Was Meditation wirklich ist (und was nicht)

Beim Meditieren soll unser Geist zu mehr Gelassenheit und Klarheit gelangen. Wie das ohne Hokuspokus funktioniert, weiß Stille-Experte Victor Liska.
Frau meditiert am Wasser auf einem Holzsteg
Bild: Getty Images

Im Buddhismus wird unser Geist als „Monkey Mind“ bezeichnet. Wie ein Affe von Ast zu Ast springt unser Geist von Gedanke zu Gedanke. Das ist nichts Schlechtes, sondern die Natur unseres Seins. Mit den Gedanken richtig umzugehen, sie in die für einen selbst richtige und wohltuende Richtung zu lenken oder sie ziehen zu lassen, ist die wahre Kunst. Im Grunde handelt es sich beim Meditieren um einfache Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen. Und doch steckt so viel mehr dahinter …

Je mehr ich meditiere, desto klarer wird mein Geist, und es fällt mir immer leichter, die Wunder dieser Welt mit Dankbarkeit zu erkennen.

Victor Liska, Meditationslehrer

Achtsamkeit-Experte Victor Liska über Meditation und ihre Bedeutung

Meditation in der Natur
Victor Liska, Achtsamkeit-Experte
(Bild: privat)

Unser Achtsamkeit-Experte ist durch Zufall auf den Geschmack gekommen. Der Klosterneuburger Victor Liska besuchte 2013 in seinem Fitnessstudio einen Yoga-Kurs. Und Yoga ist bekanntlich bewegte Meditation. „Danach ging es mir auch mental so gut, da gab es kein Zurück mehr. Ich habe verschiedene Studios in Wien und Kapstadt besucht, verschiedene Stile ausprobiert, mehrere Workshops gemacht. Meine Lehrer-Ausbildung habe ich nach langem Sparen mit einem großartigem Lehrer Jai C. Salt und seiner Elemental Yoga School auf Bali, Indonesien, absolviert. Da lernt man, welche Übungen welche Meridiane aktivieren und welchem Element diese zugeordnet sind. Um auch meine Meditationspraxis zu vertiefen, bin ich nach Indien gereist, um einen zehntägigen Kurs zu sitzen. Ja, einen ‚Vipassana‘-Kurs besucht man nicht, man sitzt ihn! Und das zehn Stunden am Tag – um seine Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit zu schulen und seine körperliche und geistige Realität zu erforschen. Diese Erfahrung war eine der besten meines Lebens.“

Mann macht in der Wüste eine Yogaübung
Victor Liska
Bild: privat

Heute besteht Victors aktiver Unterricht aus einer Kombination aus traditionellen Hatha Yoga, Vinyasaflow, Poweryoga, Meditation, Meridianarbeit, Qi Gong, Yin- und Gravity Yoga. Und was gibt ihm Meditation dabei immer noch? „Ich habe gelernt, meine Gedanken und meinen Körper besser wahrzunehmen und daher mein Leben in die für mich richtige Richtung zu lenken. Je mehr ich Yoga praktiziere und meditiere, desto klarer wird mein Geist, und es fällt mir immer leichter, die Wunder dieser Welt mit Dankbarkeit zu erkennen und zu genießen.“ Und deshalb können wir nun auch seine Expertise genießen …

Wenn man die Gedanken ziehen lassen kann, hat man es geschafft, und man ist im Hier und Jetzt.

Victor Liska, Yoga-Lehrer

3 bekannte Mythen rund um Meditation und ihre Bedeutung

„Das ist nur etwas für Esoteriker“
Meditierende Steinfigur im Grünen
Bild: Victor Liska

Wirken diese Stars und Sportler auf dich wie verspulte Hippies? Bekannte Persönlichkeiten wie Hugh Jackman, Clint Eastwood, Gwyneth Paltrow und Michael Jordan setzen erfolgreich auf die Kraft der Stille. Meditation ist das Training des Geistes. So wie man im Fitnesscenter seine Muskeln trainiert, so ist es empfehlenswert, auch seinen Geist zu trainieren. Ganz ohne Hokuspokus. Stimmt schon: Lange wurde sie als Esoterik belächelt – heute setzen selbst Mediziner auf Meditation. Stress kann auf Dauer unser Immunsystem schwächen. Umgekehrt wird es gestärkt, je entspannter man ist.

„So lange kann ich innerlich nicht stillhalten“
Ohm-Zeichen
Bild: Ksenia Makagonova/ Unsplash

Gerade dann ist Meditation genau das Richtige für dich. Nur ohne Tipps und Technik geht es auf diesem Gebiet einfach nicht, und man schafft es nicht, stillzusitzen. Hier eine simple Anleitung, die du mal probieren kannst:

  • Setz dich gemütlich auf ein Kissen und mach es dir so bequem, wie es nur irgendwie geht. Verwende so viele Polster, wie du brauchst (unter deinem Gesäß und/oder unter den Knien), um schmerzfrei aufrecht sitzen zu können.
  • Wenn du deine Position gefunden hast, schließe deine Augen und richte deine Aufmerksamkeit auf deine Nase. Spür wie die Luft, die deinen Körper mit frischem Sauerstoff und neuer Energie versorgt, bei der Nase ein- und wieder ausströmt.
  • Nimm so ein paar tiefe Atemzüge und dann lass den Atem wieder natürlich laufen, ohne auf ihn einzuwirken.
  • Beobachte den natürlichen Rhythmus des Atems. Schon bald wird wieder ein Gedanke auftauchen – wenn das der Fall ist, kannst du jederzeit wieder etwas tiefer atmen und wieder die Luft in der Nase spüren, um dann, sobald sich der Geist beruhigt hat, wieder den natürlichen Fluss des Atems zu beobachten.
  • Dann kannst du auch mit geschlossenen Augen zuhören. Beginne mit Geräuschen, die möglichst weit weg von dir sind, und dann komm immer näher in den Raum, in dem du sitzt, bis du beim Geräusch deines eigenen Atems angelangt bist, das so leise ist, dass nur du es hören kannst.
  • In der Einatmung richte deine Wirbelsäule immer wieder auf und gönn dir auch, einige Momente einfach nichts zu tun. Keine Atemtechnik, keine Visualisierung, einfach nichts tun. „Dolce far niente“, sozusagen. Du wirst merken, wie dein Geist sich beruhigt und in der Stille verweilt. In der Ruhe liegt die Kraft.
„Die Zeit habe ich nicht
Frau macht mit den Armen eine Yogaübung
Bild: Stephanie Greene/ Unsplash

Wie lautet die alte Zen-Weisheit? „Wenn du Zeit hast, dann meditiere zehn bis dreißig Minuten am Tag. Wenn du keine Zeit hast, dann meditiere eine Stunde am Tag!“ Und nun mal realistisch: Wenn du tatsächlich keine Zeit für längere Pausen hast, um deine Achtsamkeit zu schulen, kannst du deine Praxis zu Beginn auf kürzere Übungen aufteilen. Sich morgens beim Zähneputzen nur aufs Zähneputzen zu konzentrieren oder den Kaffee bei bewusster Atmung zu genießen, das ist ein toller Anfang! Lass dich nicht stressen, denn das wäre das Gegenteil des Vorhabens. Folge nicht starren Regeln, sondern deinem eigenen Flow. Wenn du beim Meditieren nur an die Technik denkst, hängst du im Verstand fest. Auf die Regelmäßigkeit kommt es an, nicht unbedingt auf die Dauer. Es ist eine Reise – zu dir selbst.

Das bringt Meditieren

  1. Eine wundervolle Auszeit: Meditation ist die Pausetaste in unserem hektischen Multitaskingalltag. Sie verlangsamt die Gehirnwellen und ist wie ein erfrischendes Spa für unser Gehirn.
  2. Körperliche und mentale Gesundheit: Der Blutdruck wird gesenkt, das Immunsystem gestärkt und die Durchblutung gefördert. Das ist mittlerweile eindeutig bewiesen. Die Wissenschaft hat auch gezeigt, dass regelmäßige Meditationsübungen die Funktion des Gehirns verbessern und sogar dessen Strukturen verändern können.
  3. Tiefe Selbsterkenntnis: Der Fokus auf die Atmung – und somit auf den Körper – bringt uns zurück zu uns selbst. In der Beobachterrolle erkennen wir viel besser, wenn wir nicht authentisch agieren und was uns wirklich stresst. Ziel der Meditation ist nicht das Erreichen von Gedankenfreiheit, sondern das Erkennen der Gedanken. Wenn man sich bewusst entscheiden kann, diese ziehen zu lassen, dann hat man es geschafft. Man ist im Hier und Jetzt.
  4. Mehr Gelassenheit: Meditation kann dabei helfen, eine heilsame Distanz zum inneren Chaos zu entwickeln. Gleiches gilt für unsere Gefühle. Auch Gefühle sind wie Gedanken, vorübergehende „Phänomene“ unseres Geistes. Wer regelmäßig praktiziert, wird feststellen, wie gelassen und mittig er durchs Leben geht.
  5. Es macht happy und kreativ: Studien an der Universität Kyoto ergaben, dass regelmäßige Meditation tatsächlich die graue Substanz im Precuneus des Gehirns ankurbelt. Es scheint so, dass wir die Fähigkeit in uns tragen, unser eigenes Glück zu entwickeln.
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