Wie du dich an deine Träume erinnerst

Die Fähigkeit, aktiv in die eigenen Träume einzugreifen, heißt luzides Träumen. Schlaf- und Traumforscherin Brigitte Holzinger erklärt wie es geht.

Brigitte Holzinger gilt als eine der führenden Schlaf- und Traumforscherinnen des Landes und hat sich unter anderem auf die Behandlung von Albträumen spezialisiert. Im Interview mit uns erzählt sie, wie du dich und deinen „Geist” auf bewussteres Träumen vorbereiten kannst. Dazu gehört auch, dass du dich an deine Klarträume öfter und besser erinnerst oder Albträume loswirst. Ein erster Schritt Richtung luzides Träumen.

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Bild: Gezalian WnlerKasvc/Unsplash

Mit welcher Einstellung sollte man denn an das Thema Klarträume überhaupt herangehen?
„Die wichtigste Voraussetzung ist zunächst, dass ein Mensch luzid träumen möchte und sich davon etwas Gutes verspricht.“

Die wichtigste Voraussetzung ist zunächst, dass ein Mensch luzid träumen möchte und sich davon etwas Gutes verspricht.

Gibt es Handlungsweisen oder Dinge, die das luzide Träumen fördern?
„Ja. Auf jeden Fall sollte man sich ausführlich mit dem Thema beschäftigen, Artikel und Bücher darüber lesen. Wichtig ist, sich inspirieren zu lassen und sich darauf einzulassen.“

Die Traumerinnerung ist ein wesentlicher Bestandteil des luziden Träumens …
„Genau, es ist der erste Schritt, um eine Brücke zwischen Wachsein und Traumbewusstsein zu schaffen.“

Wie hilfreich ist da das Führen eines Traumtagebuchs um sich auf seine Klarträume zu schulen?
„Extrem hilfreich und ein wichtiger Punkt. Am besten man legt es sich gleich zum Bett, mit dem Gedanken und der Absicht, sich an die Träume erinnern zu wollen.“

Das würde dann aber auch bedeuten, dass allein die Absicht viel bewirken kann?
„Ja, es ist hilfreich, sich bereits beim Einschlafen darauf einzustellen und sich vorzunehmen, dass man sich an Träume erinnern möchte. Das am besten jeden Abend.“

Es ist hilfreich, sich bereits beim Einschlafen darauf einzustellen und sich vorzunehmen, dass man sich an Träume erinnern möchte.

Brigitte Holzinger, Schlaf- und Traumforscherin

Und wie führe ich so ein Traumtagebuch genau?
„Indem Sie jedem Traum nachgehen, morgens und auch nachts – auf sinnlicher Ebene, weniger intellektuell. Wir haben dafür eine eigene Technik entwickelt, die Dream Sense Memory, als Zugang zu den Träumen. Es bedeutet, dass ein Mensch schaut, was er in seinen Klarträumen gesehen, gehört, gespürt, geschmeckt oder gerochen hat. Ein Erinnern, weniger vom Kopf als von den Sinnen her.

Wir sind meist gewöhnt, dass wir uns an etwas intellektuell erinnern, das ist bei einem Traum aber kontraproduktiv. Auf der sinnlichen Ebene aber fällt es leichter, Klarträume zu bergen, weil immer mehr Eindrücke auftauchen, eine Farbe zum Beispiel oder eben etwas, das man gespürt hat. Der Klartraum ist kein intellektueller Vorgang, sondern ein sinnlicher. Daher ist die sinnliche Erinnerung daran der zielführendere Weg. Den Traum sollten Sie möglichst ganz bergen, um alles so detailreich wie möglich aufzuschreiben, im Sinne von ‚sinnlich detailreich‘.“

Wir sind meist gewöhnt, dass wir uns an etwas intellektuell erinnern, das ist bei einem Traum aber kontraproduktiv.

Viele Menschen sagen, sie können sich nie an Träume erinnern.
„Das stimmt – aber sinnlich ist immer irgendwas da. Man hat etwas gespürt oder eine vage Idee von dem, was gesehen wurde. Das allein reicht schon – wenn man da dranbleibt, wird das immer mehr. Die Erinnerung wächst mit dem Üben. Und das Aufschreiben hat eine wichtige Funktion. Diese Übertragung in die Feinmotorik und das zu Papier bringen bewirkt, dass man sich in der nächsten oder übernächsten Nacht noch besser an seine Klarträume erinnern wird. Es ist nicht möglich das Schlafen und Träumen zu ‚machen‘, aber es ist zu fördern …“

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