Verzeihen: In 4 Schritten zu innerem Frieden

Verzeihen ist nicht immer einfach. Finden wir aber inneren Frieden, profitieren wir nachhaltig. Wie das gelingt? Schritt für Schritt!

Dass Verzeihen eine Eigenschaft des Starken ist, wusste schon Mahatma Gandhi. Was unsere Grenzen verletzt und uns trifft, ist individuell verschieden – und nicht zuletzt von unserer Biografie und Persönlichkeit abhängig.

Egal ob du dich im Stich gelassen fühlst, ob hinter deinem Rücken gelästert wird oder du vom Partner betrogen wurdest: Irgendwann gilt es, einen stimmigen Umgang damit zu finden. Körper und Seele zeigen recht deutlich, wenn es an der Zeit ist, Ballast abzuwerfen. Der Mensch als soziales Wesen strebt grundsätzlich danach, zu vergeben. Und das ist gut so, denn nur so ist man wieder offen für neue Erfahrungen. Insofern kommt Verzeihen nicht nur dem eigenen Bedürfnis nach innerem Frieden entgegen, sondern bietet auch neue Chancen.

Warum tut uns Verzeihen gut?

Wenn wir verletzt sind, prasselt ein wahres Potpourri von Gefühlen auf uns ein. Wir sind traurig, wütend oder beschämt, und diese starken Gefühle lassen sich nur schwer abschütteln. Dieses Gefühlschaos ist erst einmal völlig normal. Doch du in deinen Emotionen gefangen bleibst, weil es dir nicht gelingt, abzuschließen, kann das typische Beschwerden mit sich bringen. Du merkst das vielleicht daran, dass du nicht abschalten kannst. Gedanklich beschäftigst du dich immer wieder mit dem Erlebtem, unangenehme Gefühle scheinen omnipräsent. Die Folge: Dein Körper steht ständig in Alarmbereitschaft unter unter Strom. Körperliche Symptome im Magen-Darm-Bereich oder Schlafprobleme sind häufig unangenehme Begleiterscheinungen.

4 Schritte hin zum Verzeihen

Es geht beim Verzeihen nicht darum, Grenzüberschreitungen zu akzeptieren oder Absolution zu erteilen. Im Gegenteil, wer verzeiht, bleibt ganz bei sich – und ist auch nicht auf Entschuldigungen oder Wiedergutmachung angewiesen. Das Gegenüber muss sogar von deinem Verzeihen nicht einmal wissen. Es ist ganz allein dein eigener Prozess. So kannst du sogar mit Situationen Frieden machen, die sich nicht mehr direkt klären lassen.

Diese vier Schritte hin zu innerem Frieden dienen als Orientierung. Betrachte sie als Fahrplan, den du individuell anpassen kannst. Vermeintliche Rückschritte brauchen dich nicht zu verunsichern. Sie sind Teil jedes Prozesses.

1. Die Vogelperspektive einnehmen

In einem ersten Schritt ist es sinnvoll, Distanz zu den eigenen Gefühlen zu schaffen. Betrachte die stattgefundene Verletzung so objektiv wie möglich: Ist die Situation den Ärger wert? Ist es überhaupt denkbar, zu verzeihen? Was würde sich dadurch ändern? Was nicht? Wenn es sich für dich stimmig anfühlt, kannst du auch versuchen, dich ins Gegenüber hineinzuversetzen. War das grenzüberschreitende Verhalten beabsichtigt? Hätte die Person anders handeln können? Ein objektives Bild der Situation kann helfen, Dinge besser einzuordnen. Das ermöglicht Reflexion, bevor es zur Entscheidungsfindung kommt.

2. Sich ein letztes Mal in die Verletzung hineinfühlen

Die gefühlsmäßige Auseinandersetzung mit dem Erlebten ist der schwierigste Part im Prozess des Verzeihens. Man muss sich in die eigene Kränkung hineinfühlen, was Wunden aufreißt. Inwieweit klingen damalige Gefühle nach? Wie wirkt sich das seelisch und körperlich aus? Was macht das mit unserer Lebensqualität? Vielleicht helfen dir Rituale. Du kannst etwa schriftlich festzuhalten, wie du dich damals gefühlt hast, oder aber das Durchlebte laut aussprechen.

3. Bewusst entscheiden, zu verzeihen

Das Geschehene zu reflektieren und sich mit deinen Gefühlen auseinanderzusetzen, ermöglicht dir, eine Entscheidung zu treffen. Solltest du dich nicht dazu durchringen können, zu verzeihen, ist das in Ordnung. Der Prozess endet dann einfach an dieser Stelle. Wichtig ist es: achtsam bei sich zu bleiben und genau die Entscheidung zu treffen, die sich stimmig anfühlt.

4. Loslassen und an der neuen Haltung erfreuen

Dieser letzte Schritt ist der angenehmste. Bist du hier angekommen, hast du viel geschafft. Du hast gelernt, loszulassen und deinen Frieden mit der Sache gefunden. Deshalb brauchst du dich nicht zu sorgen, wenn vermeintliche „Rückschläge“ auftreten. Gewesenes darf uns begleiten und auch von Zeit zu Zeit anklopfen. Durch das bewusste Verzeihen hast du mit der Sache aber abgeschlossen. Daher fällt es dir leicht, deiner neuen Haltung treu zu bleiben.

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