Waltraud Hable

„Künftig halte ich mich an Frauen. Die sind einfacher als Travel Buddies“

Auf ihrer Weltreise ist Travel-Autorin Waltraud auf der Suche nach Reise-Buddies. Ihr Fazit: Sie hält sich dabei lieber an Frauen.
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Bild: Waltraud Hable

Wir müssen über Reisebekanntschaften reden. Und wahrscheinlich auch über Männer. Warum? Weil ich diesbezüglich gerade ein bisschen ratlos bin. Wie lange halten On-the-road-Kontakte? Was ist ihr Ablaufdatum?

Wir müssen über Reisebekanntschaften reden.

Die Geschichte ist folgende: Unterwegs habe ich versucht, alte Bekannte zu reaktivieren. Filipe, João und Samuel. Diese drei Herren lernte ich auf meiner ersten Weltreise kennen, jeweils über die Dating-App Tinder. Und bevor mir jemand Nymphomanie oder Ähnliches attestiert: Tinder ist für mich weniger zum Finden von Mr. Right da (dafür braucht es mehr als ein paar Rechts- und Linkswischer). Es hilft mir beim Rekrutieren von Gratis-Reiseführern und netten Menschen, mit denen ich auf ein Glas Wein gehen und übers Leben sinnieren kann.

Es hilft mir beim Rekrutieren von Gratis-Reiseführern und netten Menschen, mit denen ich auf ein Glas Wein gehen und übers Leben sinnieren kann.

Nachdem ich nicht in Jugendherbergen absteige und das biblische Reisealter von Ü-40 erreicht habe, ist die App eine vernünftige und notwendige Quelle, um gleichaltrige Menschen zu treffen. Und ja, Männer sind auch nur Menschen, und nicht die schlechtesten.

„Künftig halte ich mich an Frauen. Die sind einfacher als Travel Buddies“

Und ja, Männer sind auch nur Menschen, und nicht die schlechtesten.

Jedenfalls: Mit Filipe trank ich bei meinem damaligen Stopp in Lissabon eine Bar leer. Es war mein Geburtstag, und irgendwie schien es passend, nicht bei einer Flasche Wein mit dem Feiern aufzuhören. Ein paar Tage später lernte ich João kennen. Zwischen uns beiden war mehr Chemie. Wir kletterten auf einen Baum, wo wir uns stundenlang über alles und nichts unterhielten, am Ende knutschten wir rum und verbrachten ein paar wunderbare Tage miteinander. Und mit Samuel, einem Brasilianer, ging ich in Rio de Janeiro dreimal Mittag essen. Die Gespräche waren rein beruflicher Natur, aber immer nett.

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Waltraud in Lissabon (Bild: Waltraud Hable)

Am Ende knutschten wir rum und verbrachten ein paar wunderbare Tage miteinander.

Mit allen dreien habe ich seitdem Kontakt gehalten. Geburtswünsche auf Social Media, hin und wieder ein freundliches: „Hey, wie geht es dir? Wir sollten uns unbedingt mal wieder treffen.“

Bei meinem Zwischenstopp in Lissabon habe ich also entsprechende Nachrichten an Filipe und João ausgesandt: „Bin drei Tage in der Stadt. Zeit für einen Drink? Bin gespannt, was sich bei dir so getan hat.“ Alles harmlos, ohne Hintergedanken. Von João weiß ich sogar, dass er mittlerweile glücklich mit einer Schauspielerin zusammen ist.

Erstmal kam … nichts.

Erstmal kam … nichts. Nur die Bestätigung, dass beide die Nachricht gelesen hatten. Hmmm.

Nach ein paar Stunden schrieb schließlich João: „Waltraud, so schön von dir zu hören! Will alles wissen, so ein Treffen ist längst überfällig. Ich bin morgen wieder in Lissabon und melde mich. Liebe Grüße einstweilen aus Paris.“ Von Filipe: Funkstille. Auch gut.

Die Vorfreude, mit João Wein zu trinken, war groß – in Lissabon ist der vinho tinto gut und billig, außerdem gibt es an jeder Ecke Lokale, in denen man nicht alleine sitzen will. Ich wartete. Und wartete. Doch nichts. João blieb digital verschollen. Er meldete sich nicht mehr. Und ich war am Ende zu stolz, um nachzuhaken, ob er vom Bus überfahren oder sonst wie verhindert wäre, zumal er sich auf Facebook mit Dauer-Posterei gesund und munter präsentierte. Von Filipe kam drei Stunden vor meiner Weiterreise: „Hey, war in Paris. Schaffe es leider nicht.

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I just call to say I love you. (Bild: Waltraud Hable)

Ich wartete. Und wartete.

Hatten sich die beiden abgesprochen? Beide Portugiesen in Paris?! Ernsthaft?! Ich war irritiert. Und wenn ich ehrlich bin, war ich auch ein klitzeklein wenig beleidigt. Dann rückte ich mein Krönchen und mein Ego zurecht und hoffte auf Brasilien. Dort, die nächste Klatsche: Samuel schrieb, er sei krank, er wolle sich aber verlässlich melden, sobald er wieder fit sei. Ich wünschte ihm gute Besserung und warte seitdem. Schweigen im Wald. Keine weitere Nachricht.

Ernsthaft?! Ich war irritiert.

Keine Sorge, ich höre schon auf damit, mich zu beschweren. Ich meine, was hatte ich erwartet? Mir ist klar, dass aus Begegnungen, die man unterwegs macht, selten tief gehende Freundschaften werden. In Freundschaften muss man Zeit investieren, das braucht mehr als ein paar Glückwunschbekundungen bei Social Media. Aber ich hatte mir zumindest Interesse an einem Wiedersehen erhofft. Allein schon der menschlichen Neugierde wegen: Wie ist es dem anderen ergangen? Wie sieht er jetzt aus? Hat er seine Wünsche/Träume/Ziele erreicht?

Ich hatte mir zumindest Interesse an einem Wiedersehen erhofft.

Interessanterweise scheint das mit Frauen einfacher. Ich erinnere mich etwa an Diane, eine Korea-Kanadierin aus Singapur (ja, so was gibt’s), die ich auf einer Reise durch Indonesien kennengelernt hatte. Obwohl wir uns nur fünf Tage kannten und uns vielleicht dreimal via Facebook gehört hatten, zögerte ich keine Sekunde, sie zu treffen, als sie mich nach sieben Jahren kontaktierte und meinte: „Hey, ich bin Wien. Lust auf ein Treffen?“ Als sie wiederum hörte, dass ich wieder auf Reisen bin, bot sie mir ihre Wohnung im US-amerikanischen Kansas an. Einfach so. Oder Ellie! Wir lernten uns in Vietnam kennen und dann, in ihrer Heimat Korea war, führte sie mich zum Brunch aus und zeigte mir ihre Stadt.

Interessanterweise scheint das mit Frauen einfacher.

Sind es also vielleicht nur die männlichen Reisebekanntschaften, die schwierig sind? Ich rechne es Filipe, João und Samuel an, auf meine erste Nachricht reagiert zu haben. Aber dann in Vogel-Strauß-Manier abzutauchen … nun ja, das ergibt irgendwie keinen Sinn. Warum dann überhaupt beim ersten Mal antworten? Dann lass ich das mit der Kommunikation doch gleich ganz bleiben, das wär irgendwie die logischere Geschichte.

In Vogel-Strauß-Manier abzutauchen … nun ja, das ergibt irgendwie keinen Sinn. Warum dann überhaupt beim ersten Mal antworten?

Doch die Methode „nett sein, was ausmachen und dann verschwinden“ scheint verbreitet. Hier in Rio habe ich etwa einen weltreisenden Amerikaner kennengelernt. Wir verbrachten einen tollen Abend mit guten Gesprächen miteinander, Location und Adresse für das nächste Treffen waren schon ausgetauscht. Und dann … nichts. Konsequentes Ghosting seinerseits.

7292Symboldbild Rio so sehe ich aus wie bestellt und nicht abeholt
Rio. (Bild: Waltraud Hable)

Und am Ende blieb ich verwirrt zurück mit der Frage: „Liegt’s an mir? Oder an ihm?“ Wahrscheinlich an beiden. Aber wie sagt eine Freundin so schön? „Nicht ärgern, nur wundern.

Künftig halte ich mich an Frauen. Die sind einfacher als Travel Buddies.

Letzteres hinterlässt zumindest kein Magengeschwür, und künftig halte ich mich an Frauen. Die sind einfacher als Travel Buddies. Und verlässlicher. Das mag keine allgemein gültige Wahrheit sein. Aber sie stimmt zumindest jetzt für mich. Und sollte ich jemals einen Sohn gebären oder adoptieren (was in meinem Alter realistischer ist), dann wird das mit der zwischenmenschlichen Kommunikation ein ganz großes Erziehungsthema. Soll noch einmal einer sagen, Reisen bringe nichts. Weiter: Waltraud entdeckt ihre Weiblichkeit beim Sambatanzen in Rio (oder versucht es zumindest.)

Über Waltrauds Reisen
Was passiert, wenn man seinen Job kündigt, dem Fernweh nachgibt und sich einfach mal die Welt anschaut? Waltraud Hable (40) schreibt über große und kleine Weisheiten, die sie am Wegesrand findet. In der unten stehenden Karte siehst du die Stationen ihrer Weltreise. Durch Klick auf die gelben Symbole erhältst du den Link zu dem jeweiligen Blogeintrag. Oder hier beim ersten Reiseblog starten.

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