Klartraum: Wie du luzides Träumen lernen kannst

Sich möglichst oft an Trauminhalte erinnern – oder sie gar bewusst steuern können: Das wünschen sich viele Menschen. Aber wie funktioniert's?
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Bild: Szabo Viktor/Unsplash

„Unter luzidem Träumen oder Klarträumen versteht man Traumzustände, in denen sich ein Träumender bewusst ist, dass er träumt und so entscheidend ins Geschehen eingreifen kann“, sagt Brigitte Holzinger. Sie leitet das Institut für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien und hat luzides Träumen als hilfreiche Methode entwickelt, um Albträume loszuwerden. Bekannt wurde das luzide Träumen vor allem aus dem Film „Inception“ mit Leonardo DiCaprio, in dem gezeigt wird, wie die Träume anderer Menschen gezielt beeinflusst werden. Fast jeder Zweite hat schon einmal einen Klartraum erlebt.

Folgende Faktoren machen einen Klartraum aus: Man kann das Traumgeschehen mehr oder weniger bewusst beeinflussen und weiß, dass das, was passiert, „nur geträumt“ ist. Und: Der Träumende kann sich nach dem Aufwachen an den Traum erinnern. Im Klartraum sind auch die Sinne „da“: Man fühlt, riecht, schmeckt.

Eine der bekanntesten Strategien, um das Klarträumen zu erlernen, heißt „WILD-Methode“ für „Wake Initiated Lucid Dream“: Die Idee ist dabei, den Klartraum direkt aus der Einschlafphase, also aus dem Wachzustand heraus, zu initiieren. Schwierig ist das deshalb, weil man gewissermaßen sein Bewusstsein „wach“ halten muss, während man einschläft. Und zwar, indem man sich entspannt, doch gleichzeitig an nichts anderes denkt als an den bewussten Traum. Dabei sollte man sich nicht bewegen. Für Ungeübte anfangs eine schlafraubende Methode. 

Das Gehirn wird für den Klartraum auch durch den „Realitätscheck“ untertags trainiert: Dabei stellt man sich im Wachzustand in allen möglichen Alltagssituationen die Frage: Ist das ein Traum? Träume oder wache ich?

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Yohann Lc / Unsplash

Aber was hat man davon, wenn man klar träumt oder lernt, sich besser an seine Träume zu erinnern? In ihren Schlafcoachings bringt Brigitte Holzinger Menschen nicht nur bei, wie sie wieder besser schlafen, sondern auch, wie sie ihre Träume nützen können. „Das hilft, den inneren Erlebnisspielraum zu erweitern. Träume sind pure Gefühle. Luzid träumen zu können wird oft als Glücksgefühl erlebt, es kann beflügeln“, erklärt sie.

Träume sind pure Gefühle. Luzid träumen zu können wird oft als Glücksgefühl erlebt, es kann beflügeln.

Traumforscherin Brigitte Holzinger

Deshalb holen sich gerade Kreative aus dem Klartraum Anregungen. Außerdem versprechen sich manche Menschen, auf diese Weise psychotherapeutische Prozesse und inneres Wachstum anzuregen.

Sich an Träume erinnern zu können und der Klartraum selbst gehören zusammen – als „Brücke zwischen Wachsein und Traumgeschehen“, wie Holzinger sagt. Laut dem Schweizer Sportwissenschaftler Daniel Erlacher ist der Klartraum auch eine gute Methode für Spitzensportler, um sich Bewegungsabläufe einzutrainieren und zu merken.

„Ich träum nicht“ gibt’s nicht

Viele meinen, sie würden nur selten oder gar nicht träumen. Tatsächlich träumt aber ausnahmslos jeder. Während des nächtlichen Schlafs werden bis zu fünf REM-Schlafphasen durchlaufen. Früher dachte man, es würde nur in REM-Schlafphasen geträumt, mittlerweile nehmen Forscher an, dass es so gut wie keine Schlafphase gibt, in der nicht geträumt wird. Klarträume treten aber vor allem in der REM-Phase auf.

Warum sich manche Menschen besser und andere schlechter an ihre Träume erinnern, haben französische Forscher herausgefunden: Es hat etwas mit dem Gehirn zu tun. Bei Menschen, die ihre Traumerinnerungen ins Aufwachen mitnehmen können, sind bestimmte Hirn-Areale aktiver, die für die Aufmerksamkeit zuständig sind. So „landen“ Träume im Gedächtnis. 

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Zohre Nemati / Unsplash

Carpe noctem: Luzides Träumen lernen in 4 Schritten

Und so lernst du, dich an Träume zu erinnern:

  1. Interesse. Im ersten Schritt solltest du dich für sie interessieren. „Das Wichtigste ist wirklich, dass man das möchte und sich davon etwas Gutes verspricht“, sagt Holzinger. Eine Frage der Entscheidung und des Fokus also – es gilt, das Traumgedächtnis zu trainieren.
  2. Intensive Beschäftigung mit dem Thema. „Deshalb ist es weiters wichtig, dass man sich mit dem Thema Traum intensiv beschäftigt, sich darauf einlässt und sich von Büchern inspirieren lässt“, rät Holzinger.
  3. Das Führen eines Traumtagebuchs, das man sich neben das Bett legt. Darin werden alle Träume bis ins kleinste Detail notiert.
  4. Sich das Erinnern ganz fest vornehmen. „Als vierte Maßnahme, sollte man sich beim Einschlafen innerlich darauf einstellen, sich an die Träume zu erinnern“, rät Holzinger weiters.
  5. Aufwachen und dem Traum sofort nachgehen. „Das bitte möglichst auf einer sinnlichen Ebene. Dafür haben wir die ,Dream Sense Memory‘- Technik entwickelt, um Träume zugänglich zu machen.“

Es geht darum, sich weniger vom Kopf her zu erinnern als von den Sinnen her. Intellektuelles Erinnern ist kontraproduktiv.

Brigitte Holzinger

Sinnlich bedeutet in diesem Fall, dass der Träumer nachfühlt, was er gesehen, gehört, gespürt, gerochen oder geschmeckt hat. „Es geht darum, sich weniger vom Kopf her zu erinnern als von den Sinnen her. Intellektuelles Erinnern ist kontraproduktiv, ein Traum ist kein intellektueller Vorgang, sondern ein sinnlicher. Daher ist das sinnliche Erinnern der bessere Weg, um Träume zu bergen. Es tauchen mehr Bilder auf.“ Wichtig ist, den Traum möglichst gesamtheitlich zu „bergen“ und ihn dann so detailreich wie möglich ins Traumtagebuch zu schreiben.

Die Einnahme von Schlaftabletten oder der Genuss von zu viel Alkohol macht Träume übrigens kaputt. Wichtig für das Traumgeschehen – und die Erinnerung – ist außerdem Regelmäßigkeit und ausreichender Schlaf.
Weitere Infos: www.traum.ac.at; www.schlafcoaching.org

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