Melanie Pignitter

4 Strategien, um Selbstliebe zu lernen

Viele von uns kennen diese quälenden Gedanken, die an unserem Selbstvertrauen nagen. Melanie Pignitter erzählt von ihren eigenen Erfahrungen und zeigt Wege, wie man das Selbstwertgefühl stärkt.
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Bild: Cerys Lowe/Unsplash

Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, hat viele Gesichter. Einige davon können so aussehen:

  • Wir sind hart zu uns selbst, ständig kritisch und manchmal sogar brutal.
  • Wir sind unsicher, weil wir vermuten, alle anderen wissen mehr als wir, sind selbstbewusster oder zumindest liebenswerter.
  • Wir glauben, im Leben sehr oft Glück gehabt zu haben, und befürchten, dass bald schon jemand hinter unsere Fassade blicken wird. Denn dort verstecken sich all unsere Makel.
  • Wir sind unzufrieden mit unserem Körper, weil uns der Vergleich mit anderen glauben lässt, dass er viel zu viele Fehler aufweist.
  • Wir sind perfektionistisch, in der Hoffnung, dass auf diese Weise niemand unser inneres Chaos und diesen ständigen Gedanken der Unzulänglichkeit entdecken wird.

Viele von uns kennen derartige Gedanken und die daraus folgenden Gefühle, die uns klein und besonders verletzlich machen. Sind sie erst mal da, beginnen sie konsequent an unserem Selbstwertgefühl zu nagen.

Ich habe gelernt, mich zu respektieren und zu lieben, auch wenn ich Fehler mache und nicht perfekt bin.

Ich habe heute vier Praxistipps mitgebracht, die sich bei mir bewährt haben. Sie haben mir dabei geholfen, den Gedanken, nicht gut genug zu sein, zu durchbrechen, und ich habe dadurch gelernt, mich zu respektieren und zu lieben, auch wenn ich Fehler machte oder nicht perfekt war.

1. Komplimente annehmen lernen

Bei manchen Menschen ist das Gefühl, nicht gut genug zu sein, so stark ausgeprägt, dass sie Anerkennung nicht annehmen können.

Ich konnte Komplimente nicht annehmen, weil ich sie selbst nicht für wahr hielt.

Wenn ihnen jemand ein Kompliment macht, winken sie übertrieben mit den Händen ab, um gleich darauf einen Grund zu nennen, warum sie die Worte der Anerkennung eigentlich nicht verdienen.

Auch ich gehörte lange Zeit dieser Fraktion der Komplimente-Abwehrer an. Heute weiß ich, dass meine Reaktion ein Abbild meiner damaligen Überzeugungen war. Ich konnte Komplimente nicht annehmen, weil ich sie selbst nicht für wahr hielt.

Als ich das herausfand, beschloss ich zu lernen, wie man Komplimente ganz bewusst annimmt, und zwar auch dann, wenn man selbst noch nicht von ihrem Inhalt überzeugt ist. Ich wusste, dass ich meinem Unterbewusstsein dadurch signalisierte, dass ich die anerkennenden Worte verdient habe. Und genau das wollte ich, denn wenn unser Unterbewusstsein davon überzeugt ist, dass wir wertvoll sind, dann stellt sich bald ein wohlig-warmes Gefühl ein, fernab der zuvor dagewesenen Minderwertigkeitsgefühle.

Wenn unser Unterbewusstsein davon überzeugt ist, dass wir wertvoll sind, stellt sich bald ein wohlig-warmes Gefühl ein.

Um einen besonders starken Effekt zu generieren, führte ich schließlich auch noch ein Komplimente-Tagebuch. Alles, was man schriftlich festhält, speichert sich noch schneller in unserem Unterbewusstsein ab.

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Bild: Olia Nayda/Unsplash

2. Einfach mal machen

Wenn einen das Gefühl, nicht gut genug zu sein, begleitet, so ist meist der Drang zum Perfektionismus nicht weit. Dahinter steckt der Glaube, dass wir nur dann, wenn wir perfekte Ergebnisse erzielen, unsere fehlenden Qualitäten verbergen können.

Einfach mal machen, statt alles zu perfektionieren!

Dieses Muster durchbricht man am besten, indem man handelt. Einfach mal machen, statt alles zu perfektionieren! Das fördert einerseits die persönliche Weiterentwicklung, und andererseits stellt sich dabei fast immer heraus, dass die eigenen Taten auch ohne vielfache Kontrollschleifen gut genug sind! Zuerst kostet das Mut und Überwindung, aber dann, so war es zumindest bei mir, macht sich ein unheimlich befreiendes Gefühl und eine große Portion Stolz breit.

3. Vergleiche mit anderen vermeiden

Oftmals ist es der Vergleich mit anderen, der uns suggeriert, dass wir nicht gut genug sind. Meist aber handelt es sich dabei um faule Vergleiche.

Wir fühlen uns nicht schön, intelligent, wichtig oder liebenswert genug, weil wir uns lediglich in einer Disziplin vergleichen, noch dazu meist in jener, in der wir nicht so gut abschneiden. Zudem vergleichen wir uns auch noch mit all jenen, die in diesen Bereichen besonders gut abschneiden, zum Beispiel mit Models, TV-Stars, Supermamis oder anderen Multitalenten. Kein Wunder, dass wir dann sehr rasch denken, wir seien nicht gut genug.

Wir fühlen uns nicht schön, intelligent, wichtig oder liebenswert genug, weil wir uns lediglich in einer Disziplin vergleichen.

Solche Vergleiche versuche ich bewusst zu vermeiden. Kann ich es aber dennoch einmal nicht lassen, einen Vergleichswert heranzuziehen, so greife ich auf mein früheres Ich zurück. Ich schaue mir dann an, was ich heute besser kann als früher oder in welchen Bereichen ich persönlich gewachsen bin. Das wiederum schadet meinem Selbstwertgefühl nicht, sondern nährt es sogar.

4. Liebe ist der beste Beweis

Und wenn das Gefühl der Unzulänglichkeit mich in einem ganz schwachen Moment erwischt, dann greife ich auf die Liebe zurück.

Ich denke an all jene Menschen, die mich mit all meinen Fehlern, Schwächen und Eigenheiten lieben und schätzen.

„Glaubst du wirklich, die täuschen sich alle?“, flüstere ich mir selbst zu, während sich dann meist ein entspanntes Lächeln auf meine Lippen legt. „Nein, das glaube ich nicht – die können sich doch nicht alle irren …

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