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Faszien: So gibst du deinem Körper mehr Halt

Winzig kleine Häutchen übernehmen in unserem Körper eine tragende Rolle: eine innere Rüstung, die uns bindet, formt und irgendwie ganz macht. Um sie zu stärken, müssen wir nicht viel mehr tun, als lockerzulassen.
Faszien
Bild: Sophie Kirchner

Faszien ziehen sich als dreidimensionales Netzwerk von Kopf bis Fuß. Sie ummanteln jeden Muskel, jede Faser, jedes Organ, sie gliedern und verknüpfen zugleich – und tun das auf so einzigartige Weise, dass sie sogar unser Aussehen mitbestimmen. Würden uns theoretisch alle Knochen, Sehnen, Bänder und Organe entfernt werden und nur dieses beeindruckende Geflecht übrigbleiben, wären wir trotzdem noch genau wiederzuerkennen.

Aber Faszien können noch mehr. „Sie sind der Teil unseres Bindegewebes, der unsere Körperhaltung, die Koordination unserer Bewegungsabläufe und den Radius unserer Gelenke beeinflusst. Sie speichern Energie und Wasser, organisieren die Kraftübertragung der Muskeln, transportieren Nährstoffe und Hormone und enthalten jede Menge Bewegungssensoren und Schmerzrezeptoren. Das alles macht sie quasi zu einem zusätzlichen Sinnesorgan“, erklärt Yogalehrerin Eva Jacquemard.

„Im Idealfall gleiten die vielen übereinanderliegenden Schichten geschmeidig aneinander entlang. Bewegungsmangel kann aber dazu führen, dass zu viel Kollagen, das ist eine besondere Form von Eiweiß, produziert wird. Es entstehen Wucherungen, das Gewebe dehnt sich nicht mehr richtig aus, die Faszien verkleben beziehungsweise verfilzen. Dann zieht oder sticht es, und es kommt sogar zu Haltungsschäden.“

Auch Stress oder schlechte Ernährung können solche Blockaden verursachen oder begünstigen. Der beste Weg, sie zu lösen oder ihnen vorzubeugen, ist Bewegung. Jede? „Prinzipiell ja“, sagt die Expertin, „besonders reagieren Faszien aber auf Dehnung, Druck und Drehung. Regelmäßige, langsame, sanfte und lang anhaltende Impulse kurbeln ihre Regeneration an, stärken und straffen sie.“ Eine Praxis, die all das vereint, ist Yin-Yoga.

Hier werden die Positionen im Liegen oder Sitzen mehrere Minuten lang mit möglichst wenig Muskelaktivität gehalten. Das gibt dem System die Zeit, sich zu öffnen, und lenkt den Effekt hin zum tief liegenden Gewebe, um dort mehr Flexibilität zu erlangen. Eva Jacquemard: „Hier geht es nicht darum, sich auszupowern. Das Motto lautet ‚aktiv passiv‘, also gezielt ziellos zu sein. Die Übungen bearbeiten zugleich die sogenannten Meridiane in unserem Körper, die jeweils bestimmten Organen zugeordnet sind.

Das unterstützt einen ungestörten Energiefluss und die Funktion dieser Organe.“Übrigens: Da das fasziale Netzwerk bei jedem Menschen unterschiedlich ist, können auch die Posen unterschiedlich aussehen. Geeignet und physisch machbar sind sie aber für alle.

Darauf solltest du beim Faszien-Training achten

  1. Jeder kann sich mit diesen Übungen Gutes tun, besonders empfehlenswert sind sie aber bei Haltungsbeschwerden, Rückenschmerzen, Muskelkater, Stress oder emotionaler Belastung.
  2. Es geht weniger um die Intensität der Pose als um die Dauer des Haltens – nur so dringt die Übung Schicht für Schicht ins Innere. Beginne mit zwei Minuten und taste dich langsam an fünf Minuten heran. Wer schon Erfahrung hat, kann gerne auch länger bleiben.
  3. Bist du einmal in der Pose angekommen, trachte danach, dich nicht weiterzubewegen, sondern zu verweilen.
  4. Tritt beim Halten einer Position ein stechender Schmerz auf, wird deine Atmung zu schnell oder schläft etwas ein, dann geh weniger tief in die Position oder komm früher aus ihr heraus.
  5. Nimm zwischen den einzelnen Posen eine Neutralisierungshaltung ein, entweder am Rücken oder am Bauch liegend, für etwa eine Minute.
CD Coverfaecher 0621

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