Schlafen Sie gut, Frau Professor Högl?

In ihrer Serie "Gabriele Kuhn trifft..." richtet die Autorin Lebensstilfragen an Menschen, die's wissen. Diesmal: Schlafforscherin Birgit Högl.
von Gabriele Kuhn | 30. März 2019

Univ.-Prof. Birgit Högl gilt als eine der renommiertesten Schlafforscherinnen weltweit. Die Leiterin des Schlaflabors an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie wird im September 2019 die erste österreichische Präsidentin der Welt-Schlaf-Gesellschaft. carpe diem-Autorin Gabriele Kuhn bat die Expertin zum Schlaf-Gespräch.

Wie wichtig ist es denn, gut und ausreichend zu schlafen?  

Sehr wichtig, das sieht man an den kurzfristigen und langfristigen Folgen des Schlafmangels. Auf kurze Sicht ist bereits nach einer Nacht Schlafentzug die Aufmerksamkeit beeinträchtigt, wie man sie etwa für das Autofahren braucht. Auch so genannte exekutive Funktionen, die man zum Treffen richtiger Entscheidungen in komplexen Situationen benötigt, werden durch zu wenig Schlaf beeinträchtigt. Ebenso ist nach einer schlaflosen Nacht der Stoffwechsel durcheinander und junge, völlig gesunde Versuchspersonen können direkt nach wenigen Nächten teilweisen Schlafentzugs eine abnorme Antwort auf Glukose zeigen, wie sie sonst nur bei älteren Menschen mit einem Vorstadium von Diabetes vorhanden ist.

Das hat auch Folgen für das Immunsystem?

Ja. Es wurde gezeigt, dass bereits eine Nacht Schlafentzug genügt, um die Anfälligkeit für eine gewöhnliche Erkältung zu erhöhen.

Und langfristig betrachtet?

Hier wurde belegt, dass eine sehr kurze Schlafdauer mit einem erhöhten Risiko einhergeht, nach Jahren oder Jahrzehnten an hohem Blutdruck, an Übergewichtigkeit, oder Stoffwechselerkrankungen zu erkranken. In den vergangenen Jahren werden auch vermehrt Zusammenhänge zwischen kurzem oder gestörten Schlaf und Risiko für bestimmte Demenzerkrankungen deutlich.

Offenbar wird uns gerade wieder bewusster, wie wichtig es ist, gut zu schlafen…

Es scheint sich endlich, nach Jahrzehnten, in denen Schlaf als verschwendete Lebenszeit betrachtet wurde, ein Paradigmenwechsel abzuzeichnen. Die Menschen erkennen zunehmend an, dass in ausreichend Schlaf investierte Zeit gleichzeitig ein hochwertiges Investment in die Gesundheit und Lebensqualität in späteren Jahren darstellt. 

Wie viel Schlaf ist ideal?

Nach Empfehlungen der World Sleep Society oder der American Academy of Sleep Medicine sollte man sieben bis neun Stunden pro Nacht schlafen. Frauen brauchen in der Regel eine Stunde mehr Schlaf als Männer. Hier ist die Hauptsache, dass man ausreichend Zeit im Bett verbringt. Ob man dann am Stück schläft oder vielleicht einmal wach liegt, ist weniger wichtig, sofern es einen nicht beeinträchtigt. Wenn es jemanden beeinträchtigt, sollte er Rat suchen.

Ihre Schlaf-Tipps?

Wichtig ist ein günstiges Schlafumfeld. Es sollte dunkel sein, ruhig und von der Temperatur her angenehm. Es kann helfen, eine Schlafbrille zu verwenden, auch Ohrstöpsel sind empfehlenswert. Handy stumm schalten, andere Geräuschquellen ausschließen. Und: Menschen schlafen am besten mit warmen Füßen ein. Hier kann man mit einem Fußbad vor dem Zubettgehen nachhelfen.

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Weiterlesen? Wie Autorin Gabriele Kuhn die Gedanken vor dem Einschlafen bändigt, erzählt sie uns hier. Und carpe diem-Bloggerin Janina Lebisczcak lässt vor dem Zu-Bett-Gehen gerne ihre Kopf-Kuh auf die Weide.

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