris

Baumharze, Kampfer, Blumen, Blätter, Samen, Kräuter von Salbei bis Wacholder: Das Räuchern – vor allem als Reinigungs- und Abwehrritual, aber auch zur Beflügelung der eigenen Wünsche – erfährt seit einigen Jahren einen wohlduftenden Boom. Vor allem rund um die mystischen Rauhnächte ranken sich viele geheimnisvolle Geschichten – jetzt wird abgeräuchert, was das Zeug hält.

Zwölf sind es an der Zahl, vier dieser Nächte haben besondere Bedeutung:

  • die Nacht der Wintersonnenwende
  • der Heilige Abend,
  • die Silvesternacht und
  • die Dreikönigsnacht

Doch da, wo viel Boom, da auch viel Schatten – um beim Räuchern alles richtig zu machen, haben wir eine Expertin dazu befragt: Sigrid Csurda-Steinwender ist Innenarchitektin, Inhaberin von „Himmel und Erde“ und Autorin des Buches „Räuchern, Raunacht, Rituale – aufgeräumt und befreit durch das Jahr“. Sie weiß, wie uns das rauchige Ritual dabei helfen kann, auf persönlicher und emotionaler Ebene zu wachsen und uns zu entfalten.

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Expertin Sigrid Csurda-Steinwender

WAS KÖNNEN SIE UNS ÜBER DIE RAUHNÄCHTE VERRATEN?
Es ist schon eine sehr mystische Zeit des Jahres, in die sie fallen. Basierend auf alten Traditionen, die weit in die vorchristliche Zeit zurückreichen, ergeben sich die Rauhnächte aus den unterschiedlichen Läufen der Sonne und des Mondes: Unsere Vorfahren haben sich aufgrund des Fehlens wissenschaftlicher Messmethoden und Erkenntnisse anhand der Naturbeobachtungen orientiert und gewannen daraus ihre Erkenntnisse.

Aus der Differenz des Sonnen- und des Mondkalenders ergeben sich 12 Tage und 12 Nächte, in die die Rauhnächte fallen.

Aus der Differenz des Sonnen- und des Mondkalenders ergeben sich 12 Tage und 12 Nächte, in die die Rauhnächte fallen. Dies wird auch als Zeit zwischen den Zeiten beschrieben, in der schon unsere keltisch-heidnischen Vorfahren besondere Achtsamkeit walten ließen. Alle Arbeit im Außen war zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen, und es begann die Zeit der Ruhe und Einkehr, die Zeit der Stille.

Es begann die Zeit der Ruhe und Einkehr, die Zeit der Stille.

Dies ist auch für heute noch gültig. Die Rauhnächte mögen als Zeit der Ruhe und Einkehr verstanden und gelebt werden. Es gilt dabei, sich dem eigenen Sein und dem eigenen Zuhause, der eigenen Familie zuzuwenden. So kann diese Zeit auch heute in der modernen Zeit zur Selbstreflexion genutzt werden. Was passt für mich, was gilt es zu ändern oder anzupassen? Es ist die Möglichkeit, die Weichen für das neue Jahr zu stellen.

WIE UNTERSCHEIDEN SICH DIE RAUHNÄCHTE?
Die einzelnen Rauhnächte unterscheiden sich in ihrem grundlegenden Energieschema und ihrem Grundthema.

  • Erste Rauhnacht: weibliche Kraft
  • Zweite Rauhnacht: Gemeinschaft und Miteinander
  • Dritte Rauhnacht: persönliches Wachstum
  • Vierte Rauhnacht: Unschuld, aber auch Abschied und Heimat
  • Fünfte Rauhnacht: Richtungs- und Perspektivwechsel
  • Sechste Rauhnacht: Beenden von offenen Punkten und Umkehr
  • Siebente Rauhnacht: Nichtstun, Ruhe und Entschleunigung genießen, Langsamkeit erleben
  • Achte Rauhnacht: Ausdruck des eigenen Wollens.
  • Neunte Rauhnacht: persönliche Schattenseiten
  • Zehnte Rauhnacht: Dankbarkeit
  • Elfte Rauhnacht: Blick hinter die Schleier des Offensichtlichen, besonders mystische Grundstimmung
  • Zwölfte Rauhnacht: Wandlung und den Ausblick auf das Neue
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Bild: Nikki Harris

UND WANN RÄUCHERE ICH MIT WELCHER WARE?
Beim Räuchern geht es stark um die Intuition und das Hören auf die eigene innere Stimme. Legt beim Kauf des Räucherwerk vor allem Wert auf gute Qualität und vermeidet synthetische Inhaltsstoffe.

Beim Räuchern geht es stark um die Intuition und das Hören auf die eigene innere Stimme.

Räucherstäbchen eignen sich zum rituellen Räuchern nur bedingt, sie dienen eher zur Raumbeduftung. Wenn es um rituelles Räuchern geht, eigenen sich Räucherwerke oder Räuchermischungen aus Harzen, Blättern, Samen, Hölzern und so weiter (z.B von Servus am Marktplatz). Für welches Räucherwerk ihr euch dann aber entscheidet, das sagt das Bauchgefühl.

AUF WAS SOLLTE MAN BEI DER GRUNDAUSSTATTUNG ACHTEN?
Erstmal benötigt man Kohle: Diese ist in gepressten Tabs erhältlich, die sich leicht entzünden lassen. Zusätzlich ein Gefäß, in welches die Kohle gelegt wird, entweder aus Metall oder aus Keramik, auf jeden Fall feuerfest. Man kann auch zusätzlich Räuchersand verwenden, den man ins Räuchergefäß füllt, um die Ausbreitung der Hitze zu reduzieren.

Wenn die Kohle durchgeglüht ist, wird das Räucherwerk aufgelegt. Am besten bereitet man sich noch ein Werkzeug wie einen Löffel vor, um das Räucherwerk von der Kohle zu schieben, sobald es unangenehm zu riechen beginnt. Das ist der Fall, sobald die ätherischen Öle verduftet sind und die Zellulosefasern der Pflanzenteile zu brennen beginnen.

Wichtig ist es auch, dass man wirklich ungestört ist – ohne Ablenkungen von Handy und dergleichen.

Wichtig ist es auch, dass man wirklich ungestört ist – ohne Ablenkungen von Handy, Haustieren, alltäglichen Pflichten und dergleichen. Denn Räuchern ist ein Ritual – eine besondere Handlung außerhalb des Rahmens des Alltäglichen.

KANN MAN SEIN RÄUCHERWERK AUCH SELBER SAMMELN?
Klar, auf Spaziergängen durch die Natur oder den Wald. Es eignen sich dazu Harze von Nadelbäumen, auch Blüten wie Lavendel, Rosenblätter, etc. können leicht selbst gesammelt und getrocknet werden.

Nur bitte keine giftigen Pflanzenteile – wie etwa von der Eibe – verwenden!

Vielleicht wächst im Garten oder auf dem Fensterbrett auch der gern verwendete Salbei, den man zum Räuchern trocknen kann. Nur bitte keine giftigen Pflanzenteile – wie etwa von der Eibe – verwenden und besonders achtsam sein, wenn man mit Feuer hantiert.

KANN JEDER MENSCH RÄUCHERN?
Neben den beschriebenen Räucherwerken und den Utensilien braucht es vor allem Offenheit, Neugier, Freude und ein gewisses Maß an Vertrauen, zu welchem Ergebnis dieses Ritual führen mag. Von vornherein die Absicht – ich will, ich brauche, ich muss – allzu streng zu definieren, wird sicher nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen.

Ein offenes Herz führt in dieser Hinsicht gewiss weiter als der bewertende Verstand.

Es gibt kein Richtig und Falsch, wenn man auf die innere Stimme hört. Ein offenes Herz führt in dieser Hinsicht gewiss weiter als der bewertende Verstand. Sind diese Voraussetzungen gegeben, dann ja – jeder kann räuchern!

WAS BRAUCHT ES FÜR EIN GELUNGENES RÄUCHERRITUAL?
Ein Ritual hat einen definierten Anfang und ein definiertes Ende. Um dies zu gestalten, kann man sich in der Mitte seines Zuhauses, also im Herzen quasi, ein schön und liebevoll gestaltetes Zentrum errichten, mit ein paar Blumen, dem Räucherwerk oder einer Kerze in der Mitte. Wenn man etwaige Störungen ausschließen kann und ausreichend Zeit zur Verfügung hat, wird das Räucherritual eröffnet.

Ein Ritual hat einen definierten Anfang und ein definiertes Ende.

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Sigrid Csurda-Steinwender ist Autorin des Buches „Räuchern, Raunacht, Rituale“ (Bild: Nikki Harris)

Was dann alles passiert, ist etwas zu komplex für einen kurzen Abriss hier, aber es gibt dazu ausreichend Literatur und viele Kurse, die gerade in dieser Zeit des Jahres angeboten werden.

WARUM ERLEBT RÄUCHERN WIEDER SO EINEN BOOM?
Ich glaube, es ist die Sehnsucht nach der Stille, die Sehnsucht nach der Einfachheit, nach dem Präsentsein im Moment: Das Räuchern als Ritual fokussiert uns, genauso wie ein Lagerfeuer auf andere Art und Weise fokussiert, zentriert und verbindet.

Das Räuchern als Ritual fokussiert uns.

Auch glaube ich, dass in der Schnelllebigkeit des Alltags und der heute auf Schritt und Tritt spürbaren Hektik die Rückbesinnung auf alte Traditionen und Rituale uns Halt geben kann. Räuchern als Ritual bringt uns vom Gestern und dem Morgen zurück ins Jetzt und ins Sein. Das macht uns gewissermaßen lebendig.

WARUM SIND SIE PERSÖNLICH DAVON SO BEGEISTERT?
Als Architektin und Geomantin beschäftige ich mich seit mehr als 15 Jahren intensiv mit dem Thema, wie Räume zu Orten der Kraft gestaltet werden können. In der Geomantie wird die feinstoffliche Ebene der Natur und der Räume, in denen wir wohnen, arbeiten und leben, berücksichtigt. Ich habe sehr viele positive Erfahrungen gesammelt, die für mich jenseits der Beweisbarkeit auf naturwissenschaftlicher Ebene die Kraft des Räucherns und der Rituale zeigen. Vieles lässt sich nicht rational erklären, aber die erzielten Erfolge liefern für mich die Beweise auf empirischer Ebene.

Mein persönliches Highlight: Ein Ehepaar versuchte seit Jahren vergeblich, seine wunderschöne Dachgeschosswohnung zu verkaufen. So wurde ich als „letzter Ausweg“ für ein Reinigungsritual engagiert. Gegen Ende dieses Rituals begann das Festnetztelefon der Eigentümerin zu läuten. Nachdem sich diese Störung nicht ausschalten ließ, nahm die Dame den Anruf entgegen, währenddessen ich das Räucherritual zu Ende führte. Es war jemand dran, der die Wohnung kaufen wollte, wenige Tage später war der Deal abgeschlossen. Wie so etwas funktioniert, ist unerklärlich und erstaunt mich selbst immer wieder.

Beim Räuchern handelt es sich um ein kraftvolles Werkzeug.

Ich achte diese alte und traditionelle Methode sehr, da es sich hierbei wirklich um ein kraftvolles Werkzeug handelt, das sich auch für die heutige Zeit, die heutigen Anforderungen der Menschen wunderbar einsetzen lässt.

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