Daniela Razocher

Warum es oft schwierig ist, im Moment zu leben – und wie dir eine einfache Zeichnung dabei helfen kann

Aufmerksamkeitscoach Daniela Razocher verrät eine einfache Methode, die Klarheit bringt.
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Bild: Unsplash

Im Moment zu leben gilt gemeinhin als erstrebenswertes Ziel. Das klingt in der Theorie schön und unkompliziert, die Realität sieht aber oft anders aus.

Das Spannungsfeld zwischen Sollen und Wollen

Da kommen nämlich einige Faktoren zusammen, die es einem nicht leicht machen, vollkommen klar zu sehen und den Ist-Zustand zu genießen oder überhaupt wahrzunehmen:

  • (durch vergangene Erlebnisse geprägte) Gedanken, Verhaltensmuster und Gewohnheiten,
  • Wünsche und Ziele für die Zukunft,
  • die Erwartungshaltung, sich weiterzuentwickeln,
  • der Einfluss von Menschen aus dem Lebensumfeld und
  • äußere Umstände.

Mit der Flow-Schleife wieder in den Fluss kommen

Flow Schleife Razocher

Wenn ich mich in einer Situation befinde, die emotional aufgeladen ist, und ich das Gefühl habe festzustecken, hilft mir folgende Zeichnung: Ich male eine Schleife, in deren Mitte ich entspannt bin, mich wohlfühle und ganz bei mir bin. Rundherum schreibe ich Emotionen auf. Das hilft ungemein, mich zu verorten und zu erkennen, wohin ich mich bewegen möchte. Die Schleife – übrigens eine Idee von Charles Davies – bringt mich nicht nur dazu, im Hier und Jetzt zu sein, sie bringt mich auch wieder in den Fluss. Mir wird wieder bewusst, dass nichts im Leben fix ist und ich mich bewegen kann.

Und sie lebten glücklich …

Ich glaube, dass wir manchmal vergessen, dass das Hier und Jetzt das gesamte Gefühlsspektrum abdeckt und nicht nur den Idealzustand. Ich weiß nicht, wer uns das eingeredet hat, aber es hat nichts mit der Realität zu tun, so wie ich sie kenne. Falls es Märchen waren, die uns vom Glück bis ans Ende ihrer Tage erzählten, wäre ich dafür, sie umzuschreiben.

Einladung zum Ausprobieren

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Bild: Artem Beliaikin/Unsplash

Vielleicht hast du auch Lust, mit der Flow-Schleife zu experimentieren? Dann möchte ich dich zu folgendem Versuch einladen: Wenn du das nächste Mal in einer unangenehmen Situation steckst, nimm Papier und Stift zur Hand.

  • Zeichne die Schleife.
  • Markiere instinktiv, wo du dich gerade befindest und wie du den Zustand nennst.
  • Dann überlege, welche Zustände du noch kennst – die kannst du auch eintragen.
  • Mach einen tiefen, entspannten Atemzug und überlege, wie es wäre, dich zwei Schritte nach rechts oder links in der Schleife zu bewegen.
  • Wie würde sich das anfühlen? Wie könnte es weitergehen?
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