Ab wann muss mein Kind zum Zahnarzt?

Müssen schon Säuglinge zum Zahnarzt? Und worauf kommt es bei der Zahnpflege in den ersten Lebensjahren an? Kinderzahnärztin Dr. Nicola Meißner hat die Antworten.

Es gibt kein „zu früh“, denn vom ersten Zahn an sollten die Zähne richtig gepflegt werden. Zudem erhalten Eltern beim Kinderzahnarzt wertvolle Tipps und Tricks zum Zähneputzen – ganz besonders dann, wenn die Kleinen noch nicht so ganz überzeugt davon sind. Auch die zahnfreundliche Ernährung spielt eine große Rolle: Damit sich schädliche Gewohnheit, wie zuckerhaltige Getränke während der Nacht (Stichwort Fläschchenkaries) gar nicht erst einschleichen. Außerdem werden die Kinder beim Zahnarzt oder einer speziellen Kinderzahnärztin sanft an die Untersuchung im Mund herangeführt – nicht erst, wenn schon Probleme da sind!

Beim Kinderzahnarzt: Was passiert beim ersten Besuch?

Im Idealfall steht beim ersten Besuch das Kennenlernen im Vordergrund. Kindgerecht wird Schritt für Schritt erklärt, wie die Zähne mit dem Spiegel angeschaut („gezählt“) werden, wie der kleine Luftpuster die Zähne trockenföhnt und die helle Lampe auch in die dunkelste Ecke leuchtet. Möglicherweise sind Röntgenbilder sinnvoll, weil sich Karies häufig in den Zahnzwischenräumen versteckt. Falls Behandlungsbedarf besteht, bespricht der Zahnarzt oder die Zahnärztin mit den Eltern, welcher Weg dafür der geeignetste fürs Kind ist.

Wie bereiten Eltern ihr Kind vor?

Möglichst wenig Aufheben darum machen! Denn der Besuch beim Kinderzahnarzt oder bei der Zahnärztin soll in der Wahrnehmung der Kinder etwas ganz Normales sein. Besonders dann, wenn die Eltern selbst ein eher mulmiges Gefühl vor eigenen Besuchen haben, werden sie dies bei gut gemeinten Erklärungen unbewusst auf ihr Kind übertragen. Auch Kinderbücher zum Thema Zahnarzt eignen sich eher zur Nachbereitung, wenn die Kinder schon ihren eigenen Eindruck von der Zahnarztpraxis bekommen haben.

Wie pflegt man die kindlichen Zähne?

Sobald die ersten Milchzähnchen kommen, ist es an der Zeit, mit dem Zähneputzen zu beginnen. In der Regel ist das mit sechs bis neun Monaten der Fall. Dafür verwendet man eine weiche Kinderzahnbürste – und auch eine kleine Menge Kinderzahnpasta. Die geeignete Putzposition und -technik lässt man sich am besten in der zahnärztlichen Ordination direkt am Kind zeigen. Kinderzähne sollten zweimal täglich geputzt werden, wobei besonders die gründliche Reinigung am Abend wichtig ist. Bei eng stehenden Zähnen, besonders wenn es die Backenzähne sind, raten wir zusätzlich zu Zahnseide. Wie Sie diese bei Kindern richtig verwenden, dazu geben speziall ausgebildete Prophylaxeassistentinnen in den Ordinationen hilfreiche Tipps.

Braucht es von Anfang an Zahnpasta?

Ja! Die Menge an Zahnpasta wird der Anzahl der Zähne und dem Alter des Kindes angepasst: Sind nur ein paar Schneidezähnchen da, wird auch nur ein Hauch Zahnpasta aufgetragen. Im vollständigen Milchgebiss ab etwa zweieinhalb Jahren wird die Menge von reiskorngroß bis erbsengroß gesteigert. Der Fluoridgehalt der Zahnpasta sollte neueren Empfehlungen zufolge bei 1000 ppm liegen. Dass die Zahnpasta verschluckt wird, ist in dieser geringen Menge vollkommen unbedenklich. Dabei wird wertvolles Fluorid – ein natürliches Spurenelement – aufgenommen und die zusätzliche Einnahme von fluoridhaltigen Tabletten ist nicht notwendig.

Welche Auffälligkeiten sind ein Fall für den Kinderzahnarzt?

Es gibt Auffälligkeiten an den kindlichen Zähnen, bei denen Eltern nicht zögern sollten, eine zahnärztliche Ordination aufzusuchen. Diese können sowohl die Zähne selbst als auch die Zahnstellung betreffen: Weißliche Flecken auf den Zähnen sind möglicherweise Anzeichen beginnender Karies, besonders an den oberen Schneidezähnen oder den kleinen Backenzähnen. Aber auch die sogenannten Kreidezähne – eine zunehmend häufig auftretende Mineralisationsstörung – äußert sich durch kreidig-weiße bis bräunliche Flecken auf den Zähnen. Zahnfehlstellungen kommen in diesem Alter meist von den Lutschhabits, also dem übermäßigen Gebrauch des Schnullers oder bei bestimmten Angewohnheiten im kindlichen Schluckmuster. Sie sollten in der Folge auch logopädisch begleitet werden.

Die Frage beantwortete: Dr. Nicola Meißner, Kinderzahnärztin in der Salzburger Kinderzahnordination www.kinderzahn.at.