Was Langlaufen wirklich ist – und was nicht

Gleiten statt hetzen: fad oder doch der ultimative Kick in freier Natur? Gefährlich oder das beste Herz-Kreislauf-Training? Wir haben nachgefragt.
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Bild: Getty Images
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Bild: Stephan Werner

Ob beim Skating oder im klassischen Stil, das Ski-Langlaufen erfreut sich steigender Beliebtheit in Österreich – wenn da nicht noch ein paar hartnäckige Vorurteile das naturnahe Vergnügen schmälern würden. Wir haben uns diese genauer angesehen und dazu auch den Sportwissenschaftler und Langlauf-Trainer Stephan Werner um Hilfe gebeten.

Vorurteil 1: Langlaufen ist langweilig

Sagen gerne alle, die es noch nie versucht oder es nie richtig gelernt haben. „Solche klassischen Vorurteile höre ich öfters, aber nur bevor die Leute mal wirklich langgelaufen sind“, so Profi Werner: „Langsam, aber sicher kommt der Sport aus der eingestaubten ‚Pensionisten-Ecke‘ raus, seine vielen Vorteile sind einfach zu überzeugend.“

Langsam, aber sicher kommt Langlaufen aus der eingestaubten ‚Pensionisten-Ecke‘ raus.

Klassischer Langlauf ist die ideale Mischung aus Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining – und das Fitness-orientierte Skating bringt dich so richtig ins Schwitzen!“ Außerdem gibt es auch in Stadtnähe unendlich viele Loipen. Beim Gleiten über glitzernde Wiesen wird auch Anfängern bald klar, was den Zauber ausmacht: Langlaufen ist zwar körperlich anstrengend, aber dabei gleichzeitig entspannend.

Vorurteil 2: Langlaufen ist gefährlich

Das zweite große Vorurteil ist das krasse Gegenteil des ersten. Denn viele Menschen haben Angst davor, sich bei der Abfahrt – nicht einfach auf der schmalen Spur – zu verletzen. Deshalb gilt: Erst die korrekte Technik des Abfahrens, Bremsens und des Notsturzes lernen, sonst kannst du dir bei zu hohem Tempo oder bei Hindernissen auf abschüssigen Strecken tatsächlich durchaus Verletzungen zuziehen.

Nur komplett gesund langlaufen, sonst kann es ‚aufs Herz gehen‘.

Was gut ist: Die Skier sind leicht, zu verdrehten Gelenken kommt es kaum – und die Hände sind ja durch feste Handschuhe geschützt. Die wirkliche „Gefahr“ ist weniger bekannt: Langlaufen bitte nur komplett gesund durchführen. Wer eine Entzündung im Körper hat (auch ein entzündeter Zahn gehört da dazu) oder sich grippig fühlt, verzichtet unbedingt darauf, da sich bei Belastung mögliche Erreger im ganzen Körper ausbreiten und laienhaft ausgedrückt „aufs Herz gehen.“ Werner dazu: „Eine sportmedizinische Untersuchung und ein Herz-Kreislauf-Check sind vor Beginn auf jeden Fall ratsam.

Voruteil 3: Skaten ist viel cooler als der klassische Stil

Trends kommen und gehen. Skaten, die schnelle Langlauf-Variante, ist ein extrem agiler und sehr angesagter Wintersport, bei dem man schnell ins Schwitzen gerät. Allerdings – die Meisterklasse (im wahrsten Sinne des Wortes) bleibt immer noch der Diagonalschritt mit freier Gleitphase in der klassischen Lauftechnik. Wer diese richtig beherrscht, kennt die Basis für viele Variationen.

Bei Anfängern und auch bei Fortgeschrittenen, die die korrekte Technik nie richtig gelernt haben, erfolgt der Beinabstoß oft zur falschen Zeit oder er wird zu schwach ausgeführt, detto der Stockeinsatz. Wie anspruchsvoll und aufregend der klassische Stil ist, weiß man erst, wenn man ihn richtig beherrscht“, verrät Stephan Werner.

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Bild: Phillip Belena/Unsplash

Was Langlaufen wirklich ist:

  • Langlaufen ist der ultimative Allround-Sport. Langlaufen aktiviert 90 Prozent der Muskulatur – es stärkt Beine, Hintern und Arme, bringt den Oberkörper in Form, es ist ein ideales Herz-Kreislauft-Training und beugt Bluthochdruck, Infarkten und Diabetes beim gesunden Menschen vor. Auch Balance und Koordination werden trainiert. Langlaufen fördert die Durchblutung, schont die Gelenke und powert die mentale Gesundheit, nur Schwimmen ist eine ähnlich perfekte Ganzkörper-Sportart, jedoch sind im Vergleich zum Langlaufen bedeutend weniger Muskelgruppen im Einsatz.
  • Langlaufen ist ideal zum Abnehmen. Im Durchschnitt geht man beim richtigen Skilanglaufen von einem Kalorienverbrauch von mindestens 1.000 Kilokalorien aus, die man in einer Stunde verbrennt. Langlaufen ist ein Top-Konditionstraining, bei dem viele Muskelgruppen gleichzeitig aktiviert werden.
  • Langlaufen ist günstig und schont die Nerven. Keine teure Liftkarte, kein Anstellen und Herumgeschubstwerden, keine Rowdys, einfach rein in die Loipe und los geht’s. Auch die Kosten für die Ausrüstung sind im Vergleich zum Skisport deutlich geringer.
  • Langlaufen ist meditativ. Nur die Natur und du, kein Lärm, kein Aprés-Ski-Gegröle: Beim Langlaufen kann man die Schönheit der Umgebung ganz unverfälscht erleben. Und wer länger läuft, erreicht einen wunderbaren Zustand voller Achtsamkeit und innerer Ruhe.
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Bild: Stephan Werner

Über unseren Experten
Stephan Werner
unterrichtet seit einem Jahrzehnt Skilanglauf an der am Universitätssportinstitut Wien und testet als Leistungsdiagnostiker in seinem Institut „WEsports – First in Sports and Science“ Einsteiger und Profisportler.

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