Wann der weibliche Zyklus Superkräfte verleiht – und wann nicht

Kenne deinen Zyklus und die Welt ist dein Freund. Wenn du weißt, welche Jahreszeit gerade in deinem Körper herrscht, kannst du das zu deinem Vorteil nutzen – und neue Kräfte in dir wecken.
von Janina Lebiszczak | 13. Februar 2020
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Bild: GettyImages

Biorhythmus? Kennt man. Die innere Uhr soll den Takt des Lebens vorgeben, besonders bekannt ist etwa der Tag-Nacht-Rhythmus, der Aktivitäts- und Ruhephasen regelt und eng mit der Lichtverteilung zusammenhängt. Und sonst? Gibt es noch den Nahrungs- und Trinkrhythmus, den Körpertemperatur-Rhythmus und als eine weitere Form einer biologischen Periodik: den weiblichen Zyklus.

Dass Frauen einmal im Monat bluten, solange sie fruchtbar sind, wird zwar immer noch tabuisiert, aber: Es bessert sich. Freundinnen müssen sich nicht mehr heimlich Tampons unter dem Tisch reichen, als wären es Drogen. Es gibt Seminare, bei denen man lernt, besser mit PMS oder Bauchweh umzugehen, und jede Menge Hashtags auf Instagram, die der Blutung den Schrecken nehmen.

Freundinnen müssen sich nicht mehr heimlich Tampons unter dem Tisch reichen, als wären es Drogen.

Dementsprechend interessant ist auch die Erforschung des weiblichen Zyklus, der je nach Phase die unterschiedlichsten Auswirkungen auf Seele und Körper haben soll.

Die Wahl-Berlinerin Anna Buzzoni hat mit „Medulla“ (annabuzzoni.com) eine Plattform geschaffen, die sich genau diesem Thema widmet. Sie ist zwar keine Ärztin, aber eine eifrige Datensammlerin. Buzzoni meint, dass das, was der weibliche Körper jeden Monat vollbringt, einen Einfluss darauf hat, wie wir uns fühlen. Und dieses Phänomen können wir nutzen. Manchmal braucht es etwas mehr kuschlige Me-Time, manchmal mehr Aktivität – ähnlich wie in den Jahreszeiten.

1. Frühling | Nach der Periode: Östrogen, erwache!

Alles wächst und gedeiht, auch die Gebärmutterschleimhaut und die Eizellen in deinem Körper. In der follikulären Phase steigern sich Stimmung und Motivation. Diese Zeit eignet sich hervorragend zum sportlichen Training, weil sich das Progesteron (das für Schlaf und Regeneration unerlässlich ist) auf seinem niedrigsten Punkt befindet. Das Östrogen übernimmt langsam, aber sicher die Dominanz. Du bist gesellig, gut gelaunt und aktiv – the only way ist up!

2. Sommer | Die Zeit des Eisprungs: Hormon-Superkräfte

Du bist auf Partnersuche oder hast einfach Lust auf einen Flirt? Frauen wirken rund um ihren Eisprung angeblich attraktiver, jedenfalls ergaben das mehrere Untersuchungen. Speziell Männer finden den Körpergeruch von Frauen jetzt besonders sexy. Das wurde in einer finnischen Studie getestet, bei der sie an Shirts riechen mussten, die ihre Partnerinnen vor, während und nach ihrem Eisprung getragen hatten.

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Bild: Brianna Santellan/Unsplash

Die Testosteron-, Dopamin- und Serotoninwerte schnellen in die Höhe, detto der Östrogenspiegel. Du fühlst dich spitze und stark, das macht sich im Bett, im Berufsleben und natürlich auch im Gym bemerkbar. Wäre dein Zyklus eine Superheldin, würde diese gerade Heldinnentaten vollbringen.

3. Herbst | Prämenstruell fallen die Blätter: Sei sanft zu dir selbst

In dieser Phase dominiert das Hormon Progesteron. Viele Frauen klagen über Schmerzen in den Brüsten, die durch Wassereinlagerungen um eine Körbchengröße wachsen können. Das Hormon Prolaktin kitzelt die Drüsenzellen zusätzlich zwecks Milchbildung: autsch! Das Östrogen sinkt ab, Anspannungen, Reizbarkeit und Müdigkeit machen dir zu schaffen.

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Bild: Roberto Nickson/Unsplash

In dieser emotionellen Zeit solltest du sanft zu dir sein und dich nicht überfordern. Dafür gehen Routinearbeiten leichter von der Hand, und die Schlafqualität steigert sich.

4. Winter | Während der Regel heißt es nun: Rückzug!

Als Anti-These zur Hektik und dem Leistungsdruck unserer Gesellschaft steht die Blutung an sich. Eine gute Phase für den gemütlichen Rückzug. Man reflektiert, ruht und reinigt sich – innen wie außen. Wellness, Spa-Sessions, eine Tasse Tee, Schaumbäder und Schlabberhosen tun jetzt besonders gut.

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Bild: Unsplash

Östrogen ist aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin übrigens das Hormon, welches dem Yin entspricht. Yin steht für das Kühle, das Passive und Langsame. Das Blut und auch die Eizelle werden dem Yin zugeordnet. Wir verlieren mit der Menstruation Blut und damit Yin. Dicke Socken an, Heizung hoch. Treat yourself!

Buchtipp
Für alle, die auch in der Küche die Kraft ihres Zyklus nutzen wollen: „Eat like a woman“ (https://femininefood.at) von Andrea Haselmayr, Denise Rosenberger und Verena Haselmayr zeigt, wie die richtige Ernährung PMS und Regelbeschwerden mildern und den Zyklus positiv beeinflussen kann.

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