Daniela Razocher

Wie du gesunde Grenzen setzt

Oft fällt es uns schwer, unsere persönlichen Grenzen wahrzunehmen. Diese Strategien können dabei helfen.
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Bild: Getty Images

Weißt du, wo deine Grenzen sind? Wie nimmst du sie wahr? Und vor allem wann? Ich habe meine Grenzen viele Jahre lang zu spät wahrgenommen und hatte dadurch nur wenig Handlungsspielraum in herausfordernden Situationen. Und ich war in Folge oft unzufrieden mit mir und den anderen. Das hat sich verändert, als ich weniger die klare Abgrenzung zum Außen suchte, sondern begann zu praktizieren, gut bei mir zu bleiben.

Ich begann zu praktizieren, gut bei mir zu bleiben.

Grenzen geben Klarheit

Manchmal ist es schwer, den Übergang vom Ich zum Du oder von Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden. Im menschlichen Miteinander sind die Linien oft nicht schwarz-weiß und klar gezeichnet. Die Übergänge sind fließend.

Dennoch haben wir ein Bedürfnis nach Klarheit und Grenzen. Es besteht der Wunsch, eine Balance zwischen dem Bei-mir-Sein und dem In-Gemeinschaft-Sein zu finden.

Ein Weg, deine persönlichen Grenzen klar zu spüren, ist Harmonie zwischen deiner mentalen, emotionalen und physischen Bewusstseinsebene herzustellen.

Gibt es im Körper überhaupt Grenzen?

Beim Grenzensetzen geht es nicht darum, ein Feld um mich aufzubauen, wo bestimmte Worte, Umgangsweisen oder emotionale Ladungen nicht hinein können. Es ist kein Bild, auf dem eine Mauer zwischen mir und meinem Gegenüber aufgebaut ist.

Unser Körper, genauer unser Nervensystem, ist permanent mit der Umwelt in Verbindung und im Austausch. Deshalb ist es auch so anstrengend, wenn ich versuche, etwas auszublenden. Es ist eine Anstrengung für den Körper, Signale zu ignorieren und so zu tun, als ob sie mich nicht betreffen. Der US-amerikanische Philosoph und Quantenphysiker David Bohm hat das treffend formuliert:

„Tatsächlich gibt es keine Stelle, wo der Körper wirklich endet – die Begrenzung ist relativ. Wir können nicht sagen: Wenn ein Sauerstoffmolekül in den Körper eintritt, wird es plötzlich lebendig, und wenn es ihn als Kohlendioxid verläßt, ist es tot. Wir müssen sagen, dass wirklich kein eindeutiges Ende des Körpers existiert. Und vielleicht können wir nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, wo das Leben anfängt und wo es endet, sondern nur, dass der Körper eine Art ‚Fokus‘ des Lebens an einer bestimmten Stelle ist.“ (David Bohm: „Der Dialog“, S. 167)

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Bild: Raphael Renter/Unsplash

Die eigene Mitte finden

Vielleicht ist es deshalb so schwierig, Grenzen zu ziehen, weil wir die falschen Bilder im Kopf haben. So wie wir (vom Menschen gezogene) Grenzen kennen – Landesgrenzen, Bezirksgrenzen, Grenzen der religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit – sind sie aus Körperperspektive nicht das, was wir tatsächlich erleben. Grenzen sind für den Körper nicht natürlich.

Viel hilfreicher ist es für mich deshalb, so gut wie möglich in meiner Mitte zu bleiben, damit ich Unangenehmes oder Unerwünschtes, das ich in meiner Umwelt wahrnehme, sein lassen kann. Das heißt, ich spüre meinen ganzen Körper, dehne mich mit meiner Atmung aus und richte meine Aufmerksamkeit auf mein Umfeld. Ich bin bei mir und gleichzeitig verbunden mit der Welt.

Selbstbestimmtes Handeln wird möglich

So kann ich gut wahrnehmen, was für mich stimmig ist und wozu ich nein sagen will. Ich kann frei agieren und bin weniger „reaktiv“ auf externe Trigger.

Wenn ich präsent und gut in meiner Mitte bin, fällt es mir leichter, bei meiner Klarheit und Absicht zu bleiben.

Diese Art, meine persönlichen Grenzen wahrzunehmen, ist ein Ansatz der Inklusion. Ich bleibe bei mir, und das, was mein Gegenüber mitbringt, hat auch Platz. Wenn ich präsent und gut in meiner Mitte bin, fällt es mir leichter, bei meiner Klarheit und Absicht zu bleiben. Ich habe mehr Handlungs- und Entscheidungsspielraum.

Einladung zum Forschen im eigenen Alltag

Wie geht es dir mit deinen Grenzen? Fällt es dir leicht zu spüren, wenn du über deine körperlichen Grenzen gehst? Wie ist das in emotionalen Situationen? Kannst du gut trennen zwischen den Emotionen anderer und deinen?

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