Melanie Pignitter

Vergleichen macht unglücklich – was du stattdessen tun kannst

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Heuer feiere ich mein 15-jähriges fernsehfreies Jubiläum. Bei mir im Haushalt gibt es kein TV-Gerät. Und obwohl mir die Flimmerkiste so gar nicht abgeht, packt mich immer dann, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, die Neugier. Erst kürzlich war es wieder so weit: Ich ließ mich auf die bequeme Couch im Elternhaus sinken und zappte durchs Programm. 

Ich war regelrecht erschrocken darüber, was mir zwischen den Handlungssträngen der einzelnen Sendungen präsentiert wurde.

Perfektion, so weit das Auge reicht. Sofort überkam mich ein ähnliches Gefühl, wie es sich manchmal beim Scrollen auf Instagram breitmacht. „Mache ich etwas falsch?“, fragte meine innere Stimme nach diesem intensiven TV-Abend. 

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Bild: Jeremy Bishop/Unsplash

Glücklicherweise bemerkt der bewusste Teil in mir sofort, was hier abging, und stoppte die sabotierenden Gedanken, die gerade dabei waren, mich mit den perfekten Werbegestalten zu vergleichen. Ich nahm stattdessen ein Buch zur Hand und dachte kurz vor dem Einschlafen noch an drei Dinge, die mich dankbar und glücklich stimmen.

Vergleiche – dabei steige ich schlecht aus

Wenn ich mich nach so einem Fernsehabend wieder von den Medien und anderen Vergleichsmöglichkeiten distanziere, wird mir bewusst, dass fast jede Art des Vergleichens ein Angriff auf meinen Selbstwert und meine Zufriedenheit ist. Denn durch das Vergleichen entsteht ein gedanklicher Wettkampf. Niemand möchte ein Verlierer sein – also probieren wir mit aller Gewalt schöner, besser und erfolgreicher zu werden.

Aber ist das schlimm? Ist ein gesunder Ehrgeiz nicht sogar der Schlüssel zum Erfolg? Ich meine ja. Und nein zugleich.

Disziplin und Zielstrebigkeit sind wichtig. Faire Vergleichswerte können uns anspornen. Häufig aber vergleichen wir uns nicht fair, was zu Frustration und in der Folge zu einem geschwächten Selbstwert führt.

Gründe, warum Vergleiche nicht funktionieren

  1. Jeder von uns ist einzigartig. Unsere Art zu sprechen, zu denken, uns zu bewegen, zu handeln sowie auch unser Aussehen sind auf dieser Welt einzigartig. Wenn wir versuchen, uns mit anderen und deren Aussehen, Leistungen oder Erfolgen zu vergleichen, scheitern wir in den meisten Fällen. Wir sind Unikate – niemand würde auf die Idee kommen, Kunstwerke miteinander zu vergleichen
  2. Faule Vergleiche. Ein erfolgreicher Unternehmer vergleicht sich gerne mit dem Marktführer – nicht aber mit seinem Nachbarn, dessen Firma wesentlich weniger Ertrag bringt ist als seine eigene. Die Mutter von zwei Kinder vergleicht sich gerne mit der Nachbarin, die trotz drei Kids top in Form ist, niemals ausrastet und immer liebevoll ist. Sie vergleicht sich aber nicht mit der Mutter, die einen 30-Stunden-Job hat, die mangels Zeit niemals Make-up trägt, oft Fertiggerichte vorsetzt und deren Figur verrät, dass sie so gut wie keinen Sport treibt. Kein Wunder also, dass wir beim Vergleichen meist schlecht aussteigen.
  3. Wer sich ständig vergleicht, wird schnell zum Perfektionisten. Das weiß ich selber aus eigener leidvoller Erfahrung. Mittlerweile finde ich Perfektion alles andere als erstrebenswert. Abgesehen davon, dass „perfekt sein“ nicht sonderlich sympathisch macht, führt es häufig dazu, dass wir unsere Ziele und Träume nicht verwirklichen. Warum das? Perfektionisten suchen sowohl für Aufgaben, aber auch im Privatleben die perfekte Lösung. Weil diese nur schwer oder gar nicht zu finden ist, verstreicht die Zeit, und am Ende ihrer Tage sagen diese Menschen dann oft: „Ach hätte ich doch damals… Wäre ich doch bloß …“ usw. Daher: lieber machen statt perfektionieren!

Stolz sein statt vergleichen – stärke deinen Selbstwert

Kurzum: Vergleiche sabotieren unseren Selbstwert. Eine Ausnahme bildet der folgende Vergleich, der für das persönliche Wachstum sogar hilfreich sein kann: Wenn wir unser früheres Ich dem heutigen Ich gegenüberstellen und unseren Fokus dabei auf die Fortschritte ausrichten, so entdecken wir meist jede Menge Gründe, um stolz auf uns zu sein. Folgende Fragen können hilfreich sein:

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Bild: Kelly Sikkema/Unsplash
  • Was hast du bisher alles erreicht?
  • Was kannst und weißt du heute – im Gegensatz zu früher?
  • Welche Erfahrungen haben dich stärker, reifer oder weiser gemacht?
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Bild: Emma Matthews/Unsplash

Vertrauen wir also doch lieber auf unsere Individualität: Es gibt Autoren, deren Rechtschreibung äußerst mies ist, Künstler ohne jegliche Ausbildung, Models mit Lücken zwischen den Zähnen, Moderatoren, die nicht akzentfrei sprechen, und Köche, die keine Ahnung von Großmutters Grundrezepten haben. Und dennoch sind viele dieser Menschen erfolgreich. Oftmals gerade wegen ihrer scheinbaren Macken. Eines ist sicher: Wir sind alle unbezahlbare Unikate.

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