Mareike Steger

Was bringt Lachyoga?

Ho-ho-hahaha: Von der Überwindung der inneren Schamgrenze, von Luftballon-Smileys und der liebevollen Überlistung unseres Körpers. Lachyoga – eine Selbsterfahrung.
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von Mareike Steger

Lachyoga und ich – das passt zusammen wie Tennissocken und High Heels. Auch wenn meine Freundinnen von der asiatischen Körperverrenkung schwärmen: Yoga taugt mir nicht. Und in Sachen Lachen? Da gelte ich weder als Ulknudel noch als Entertainer. Lachen auf Befehl? Ich bin skeptisch. 

Ankunft in einem Seminarraum in Salzburg. Mit Trainerin Maria sind wir zu neunt. Maria, eine Mittfünfzigerin mit offenem Gesicht, ist mir sympathisch. Angst macht sie mir trotzdem: „Es kann jetzt anstrengend werden.“ Weil das Lachen Muskeln (womöglich ungenutzte) in Bauch und Gesicht aktiviert. Maria klatscht auch gleich rhythmisch und formuliert unser Mantra: „Ho-ho-hahaha“. 

„Gar nicht lustig“, kontert mein Hirn. Doch witzig soll es auch nicht sein, sondern uns aufwärmen und Hemmungen abbauen. Zudem stimuliert Klatschen die Akupressurpunkte unserer Handflächen. Ich gähne verstohlen.

In Mumbai, sagt Maria, sei Lachyoga Mitte der 1990er erfunden worden. Madan Kataria, ein Arzt, erzählte seinen Patienten Witze. Sie lachten, fühlten sich besser. Daraus entwickelte Katarias Frau, Yogalehrerin, Atem-, Dehn-, Klatsch- und Bewegungsübungen. Ihr Mann verpasste dem Ganzen das Etikett Lachyoga.

Die wichtigste Regel: Sei kindisch! 

Gar nicht so einfach, das Kind in sich herauszukitzeln. Ein Unwohlschauer läuft über meinen Rücken, als wir uns tanzend Luftballons mit aufgemalten Smileys zuspielen sollen. Mei – wie gewollt! Doch dann überschreite ich meine Schamgrenze und tanze Katrin an. Die ist noch gehemmter als ich und versucht sich unsichtbar zu machen. Ich ihr nach, halte hüpfend den Smiley-Ballon vor mein Gesicht. Meine Lachgeräusche klingen unbeholfen, eher nach „harhar“ als „hahaha“. Doch wie sagt Maria? „Unser Körper unterscheidet nicht zwischen künstlichem und echtem Lachen.“ Also weiter.

Unser Körper unterscheidet nicht zwischen künstlichem und echtem Lachen.

Jetzt schütteln wir einander slapstickartig die Hand. Klopfen uns selbst auf die Schulter und sagen: „Super, yeaaaah.“ Mein Hirn funkt dazwischen: „Was tu ich hier? Urpeinlich!“ Ich watschle wie ein Pinguin auf andere zu, um dann loszuprusten. Hm.

Der Knoten platzt bei der Löwenübung: Wir schreiten brüllend durch den Raum. „Hihi, ich LIEBE peinliche Menschen“, kichert mir mein Hirn plötzlich zu. Das macht Lachyoga: Blickkontakt und Gruppendynamik lassen (echtes) Lachen entstehen, das ansteckt – sogar Katrin ist mittlerweile viel entspannter.

„Wenn ihr jeden Tag zehn Minuten mit euch selbst vor dem Spiegel lacht, ist das ein gutes Gesundheitstraining“, erinnert uns unsere Trainerin daran, dass wir nicht nur zum Spaß da sind. Stimmt, vor lauter Humorsport spüre ich schon meine Bauchmuskeln.

Nächste Übung: „Geht von einem zum anderen und sagt ihm, wie toll er ist. Aber in Kauderwelsch-Sprache.“ Während ich Katrin, Amir oder Georg mit „Otzidotzi- blubibiblubb“ anrede, gestikuliere ich wie wild – das tue ich sonst nie –, Sabine und ich gackern wie Hennen und fallen uns lachend um den schweißnassen Hals.

Aufstellung fürs Schlussspalier. Mein Ich überrascht mich noch einmal: Statt an den anderen vorbeizuschleichen, entscheidet sich mein total gelöstes Hirn für die Variante „Tänzle, juble, lache“. So enthemmt bin ich sonst nie.

Zum Ausklang formieren wir uns auf Matten zum Lachstern. Sofort springt mein Anti-Peinlichkeits-Gedankenkarussell wieder an … Doch dann bekommt Sabine neben mir einen Lachanfall. Wenig später lacht auch Katrin wie befreit los. Dieses Virus steckt an, nun wiehere auch ich mit. Drei Frauen im Liegen prusten, wischen sich Lachtränen aus den Augen und müssen die Beine anziehen, um die Bauchmuskeln zu entspannen.

Fake it, until you make it.

„Fake it, until you make it“ – der Lachyoga-Leitspruch funktioniert: Aus künstlichem Lachen ist echtes geworden.

Mareike Steger ist Journalistin und Autorin in Salzburg. Für carpe diem wagte sie den Lachyoga-Selbstversuch. Einigermaßen widerwillig, zumindest zu Beginn. 

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